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März bis April 2017

In der südlichen Karibik


Fünfzigster Brief



Nach dem Karneval in Port of Spain benötige ich noch ein paar Tage, um über 1000 Fotos zu begutachten und dann die ausgewählten Fotos zu bearbeiten. Im Ergebnis fließen dann einige in den 49. Bericht ein. Danach wird es aber Zeit, den Anker zu lichten. Warum?

Der Aufenthalt in Trinidad ist für eine Transityacht sehr bürokratisch. Man bekommt mit dem Einklarieren bei Immigration and Custom keine freie Verkehrserlaubnis für die gesamte Insel, evtl. einschließlich Tobago, sondern muss, wenn man Chaguaramas verlassen will um in einer anderen Bucht zu ankern, wieder bei den Behörden auftauchen, seine Absicht konkret mitteilen, und bekommt dann, aber auch nur für den bezeichneten Ort einen Stempel. Damit die Yachten das auch einhalten, kontrolliert die Coast Guard. Das ist so abstrus, und ich habe das auch noch in keinem anderen Land außer Griechenland (immerhin Mitglied der EU) erlebt. Einen kleinen Unterschied gibt es, in Griechenland wird nicht kontrolliert bzw. man kann sich damit herausreden, dass man in Buchten vor Anker gelegen habe.

Da ich diese ganze Prozedur nicht will, bin ich mit der Santa Maria in Chaguaramas festgenagelt.. Dieser quirlige Industriehafen ist laut, dreckig und es steht durch den 24 Stunden Schiffsverkehr ein nie enden wollender Schwell. Die Bordwand der Santa Maria ist von der Wasserlinie bis ca. 30 cm nach oben voller Schmutz und Öl. Als ich dann endlich das Land Richtung Norden verlassen will, fahre ich erst einmal in die ruhige und saubere Scotland Bay - natürlich illegal, denn ich habe ja schon ausklariert - und benötige zwei Stunden, um die Wasserlinie einigermaßen sauber zu bekommen. Dann, am frühen Nachmittag starte ich nach Grenada. In der Nacht habe ich eine merkwürdige Schiffsbegegnung, die ich aber nicht näher erklären kann. Eine auf dem Wasser tanzende Laterne (Marke trübe Funzel) taucht vor mir auf und nach einer Weile wandert das Licht über Steuerbord nach Achtern aus. Was das war, kann ich nicht sagen, vielleicht Piraten? Am frühen Morgen komme ich in der Prickley Bay an und gehe in der Nähe einer deutschen Yacht, die vor einem Monat auch schon hier lag, vor Anker.

Hier lerne ich dann Jan aus dem Harz kennen, der mit seiner "Phoebe", einer Bianca 26 (unter 9 m!), seit 3 1/2 Jahren um die Welt segelt und unter anderem in Patagonien war. Jan ist Anfang 30 und hält vom bürgerlichen Arbeitsleben nicht sehr viel. Er ist notorisch klamm und will jetzt nach Deutschland, um schnell soviel Geld zu verdienen, dass er bald wieder los kann. Wir treffen uns auf Carriacou erneut, und da er immer auf der Suche nach Gelegenheitsjobs ist, will ich ihm einen geben. Gegen Bezahlung soll er die Wasserlinie der Santa Maria erneut von Muscheln und Dreck säubern. Wir verabreden uns für den nächsten Tag um 10.00 Uhr. Er kommt nicht um 10.00 Uhr, er kommt nicht um 11.00 Uhr, er kommt nicht um 12.00 Uhr. Da habe ich die "Faxen dicke" und fahre mit dem Dingi zum Einkaufen an Land. Als ich gegen 13.30 Uhr zurück komme, lungert er mit seinem Dingi in der Nähe der Santa Maria herum. Unbekümmert will er mir die Verspätung erklären (er habe sich verquatscht). Da ist er bei mir an der richtigen Stelle. Unmissverständlich erkläre ich ihm, dass ich bei soviel Unzuverlässigkeit auf seine Dienste verzichte. Dann muss ich's halt selbst machen, obwohl ich gesundheitlich im Moment nicht so gut drauf bin.

Die langen Liegezeiten an den Ankerplätzen verführen mich dazu, über das "Wie weiter?" ausgiebig nachzudenken. Die Euphorie ist dahin. Technische Probleme, gesundheitliche Probleme, eine nicht enden wollende Bürokratie auf den Inseln und ein Preisniveau, das in Einzelfällen bis zu dreimal so hoch ist wie in Europa - paradiesisch nenne ich das nicht. Dabei kriegt man die meisten Sachen, die man von Europa gewöhnt ist, überhaupt nicht.

Im Ergebnis komme ich zu folgendem Schluss:

Zuerst segle ich mal nach Norden, bis Martinique. Meinen ursprünglichen Plan, im Juni wieder nach Trinidad zurück zu segeln, gebe ich auf. In Martinique kann ich mich ordentlich verproviantieren (es ist schließlich Frankreich), und dann segle ich Ende April, möglichst nonstop, nach Portugal.

In Martinique angekommen, geht es schon wieder weiter mit den technischen Problemen. Als erstes streikt mein Außenborder. Ich habe keine Lust ihn hier schon wieder reparieren zu lassen. Das hatte ich ja bereits in Chaguaramas, was mich dort 160 € gekostet hat, bei einem Neuwert des Motors von 700 €. Ich entscheide mich hier in Le Marin für einen 6 PS Mercury. An den kann ich einen externen Tank anschließen und so entfällt das dauernde Nachtanken, was jeweils eine Quelle für Dreck oder Wasser im Tank und somit im Vergaser ist. Außerdem ist er natürlich noch etwas komfortabler. Er hat nicht nur Vorwärtsgang und Neutralstellung, sondern er hat sogar einen Rückwärtsgang. Welch Luxus.

Als nächstes lädt meine Lichtmaschine die Batterien nicht mehr. Mir wird ein deutscher Segler, Chris, empfohlen, der aber leider keine Zeit hat. Dann gehe ich zu einer professionellen Bude, nur leider steht erst einmal das Wochenende vor der Tür. Aber Montag früh soll ich den Monteur im Dingidock des Boatyard abholen, und er schaut sich die Sache dann mal an. Gesagt getan, er schaut, stellt fest dass Kabel an der Lichtmaschine nicht verbunden sind und dass der Keilriemen, den wir erst vor kurzer Zeit neu installiert haben, zu locker ist. Er tut alles, was getan werden muss, 70 € wechseln den Eigentümer, und schon bin ich wieder angemessen glücklich. Immerhin funktionieren jetzt wieder zwei von drei möglichen Strommachern (Solar und Maschine). Der Windgenerator ist leider immer noch ein Ausfall, und das wird er sicher bis Portugal auch bleiben.

Von meinem Ankerplatz aus kann ich mit dem Dingi schnell den Supermarkt "Leader Price" erreichen. Sehr komfortabel haben sie für die Segler extra einen Dingisteg gebaut. Bei Leader Price gibt es (fast) alles zu sehr günstigen Preisen. Sogar Dieselkanister für zusätzliche 150 Ltr. Diesel kann ich dort günstig erstehen. Die benötige ich für die zu erwartenden Kalmenzonen auf dem Weg nach Portugal. Mit dem zusätzlichen Vorrat habe ich insgesamt 470 Ltr. Diesel. Damit komme ich, bei ökonomischer Fahrweise, ungefähr 1.300 sm weit. Bei einer Gesamtstrecke von (direkter Weg) 3.088 sm sollte das reichen.

So, die letzten Einkäufe sind getätigt. Am 23. April 2017 gehe ich Anker auf. Wenn es gut läuft, bin ich in einem Monat in Portugal. Von dort melde ich mich dann wieder.


Die Reise nach Europa beginnt








© Rüdiger Kreutschmann


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