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Kap Finistere - Gibraltar - Lagos (Portugal)

Fünfter Brief


Heute Morgen hat Eddi abgemustert. Es ist jetzt 23.00 Uhr und er befindet sich vermutlich im Landeanflug zum Flughafen Leipzig. Wir sind heute bei schwachem bis gar keinem Wind nach Viana do Castelo gesegelt/motort. Es ist unser erster portugiesischer Hafen (port of entry). Dies wird hier, im EU-Zeitalter, noch sehr ernst genommen. Einklarieren wie in alten Zeiten. Eigentumsnachweis für die Yacht, Passkontrolle und der ganze Schnickschnack. Bevor es aber so weit ist, weist uns Hafenmeister Paulo bereits in der Hafeneinfahrt den letzten freien, aber durchaus hervorragenden Liegeplatz zu. Ein Schweizer Segler hilft beim Anlegen. Im nu ist ein deutsches Paar zum Palavern zur Stelle, Ulrike und Klaus, die ich später in Lagos wiedertreffen werde. Auch sie wollen an der Algarve überwintern. Paulo erweist sich in seinem Office als total witziger Typ. Er spricht sehr gut Englisch - mein Portugiesisch ist noch ausbaufähig. So erfahre ich, dass meine Entscheidung, in Portimao überwintern zu wollen, von ihm voll mitgetragen wird. Als Begründung gibt er an, Portimao sei portugiesischer als Lagos (6 sm entfernt). Lagos sei voller Touristen. Na ja, wir sind schließlich auch Touristen. Paolo hat Schwierigkeiten mit dem Umlaut in meinem Vornamen. Flugs benutzt er nur noch meinen zweiten, den er aus meinem Pass stibitzt. Völlig begeistert ist er von unserem Schiffsnamen. Er zählt mir gleich auf, was ihm alles zu Santa Maria, Christoph Kolumbus und dem portugiesischen Anteil einfällt. Das Kolumbus Genueser war und für die spanische Krone die "Neue Welt" entdeckte, übergeht er, trotz meines kleinen Hinweises, großzügig.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es vor dem heutigen Einschlafen noch. Keine 200 m vom Hafen entfernt gibt es ein open air Konzert. Die Musik ist leicht gewöhnungsbedürftig. Helmut ist mit Ohrenstopfen schlafen gegangen. Achim und ich haben alle Schotten dicht gemacht. Ich bin gespannt, wie lange sie heute Nacht fiedeln werden. Zwischendurch gibt es noch ein kleines Feuerwerk. Wir bilden uns ein, es findet uns zu Ehren statt.

3.9.2007 (Portugal)

Heute haben wir einen ersten Stadtbummel gemacht. Eine kleine quirlige Stadt, in der das Bemühen zu sehen ist, alles fein zu gestalten. Kein Vergleich mit Vigo, wo viele Häuserruinen zu sehen waren.



Viana do Castelo



marktplatz

Marktplatz



Traditionelles Wäschewaschen



So wird Tankgeld kassiert



Wer die Santa Maria kennt, weiß, dass der portugiesische Rosè Matheus hier als Hausmarke gilt. Vor 14 Jahren an der Algarve war er deutlich teurer als in Deutschland. In dieser netten Stadt ist er jetzt um ein Drittel billiger als in Deutschland. Die erste Kiste wird am gleichen Abend Opfer von drei durstigen Nordeuropäern. In einem Supermarkt wird mir klar, warum manche Segler einfach in einem Hafen hängen bleiben. Eine bezaubernde Portugiesin fragt mich: "can I help you, sir". Sie kann. Da soll man nicht schwach werden. Ein Glück, dass Achim und Helmut dabei sind; sie bringen mich schnell auf das Ziel unserer Reise zurück.



Casa das Estampas de Santa Luzia



Einfahrt von Viana do Castelo



Die Kommunikation mit anderen Yachties nimmt deutlich zu. Ein Schweizer Paar (die männliche Hilfe von gestern) mit Kleinkind ist auf Nordkurs. Sie haben noch für ein paar Monate Geld, dann müssen sie wieder schaffen gehen. Von der Lady, eindeutig die Chefin im Ring, bekommen wir wertvolle Tipps für die Weiterreise. Leixoes ist schon vom Plan gestrichen. Der Hafen soll laut, schmutzig, teuer und bürokratisch sein. Da auch andere Segler diesen Eindruck bestätigen, werden wir wahrscheinlich nach Povoa de Varzim gehen. Das Handbuch schreibt: "a small, friendly marina in a busy fishing harbour". Genau das was wir wollen. Die Metro bringt uns von dort zu einem Stadtbummel nach Porto und auch Helmut, der nächsten Sonntag abheuern wird, zum Airport.



So können Träume enden



Am 5.9. segeln wir bei stark wechselnden Winden die 22 sm nach Povoa do Varzim. In 4 ½ Stunden habe ich noch nie so viele Segelmanöver gefahren. Alle paar Minuten nimmt der Wind entweder ab oder zu. Im Hafen angekommen müssen wir nicht, wie im Handbuch angegeben, am Visitor Steg anlegen, sondern gleich drei Marineiros weisen uns einen Platz zu und stehen als Hilfe auf dem Steg, um unsere Leinen wahrzunehmen. Im Hafenoffice kann ich bei einer freundlichen Senorita einklarieren. Die Schiffspapiere sind außerordentlich wichtig. Ich bin froh, dass die Santa Maria im Seeschiffsregister eingetragen ist. Dieser amtliche Eigentumsnachweis erleichtert die bürokratische Prozedur erheblich. Dies ist zwar erst der zweite portugiesische Hafen für uns; mein Eindruck, dass Portugal ein servicefreundliches Land ist, verstärkt sich. Auch in den Orten werden wir immer freundlich behandelt.

Im Office gibt es einen Internet Access Point. Es entsteht durch die Segler im Hafen eine "Internet community". Bis zu 7 Segler habe ich schon gezählt, die mit ihren Laptops das Büro bevölkern. Eine deutsche Madam ist besonders aktiv. Sie hat mich bereits auf dem Steg zugetextet. Im Hafenmeisterbüro ist sie jedem Schotten, Iren, Engländer, Schweden oder sonstigem Landsmann oder sonstiger Landsfrau behilflich. Ob die wollen oder nicht. Wenn man im Laufe des Tages irgendwo im Hafen auftaucht, Madam ist schon da. Ihren Mann, mit dem sie auf einer Hallberg Rassy 42 unterwegs ist, habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich wird er unter Verschluss gehalten.

Morgen wollen wir mit der Bahn nach Porto. Mindestens eine gute Flasche Portwein sollte unsere Beute sein. Ich bin gespannt, ob uns die Stadt gefällt. Bisher waren die kleinen Orte in der Regel schöner als die Städte.

Die Fahrt nach Porto dauert mit der neuen Metro eine Stunde. Sie hält an jeder Milchkanne. Die Großstadt hat gemischte Gefühle hinterlassen. Es ist schon sichtbar, dass der Weinhandel die Stadt reich gemacht hat. Andererseits, wie in allen Großstädten, auch verfallende Viertel. Es gibt Tourismus, allerdings keinen überbordenden. Zu den großen Weinhändlern, wie Sandeman, werden die Touristenbusse gekarrt. Wir bevorzugen einen kleineren Händler und kommen zu einer netten Weinprobe, in deren Ergebnis wir dann doch mehr als eine Flasche Portwein als Beute wegschleppen. Was drei ausgewachsene mitteleuropäische Männer bei 30° C schleppen können, wird geschleppt. Ein sehr gutes Essen in einem italienischen Restaurant (!) beschließt unseren Ausflug.



porto

Porto



gustave eiffel

Das Wirken von Gustave Eiffel in Porto



porto

Porto



porto

Azulejos im Bahnhof Porto



Den morgigen Tag werden wir noch in Povoa do Varzim bleiben. Am Sonntag wird Helmut uns verlassen und nach Deutschland zurückkehren. Zu zweit segeln wir dann nach Lissabon, wo Andreas zu uns stoßen wird. Bisher haben alle Verabredungen und Termine wie geplant geklappt. Ich hoffe das wird auch weiter so sein.

Wir sind wieder in Fahrt. Die langen Hafenaufenthalte, so entspannend sie auch sind, nerven irgendwann. Außerdem kommt am Donnerstag (13.9.) Andreas in Lissabon an. Bis dorthin sind es rund 170 sm. Gestern, nach einem der üblichen Sonnenaufgänge, kam überraschend Nebel auf. Ich war gerade mit dem Fahrrad zum Brötchen holen. Als ich die Bäckerei betrat, geschah das noch bei strahlender Sonne. Nachdem ich den Bäcker verließ, dicke Suppe. Den ganzen Samstag hielt sich der Nebel hartnäckig. Selbst die langen Hosen wurden wieder ausgekramt.

Helmut wurde gestern Abend mit einer Lasagne verabschiedet. Sie hat uns allen mal wieder vorzüglich geschmeckt. Heute habe ich Helmuts Segeltasche bis kurz vors office getragen. Der Beweis, dass er Freunde an Bord hatte. Er fliegt heute von Porto nach Frankfurt.

Nachdem das Taxi ihn abgeholt hat, setzen Achim und ich die Segel und gehen auf Südkurs. Wir wollen es vom Wetter abhängig machen, wie es weitergeht. Wir können segeln. Nicht sehr schnell, aber wir kommen voran. In 5 Stunden knapp 15 sm. Na ja.

Am Nachmittag setzt die totale Flaute ein. Mit 1500 U/min lasse ich den Diesel arbeiten. Dies geht bis Mitternacht so. Mittlerweile haben wir uns entschieden weiter zu fahren.

Der Montag fängt weiter mit "Gedaddel" an. Nachts begegnen wir trawlenden Sardinenfischern, denen wir zum Teil ausweichen müssen. Mit den Sardinenschwärmen tauchen auch wieder Tümmler auf. Zuerst sieht Achim welche auf seiner Wache. Auf meiner Wache sind sie dann auch da. Sie kommen vom Heck der Santa Maria pfeilschnell an. Ich traue meinen Augen nicht. Sie ziehen eine helle Spur durchs Wasser, so dass man glaubt, sie würden das Wasser zum leuchten bringen. Es ist ein tolles Schauspiel, bei dem der Seemann sich vorgaukelt, dieses Spiel würden die Tiere nur für ihn aufführen. Wir fahren mit der Maschine um die 5 Knoten durchs Wasser. Die Tümmler zischen vorbei. Später, als wir langsamer segeln, ziehen sie gemächlich prustend an unserem Schiff vorbei. Es hat den Anschein, als würden sie sich unserer Schiffsgeschwindigkeit anpassen. In den frühen Morgenstunden fahren die Fischer mit ihrem Fang in die Häfen und hunderte von Tümmler ziehen ihre Bahn von Nord nach Süd. Ich vermute, dass sie, wie die Fischer, in der Nacht reiche Beute gemacht haben und nunmehr zu neuen Fanggründen schwimmen.

stempel

Um 22.00 Uhr ist über Land starkes Wetterleuchten zu beobachten. Dies haben wir schon öfter gesehen, ohne dass es bei uns zu Niederschlägen gekommen ist. Vielleicht regnet es in den Bergen.

In der Nacht kommen wir an Figueira da Foz vorbei. Hier wäre eine Alternative zum Anlegen. Ich vermeide dies aber tunlichst, da vor vielen Jahren ein mit Achim befreundetes Ehepaar an der Hafenmole gestrandet und dabei umgekommen ist. Ich glaube zwar nicht abergläubisch zu sein, aber man weiß ja nie. Achim hat sich damals noch bis La Rochelle an Bord befunden und es beschäftigt ihn heute immer noch.

Um 24.00 Uhr haben wir eine Begegnung mit einem Fahrzeug, welches rot über grün und zusätzlich seine rote Positionslaterne zeigt. Achim ist nur schwer zu überzeugen, dass es sich um einen Großsegler handelt. Erst als er rot über grün ausgeschaltet hat und dafür zwei weiße Lichter zeigt (das hintere höher als das vordere, er hat die Maschine angestellt), ist er überzeugt, dass es kein Fischer mit unverständlichen Lichtern ist.

Um 06.00 Uhr nimmt der Wind zu. Wir laufen nur unter Genua über sechs Knoten. Um 06.46 Uhr legt irgendjemand den Hebel um und schwupp, kein Wind mehr. Die letzten 15 sm müssen wir mit Maschine den Tejo hinauffahren.

Nach dem Studium des Handbuches entscheiden wir uns für den Yachthafen "Doca de Alcantara". Als wir davor stehen ist die Fußgängerbrücke geschlossen. Auf Kanal 68 rufe ich den Hafenmeister. Bevor ich mein Sprüchlein aufsagen kann höre ich schon "bridge open in 10 minutes, sir". Ich bedanke mich und wir warten ab. Pünktlich öffnet die Brücke und wir können einfahren und dann am Steg für visitor anlegen. Die Formalitäten sind im office schnell erledigt und wir bekommen einen Platz zugewiesen.



tejo

Morgenstimmung auf dem Tejo



torre de belem

Torre de Belém



Als ich Andreas in Berlin unsere Ankunft telefonisch mitteile, erfahre ich so nebenbei, dass er am Sonntag hier einfliegen will. Auf meinen Hinweis, er komme doch schon Donnerstag, ist er einigermaßen verdattert. Er will das klären. Nach einer viertel Stunde bestätigt er per SMS, dass er bereits Donnerstag angeflogen kommt. Er hat an Bord nicht umsonst den Namen "Leichtsinnsmatrose".

Am Mittwoch brechen wir zu einer Sightseeing Tour auf. Vom Hafenmeister wollen wir uns ein Taxi rufen lassen, da taucht Carlos auf. Für 16 € bietet er uns mit seinem Kleinbus eine individuelle Stadtrundfahrt an. Anschließend will er uns noch zum Castelo S. Jorge fahren. Dort wollen wir sowieso hin. Bei dieser Fahrt erfahren wir einiges über bestimmte Stadtviertel von Lissabon. Auch bei seiner Wohnung kommen wir vorbei. Er muss noch bei Mama sein Handy abholen, das er vergessen hatte.



doka de alcantara

Santa Maria im Doca de Alcântara



Castelo de São Jorge



Der Blick vom Castelo S. Jorge über die Stadt ist phantastisch. In der Mittagshitze erklimmen wir die Mauern. Gewöhnungsbedürftig ist der leichte Dunst, der bei Hochdruckwetter, welches für dauernden Sonnenschein verantwortlich ist, immer vorhanden ist. Gestochen scharfe Fotos können so nicht entstehen. Alles ist immer weich gezeichnet.

Nachdem wir den Abstieg zu Fuß geschafft haben, suchen wir in der Baixa (Altstadtzentrum) einen Optiker für eine meiner Brillen. Nachdem nun schon zwei defekt geworden sind, brauche ich dringend einen Reparateur. In einem sehr eleganten Laden, bei einem noch eleganteren Señor, wird mir für 3 € geholfen. Ein neuer Nylonfaden hält nun das Brillenglas wieder fest.

Donnerstag, den 13.9. kommt Andreas pünktlich in Lissabon an. Der Schrecken eines jeden Skippers wird wahr. Er kommt tatsächlich mit einem Hartschalenkoffer an. Eine "Todsünde" an Bord, weil es garantiert keinen Platz gibt, wo man einen solchen Koffer unterbringen kann. Na ja, bis Ulrike kommt, hat er die Achterkajüte für sich, und er muss sehen, wie er mit seinem Getrödel fertig wird.

Am Abend machen wir noch einen kleinen Lissabonbummel. In der Innenstadt höre ich plötzlich Musik, die mich elektrisiert. Sie kommt aus einem Gebäude, welches mit "Amalia Diskothek" überschrieben ist. Für einen Diskothekbesuch fühle ich mich dann doch schon etwas alt und gehe enttäuscht weiter. Auf dem Rückweg kommen wir erneut an dem Gebäude vorbei. Wieder die gleiche Art der Musik, wieder die gleiche Stimme. Die Neugier siegt. Als ich durch die Tür eintrete bin ich überrascht. Nix Diskothek - es handelt sich um einen CD-Laden, der ausschließlich Fadomusik von Amália Rodrigues verkauft. Ich erstehe von der Fadoikone Portugals eine CD. Hier ein kleiner Auszug aus Wikipedia:

"Amália Rodrigues, mit vollem Namen Amália da Piedade Rebordão Rodrigues (* 23. Juli (genaues Datum zweifelhaft) 1920 in Lissabon; 6. Oktober 1999) war die wohl bedeutendste Fado-Sängerin. Sie wird auch als Königin des Fado bezeichnet.

Amália war eines von zehn Kindern einer armen Familie. Als junges Mädchen musste sie beim Verkauf von Früchten in den Docks von Alcântara mithelfen. 1939 begann ihre Karriere als Fado-Sängerin im Nachtclub Retiro da Severa. Ein Jahr später heiratete sie den Gitarristen Francisco da Cruz. In den Jahren 1944 und 1945 führten Tourneen sie nach Brasilien, wo auch ihre ersten Plattenaufnahmen stattfanden. In den folgenden Jahrzehnten nahm sie unzählige Platten auf (die Zahl wird auf über 170 geschätzt) und wirkte in etwa einem Dutzend Filmen mit. Tourneen führten sie um die ganze Welt. Ihre unpolitische Haltung unter der Diktatur Salazars wurde ihr oft vorgehalten. Musikalisch jedoch war sie unumstritten. Den letzten öffentlichen Auftritt hatte sie im Rahmen der Expo 1998.

Anlässlich ihres Todes im Oktober 1999 rief der damalige Premierminister António Guterres eine dreitägige Staatstrauer aus, der laufende Wahlkampf wurde eingestellt. Sie wurde auf dem Friedhof Prazeres beigesetzt. 2001 überführte man ihre sterblichen Überreste in das Lissabonner Pantheon in der Kirche Santa Engrácia, eine Ehre, die ihr als erster und bisher einziger Frau zuteil wurde."

Man kann diese Musik als Hintergrundgeräusch laufen lassen; man kann sich aber auch verträumt dieser Musik hingeben und dabei seinen schwermütigen Gedanken nachhängen.

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Am nächsten Tag verlassen wir Lissabon. Die Fußgängerbrücke der Doca de Alcântara öffnet sich für uns um 12.00 Uhr und schon fahren wir auf dem Tejo stromab. Der Wind steht noch gegen uns, nach zwei Stunden können wir allerdings die Segel setzen und Richtung Sines segeln. Der Wind ist frisch, die Sonne knallt und wir haben einen schönen Segeltag. Kurz vor Mitternacht laufen wir mal wieder mit Radarunterstützung in den Hafen von Sines ein. An den Schwimmstegen ist es voll. Wir beschließen, im Hafenbecken zu ankern. Dies ist hier nicht ungewöhnlich. Außer uns liegen schon vier weitere Yachten vor Anker. Im Ostseebereich ist das nicht üblich.

Morgens, nach einem späten Frühstück gehen wir um 11.15 Uhr Anker auf und setzen bereits im Hafenbecken alle Segel. Der Wind ist schwach, der Atlantik wie ein Ententeich und die Sonne verwöhnt uns wieder. Wir können von Glück sagen, dass wir mit dem Portugalstrom, der nach Süden setzt, segeln. Das bringt uns pro Stunde eine halbe bis eine ganze Meile näher an unser Ziel. Im Laufe des Tages und insbesondere in der Nacht treiben wir mehr als dass wir segeln. Trotzdem halten wir durch. Der Motor wird nachts nur für eine Stunde zum Laden der Batterien angestellt. Achim weicht nachts ein paar Fischern aus, die hier nach Sardinen trawlen.

In den frühen Sonntagmorgenstunden runden wir das Cabo de Sao Vicente. Nach ein paar Meilen passieren wir auch Pt. Sagres. Dieser historische Ort dient nicht nur als Namensgeber für das landesweit wichtigste Bier, sondern hier wirkte vor 500 Jahren auch Heiner (Infante Dom Henrique - Prinz Heinrich der Seefahrer) mit seinen Navigatoren. Er gilt als der Ahnherr der Endeckungen zur See. Vasco da Gama und andere Seefahrer hatten wesentlich von seinen Visionen profitiert.



Leuchtfeuer Cabo de Sao Vicente



Unsere Außenbordskameraden, Tümmler und Delphine, begleiten uns nach dem Passieren der Kaps wieder. Da geschieht etwas Ungewöhnliches. Von achtern rauscht ein kleines Gummiboot mit zwei Männern heran. Der vordere hat ein kurzläufiges Gewehr in den Händen, das auch noch in unsere Richtung zeigt. Er gibt uns zu verstehen, dass er Delphine jagt und auf sie schießt (?). Wir sollten uns keine Verwunderungsmütze aufsetzen. Tatsächlich, sie drehen wieder ab und jagen einer Delphinschule hinterher. Aus kurzer Distanz sehen wir den Mann in Richtung der Delphine schießen. Es sind aber keine toten oder verletzten Tiere zu sehen. Wir diskutieren hin und her, was das zu bedeuten hat. Immerhin haben diese Säugetiere für Fischer keinen wirtschaftlichen Nutzen. Außerdem handelte es sich bei dem Typen auf keinen Fall um einen Fischer, er gehört eher zu der Sorte "cooler Surfer".

Ratlos fahren wir weiter nach Lagos. Nach Tagen haben wir eine recht plausible Theorie. Im Hafen werden Besichtigungsfahrten (dolphin watching) mit schnellen Motorbooten angeboten. Damit die Touristen auf ihre Kosten kommen, scheint am Anfang der Algarveküste der Flintenheini eingesetzt zu werden, um die Tiere die Algarveküste entlang zu treiben. Eine etwas makabre Art, Natur erlebbar zu machen. Wenn unsere Theorie stimmt!

Der Yachthafen von Lagos ist hervorragend. Eine großzügige Anlage mit allem Komfort und gepflegtem Ambiente. Da wir bei strahlendem Sonnenschein ankommen, wirken die weißen Häuser intensiv. Ohne Sonnenbrille ist es gar nicht auszuhalten. Ich bin sehr angetan. Die Stadt hat der Versuchung widerstanden, die Küste mit Hotelhochhäusern zuzubauen.

Diese Sünde erleben wir am nächsten Tag. Mit dem Taxi lassen wir uns nach Portimao kutschieren. Ich bin ziemlich entsetzt. Es sieht hier aus wie klein Manhattan. Betonburgen soweit das Auge reicht. Die Küste sieht schrecklich aus. Der Yachthafen macht zwar einen professionellen Eindruck, liegt aber vom Ort weit entfernt. Meine Entscheidung ist schnell gefallen. Ich werde versuchen, einen Liegeplatz in Lagos zu bekommen.

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Wir sind jetzt seit knapp zwei Monaten unterwegs. Ich finde das toll. Meine Begeisterung wird aber nicht unbedingt geteilt. Der Wunsch, die Reise jetzt als beendet anzusehen, ist zwar verständlich, war aber nicht so geplant. Meine Planung war allen Teilnehmern der Reise bekannt. Das Angebot, Gibraltar fallen zu lassen, wird spontan begrüßt. Wie es die nächsten zwei Wochen weitergehen soll wird aber nicht klar. Ich bin mittelschwer verärgert.

Mittwoch segeln wir 7 sm zum Rio Arade. Im Mündungsgebiet gehen wir vor Anker. Am Abend kommt ein Paar (Berliner) mit dem Schlauchboot längsseits, die sich seit drei Jahren in dieser Gegend aufhalten. Von ihnen bekommen wir ein paar brauchbare Tipps. Nach dem Abendessen bereden wir unsere Situation. Wir finden wieder Konsens und der Frieden an Bord ist wiederhergestellt.

Am späten Vormittag des nächsten Tages gehen wir Anker auf, um in Richtung Cadiz zu segeln. Der Tag vergeht mit dem Versuch, immer wieder mal einen Windhauch einzufangen. Selbst der Spinacker (großes buntes Ballonsegel) kommt zum Einsatz. Leider nur für eine gute Stunde. Am Abend entscheiden wir, bis Cadiz durchzusegeln/zu fahren. Um 10.30 Uhr des nächsten Tages können wir in einer ordentlichen Marina an einem Schwimmsteg, dem "Puerto America", festmachen.

Im Marinaumfeld wird kräftig gebaut. Das Office befindet sich in einem Container. Die Sanitäranlagen sind schon fertig und prinzipiell in Ordnung. Die billigen Plastikbeschläge sind aber bereits beschädigt oder abgerissen. Am Nachmittag starten wir zu einem Stadtbummel. Es sind viele Touristen in der Stadt. Abseits dieser Ströme ist aber viel Spanien zu sehen. Am Abend besuchen wir erst eine spanische Bierkneipe, um anschließend inmitten von Einheimischen zu essen. Von Touris weit und breit nichts zu sehen. Sehr angenehm.

Wir wollen nun doch noch nach Gibraltar. Da Achim nicht mehr nachts segeln will, soll in Barbate de Franco ein Zwischenstopp eingelegt werden. Auf dem Weg dort hin runden wir das Kap Trafalgar. Wieder einer dieser historischen Orte, der viel Blut gesehen hat.

In der Schlacht von Trafalgar, auf Britischer Seite geführt von Admiral Nelson, wurde Frankreichs Flotte endgültig ausgeschaltet. Napoleon musste seine Invasionspläne für die Britischen Inseln aufgeben. Nelson bezahlte den Sieg mit seinem Tod. Admiral Nelson wird in Großbritannien als nationaler Held gefeiert und durch zahlreiche Denkmäler geehrt. Das damalige Flaggschiff der englischen Flotte, die HMS Victory, lässt sich heute in den Historic Dockyards der südenglischen Hafenstadt Portsmouth besichtigen.

Wir ankern vor dem Hafen von Barbate de Franco. Nicht ganz ruhig, aber auszuhalten.

Am nächsten Tag fahren wir mit der Maschine die 36 sm nach Gibraltar. Die Sicht ist schlecht. Obwohl die afrikanische Küste an der engsten Stelle nur ca. 8 sm entfernt ist, sehen wir sie nicht. Die Bucht von Algeciras ist voller Ankerlieger. Containerfrachter, Gastanker, Frachter auf Trampfahrt, alles ist hier vertreten. Wir fahren Slalom, um zum Affenfelsen zu kommen. In der piekfeinen Queensway Quay Marina werden wir abgewiesen. Die Marina Bay nimmt uns aber auf. Hier liegen wir direkt am runway für die Flieger. Gott sei dank starten und landen während des Tages nur wenige Maschinen. Aber wenn, dann schon mit erheblichem Getöse. Hier müssen wir das erste Mal auf dieser Reise mit Muringleinen festmachen.



Marina Bay - Gibraltar



public pedestrian way





Zu Gibraltar gehört, außer billig Schnaps und Parfum zu kaufen, eine Fahrt mit dem cablecar auf den Affenfelsen, "The Rock". Die Berberaffen sind munter und frech wie eh und je. Eine englische Lady erzählt mir ganz empört, dass ein Affe ihr einen Apfel aus der Tasche gestohlen hat. Sie kann sich gar nicht beruhigen. Achim sichert mein abgelegtes Fotozubehör, damit die Affen es nicht stehlen. Nach unten geht's für uns nicht wieder mit der Gondel, sondern zu Fuß. Wir kommen an eine Stelle, an der ein public pedestrian way (öffentlicher Fußgänger Weg) ausgeschildert ist. Die Engländer sind schon ein merkwürdiges Volk. Sie hätten dazu schreiben müssen, dass man auf diesem Weg möglichst Bergausrüstung braucht. Letztlich sind wir aber unbeschadet unten angekommen. Am Abend kaufen wir noch in einem englischen Supermarkt ein. Die Engländer haben wirklich keine Ahnung von Essen und Trinken. Wenn etwas genießbar ist, dann kommt es aus Spanien oder Frankreich. Das Brot ist schlichtweg schrecklich



Marina Bay

Am nächsten Tag beginnen wir die Rückreise zur Algarve. Zur Nacht suchen wir uns jeweils einen Ankerplatz. Auf der portugiesischen Seite des Grenzflusses Guadiana liegt das kleine Städtchen Vila Real do Santo Antonio. Sehr malerisch. Dort machen wir für eine Nacht fest. Es gibt hier keine englischen, deutschen oder holländischen Touristen. Die Strandpromenade mit dem Grand Hotel wirkt ein wenig wie 19. Jahrhundert. In den Gassen dahinter finden wir schöne alte (einfache) portugiesische Häuser. Hübsch angemalt und mit nicht zu viel Azulejos (Kacheln). Es ist leider nur ein flüchtiger Eindruck.

Die Ausfahrt aus dem Hafen am nächsten Morgen ist kein Ruhmesblatt für den Skipper der Santa Maria. Es gibt starken auslaufenden Strom. Nachdem die Leinen gelöst sind, treiben wir quer auf die Hafenausfahrt zu. Nur mit Mühe kann ich verhindern, dass wir in einen Katamaran krachen. Nicht verhindern kann ich, dass wir einen Versorgungspinökel (Strom/Wasser) umnieten. Reden wir nicht mehr drüber.

Am Samstag (29.9.2007) haben wir einen schönen Segeltag nach Portimao. Ich weiß nicht, ob es das ganze Jahr hier so ist, aber in den wenigen Wochen, die wir hier segeln, ist es sehr angenehm. Kein Vergleich zur Ostsee, die Dünung wie die Windsee sind immer gut zu ertragen. Wir haben schon Leute getroffen, die hier seit mehreren Jahren segeln.

Montag früh fahren wir die 7 sm nach Lagos hinüber. Damit ist die Überführungsfahrt der Santa Maria nach 2.345,7 sm erfolgreich beendet. Schiff und Mannschaft sind unbeschadet und ohne Havarie in dem Bestimmungshafen angekommen. Am Samstag geht's zurück nach Deutschland. Dann wartet die Santa Maria zwei Monate auf ihren Skipper, um für neue Taten bereit zu sein.


link 7. Karte



Santa Maria in der Marina de Lagos


© Rüdiger Kreutschmann


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