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Dezember 2016/Januar 2017

Fluch der Karibik?


Achtundvierzigster Brief



Obwohl ich dachte, alles vor der Abreise aus Portugal getan zu haben, klebt das Pech an der Santa Maria und damit auch an mir.

Die Chronik:

In Martinique angekommen, funktioniert zuerst die Ankerwinde nicht wie sie soll und dann reißt eine Schlauchschelle am Motor und ein reißender Sturzbach Seewasser ergießt sich in den Motorraum (siehe letzten Bericht).

Über St. Lucia segeln wir nach Bequia und es kommt noch schlimmer. Der Motor springt nicht an. Wir erneuern die Polklemmen an den drei Batterien und säubern vielerlei Kontakte. Beim Messen stellen wir fest, eine der Verbraucherbatterien ist defekt. Da man nicht eine Batterie auswechseln kann, erstehe ich zwei neue Batterien zu einem Preis, zu dem ich in Deutschland drei bekommen würde. Behilflich ist uns Kerry, von Kerry Marine Service, ein Ein-Mann Betrieb. Da ich bei unseren eigenen Bemühungen noch eine Schraube am Ladestromverteiler (Isolater) abgerissen habe (sie war total korrodiert), will er uns auch damit behilflich sein. Mehrere Telefonate mit Budget Marine auf Grenada führen leider nicht zum Erfolg, weil an Sylvester kein Flugzeug mehr aus Grenada kommt. Da wir an Neujahr weitersegeln wollen, werden wir uns den Isolater selbst auf Grenada besorgen.

Eine Folge der ganzen Murkserei ist, dass wir einen Regler der Solarpanele zerschossen haben. Aber weitaus schlimmer, weil erheblich teurer, der Windgenerator liefert keinen Strom mehr. Ich vermute, der Controller ist beim Abklemmen der Batterien vom Netz ebenfalls zerstört worden. Man muss nämlich, bevor man den Generator vom Batterienetz nimmt, zuerst die drei Kabel von der Masteinheit abklemmen, was wir nicht getan haben.

Auf Bequia feiern wir Sylvester mit der Crew der SY Tara, Gabi, Anja und Uwe. Mit Gabi war ich ja im Frühjahr 2016 nach Sevilla gesegelt, und Uwe lernte ich in Lagos kennen. Am Neujahrsmorgen segeln wir dann nach Carriacou, um möglichst schnell nach Grenada zu kommen. Erst dort haben wir die Möglichkeit, dringend benötigte Ersatzteile zu bekommen. Zwei Tage später gehen wir dann vor St. George, der Hauptstadt Grenadas, vor Anker und fahren unverzüglich mit dem Dingi zu Island Water World. Wie ich schon erwartet hatte, kann ich nicht einzelne Ersatzteile des Windgenerators erwerben, sondern muss eine komplette Anlage kaufen. Mit einigen anderen dringend benötigten Dingen wechseln schnell 2.500 US$ den Besitzer. Zurück an Bord gehen wir schnell Anker auf - der Ankerplatz hier ist sehr unruhig -, um noch im Süden Grenadas, in der Prickly Bay, vor Anker zu gehen.

Am nächsten Tag soll uns ein Monteur von "Turbulence Ltd." bei der Programmierung des Silentwind behilflich sein. Sie nehmen auch schriftlich einen Auftrag an und werben mit "sailmaking, rigging, electronics". Es kommen auch zwei Typen zu uns an Bord, lassen sich das Problem schildern und versprechen wieder zu kommen. Aber sie haben sich wohl versprochen. Wir warten drei Tage, dann fahren wir mit dem Dingi auf die andere Seite der Bucht zur Prickly Bay Marina. Dort verspricht man uns Hilfe durch einen Stephen von MarineTech. Wer nicht kommt ist Stephen. Langsam nimmt etwas Panik von mir Besitz. Zu allem Überfluss, der Motor springt wieder nicht an.

Mein nächster Hilferuf geht an "Spice Island Marine", die im Scheitel der Prickly Bay angesiedelt sind. Dort sind nicht nur Schwätzer, sondern uns wird sofort ein Monteur mitgegeben, Desmond. Desmond bearbeitet eine Menge Kontakte an den Batterien wie auch am Motor und nach zwei Stunden springt die Maschine wieder an. Wir schreiben mittlerweile den 9. Januar 2017 und befinden uns schon fast einen Monat in der Karibik. Nichts als Arbeit und Sorgen.

Zwei Tage später, am Nachmittag, der obligatorische Motortest. Die Mistkrücke springt wieder nicht an. Am 12. Januar ist Refik's Rückflug nach Deutschland. Bevor er aber von Bord geht, stehe ich bei "Spice Island Marine" früh auf der Matte. Ich sehe Desmond und schildere ihm mein Problem. Er kann nichts entscheiden, ich soll auf seinen Boss warten. Der kommt dann nach ca. einer halben Stunde. Die beiden palavern eine ganze Weile, wovon ich nur einen Bruchteil verstehe. Letztlich soll ich Desmond in zwei Stunden nochmals an Bord holen. Als er dann da ist, macht er sich nochmals an allen Kontakten an den Batterien zu schaffen. Mit Drahtbürste und Schleifpapier säubert er nochmals alles. Nach zweieinhalb Stunden springt die Maschine wieder an. Desmond meint, jetzt sei er aber auch mit seinem Latein am Ende. Vorsichthalber gibt er mir noch seine private Telefonnummer.

Vier Tage später, der Motor sprang täglich ohne zu murren an, gehe ich Anker auf, um in den St. David's Harbour zu fahren. Harbour ist ein bisschen hochtrabend, es handelt sich um eine kleine, nach Süden offene Ankerbucht. Am Ende der Bucht ist "Grenada Marine" angesiedelt und ich erhoffe mir hier Hilfe für mein Dingi - es hält nicht mehr lange die Luft - und Hilfe bei der Programmierung des neuen Controllers für den Windgenerator.

Das Dingi ist schnell repariert. Ein winziger Riss im Bugbereich wird von einem Fachmann lokalisiert und dann mit einem Flicken zugeklebt. Mein im Internet angelesenes Wissen, dass bei Dingiproblemen im Regelfall die Ventile kaputt seien, erweist sich als Irrtum. Bereits auf Martinique hatte ich drei neue Ventile gekauft, fand aber niemanden, der sie mir einbauen wollte. Jeder, den ich fragte, schüttelte bedauernd den Kopf und wies darauf hin, der Einbau sei "very difficult".

Die Programmierung des Controllers ist schon etwas schwieriger. Nach Angaben des Herstellers kann man sich die Software nur als App auf sein Smartphone downloaden. Das ist mir sogar schon einmal gelungen, leider konnte ich die App dann nicht öffnen. Ich sehe euch schon alle höhnisch grinsen, aber mein Smartphone ist für mich eigentlich nur ein Telefon! Da ich auch über eine Adresse der englischen Version verfüge, kann der Monteur mit seinem eigenen Smartphone die Sache in die Hand nehmen. Über Bluetooth programmiert er den Controller und jetzt sollte es eigentlich losgehen. Tut es aber nicht. Weil in der Bucht zu wenig Wind ist, fahren wir extra raus. Aber selbst bei 17 Knoten Wind dreht sich der Propeller im Mast nur müde.

Der Monteur verspricht, am nächsten Tag mit einer Bohrmaschine wieder zu kommen, um den neuen Prop zu testen. Nachdem ich zur Erinnerung nochmals im office auf der Matte stehe, kommt er tatsächlich. Er erklärt mir, wenn man in Grenada verspricht, in zwei Stunden würde man da sein, kann es drei, vier oder fünf Stunden dauern, es kann aber auch erst am nächsten Tag Realität werden. Wenn man das jetzt so liest, hört es sich ganz witzig an. Wenn man aber wartet und dringend auf den Monteur angewiesen ist, kann einen schon langsam die Verzweifelung zerfressen.

Soweit so gut. Jetzt ist er da und schließt seine Versuchsanordnung an. Siehe da, der neue Prop liefert Strom. Ich sage: "Dann müssen wir wohl den Prop im Mast wechseln". Darauf er, ich sei der Boss und würde entscheiden, was er tun soll. Er organisiert einen Kran mit einem Arbeitskorb und los geht's. Die ganze Arbeit ist für ihn sehr schwierig, weil an dem kleinen Arbeitskai mächtig viel Schwell steht und er wie ein Stück Würfelzucker in der Teetasse herumgeschleudert wird. Auf mein Anraten kommt ein weiterer Helfer, der den Korb mit einer Leine sichert. Er schließt die drei Kabel an den neuen Generator an und will dann mit einem Feuerzeug den Schrumpfschlauch heiß machen. Ein nutzloses Unterfangen. Der Wind bläst ihm dauernd sein Feuerzeug aus. Also Korb wieder runter, weil er sich erst ein geeignetes Werkzeug besorgen muss. Dann aber ist alles fertig und der Neue tut das was er soll, er liefert Strom.

Ich bleibe noch eine Nacht vor Anker im St. David's Harbour und fahre am nächsten Tag zurück in die Prickly Bay.

Hier komme ich jetzt langsam zur Ruhe. Alle Aggregate funktionieren einwandfrei. Mittlerweile war ich in ein tiefes schwarzes Loch gefallen. Karibik genießen war nicht. Die verrücktesten Ideen geisterten durch meinen Kopf. Kommunikation war nicht. Ich bitte deshalb alle um Entschuldigung, die mir geschrieben haben und entweder keine oder eine sehr späte Antwort erhalten haben.

Jetzt habe ich auch wieder den Nerv zu fotografieren. An einem Samstag, an dem Markttag ist, fahre ich mit dem Sammeltaxi nach St. George, um Aufnahmen zu machen. Übrigens, das Sammeltaxi kostet immer noch soviel wie 2008, nämlich 2,50 ECD, das sind umgerechnet 93 Eurocent.

Am Montagabend, dem 6.2.2017, will ich nach Trinidad segeln. Es macht Sinn, die 80 sm über Nacht zu segeln, um dann bei Tageslicht anzukommen. Ich bin gespannt und neugierig, was mich dort erwartet.

Hier nun ein paar Aufnahmen vom Marktgeschehen in St. George:





























© Rüdiger Kreutschmann


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