logo



home schiff eigner kontakt impressum berichte routen news








März 2016

Sevilla


Fünfundvierzigster Brief



Für den 19.März bin ich mit Gabi aus Deutschland verabredet. Wir wollen gemeinsam nach Sevilla segeln. Mit geringfügiger Verspätung trifft sie in Lagos ein und kann sich erst einmal in der Achterkajüte einrichten. Da ich ein Auto gemietet habe, können wir am nächsten Tag bequem unsere Einkäufe für die kommenden zwei Wochen erledigen. Am Sonntagmorgen will ich dann das Auto abgeben, damit wir los können. Leider Fehlanzeige. Sonntags hat die Station nicht geöffnet. Dann eben nicht.

Wir beschließen, einen Autoausflug nach Sines und an die portugiesische Westküste zu machen. Leider habe ich die Entfernung unterschätzt. Von den Kilometern her ist es nicht so weit, durch die kurvige Strecke sind wir dann aber doch sehr lange unterwegs.

Sines entpuppt sich nicht als der große Brüller. Es ist Palmsonntag und der Ort weitgehend ausgestorben. Einige alte Frauen kommen mit Palmzweigen aus der Kirche. Der Höhepunkt unseres Städtebesuchs ist eine gebratene Dorade, die wir in einem einfachen Restaurant einnehmen.


Sines



Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher über die zerklüftete portugiesische Westküste. Man kann hier einen Höhenweg entlangfahren, der im beginnenden Abendlicht an den Klippen entlang führt. An markanten Stellen haben die Portugiesen bequeme Holzstege und Holzplattformen errichtet. Mit dem letzten Abendlicht erreichen wir wieder Lagos und somit die Santa Maria.


Westküste Portugal



Am nächsten Tag, Montags, werde ich endlich das Auto los und wir können segeln. Bevor es losgeht, helfen Ricarda und Manfred noch am Anmeldesteg das Cockpitcover zusammenzulegen und die Genua zu setzten.

Der Versuch, vor der Hafenausfahrt den neuen Autopiloten final zu kalibrieren schlägt leider fehl und so begeben wir uns auf den Weg Richtung Osten. Wir können schön an der Algarveküste entlang segeln und erreichen am frühen Abend Vilamoura. Es ist in dieser Jahreszeit nachts noch zu kühl, um weiter zu segeln. Zumindest für uns verwöhnte "Südsegler". Also gehen wir in die Marina von Vilamoura. Vor acht Jahren war ich das letzte Mal hier, es hat sich nichts zum Besseren gewandelt.

Der Dienstag führt uns dann an der Einfahrt zur Lagune von Faro vorbei und wir können bis zur Ansteuerungstonne zum Guadiana segeln. Die letzten Meilen bis Ayamonte muss der Diesel wieder helfen, zumal wir auch noch ablaufendes Wasser haben. Die Marina von Ayamonte ist noch leerer als das letzte Mal, somit können wir bequem einen Liegeplatz ansteuern. Hier gönnen wir uns einen Hafentag.

Unsere Fahrt zur Mündung des Rio Guadalquivir ist von wechselnden Windverhältnissen geprägt. Mal können wir ein paar Meilen segeln, dann wieder muss der Motor ran. Ein paar Meilen später geht's wieder mit Segeln. Eigentlich wollte ich vor dem Hafen von Chipiona für die Nacht ankern, um am nächsten Tag den Fluss zu befahren. Die Welle ist aber so unangenehm, dass wir noch ein Stück den Fluss hinauffahren. Um 24.00 Uhr fällt gegenüber dem Ort Bonanza der Anker. Wir müssen zwar in der Nacht nicht frieren, aber morgens ist es ganz schön feucht und unangenehm an Deck. Um 10.30 Uhr, nach dem Frühstück, gehen wir Anker auf und fahren den Fluss hoch. Das Wetter ist trocken, teilweise sonnig und warm. Die Strecke bis Gelves, ca. 10 km vor Sevilla, beträgt von unserem Ankerplatz aus 50 sm.

Die Flussfahrt ist extrem langweilig. Der Fluss ist schmutzig braun. Man sieht immer nur einen kleinen Uferstreifen zu beiden Seiten, weil das Land dahinter tiefer liegt. Ab und zu liegen Fischerboote vor Anker. Es gibt keine Siedlungen, nur vereinzelt Gehöfte, von denen ein gehöriger Teil allerding verlassen ist. Da es keine Siedlungen gibt, fehlen auch entsprechende Brücken. Der Imray "Atlantic Spain and Portugal" bezeichnet zu recht die Fahrt auf dem River als "very long and boring". Um 18.15 Uhr machen wir in der Marina von Gelves fest. Es sieht hier alles ein bisschen trostlos aus. Wir haben Karfreitag und bis nach den Osterfeiertagen (ohne Ostermontag - den gibt es in Spanien nicht) ist das Marinabüro geschlossen. Trotzdem bekommen wir noch einen Schlüssel für das Marinagelände. Die Sanitäranlage ist ohne Schlüssel zugänglich, sie wird auch von etlichen Campern genutzt. Allerdings gibt es pro Geschlecht eine Toilette und eine Dusche. Wie gesagt - trostlos.

Auf dem Rio Guadalquivir



Santa Maria in der trostlosen Marina Gelves



Karsamstag ist Sevilla angesagt. Mit dem Bus, der in der Nähe der Marina abfährt, kommen wir in ca. 15 Minuten in die Stadt (old town). Hier trennen wir uns, weil wir wahrscheinlich unterschiedliche Interessen haben, wie man so eine Stadt angeht. Ich beginne meine Wanderung durch die Stadt und halte immerhin fünfeinhalb Stunden durch. Die Stadt ist voller Touristen. Es soll angeblich kein freies Hotelbett mehr geben. Um in die Kathedrale zu gelangen, muss man sich ca. drei bis vier Stunden anstellen. Im Zentrum gibt es die Straßen entlang der Prozessionen Absperrgitter. Hier führt auch der Weg der Kapuzenmänner lang. Die Kapuzenmänner sind Büßer, die große Kerzen oder Holzkreuze mit sich tragen. Außerdem werden tonnenschwere Christus- und Marienfiguren durch die Straßen getragen. Wenn eine Prozession (täglich) stattfindet, werden die Absperrgitter geschlossen. Dann kann man nur noch mit Eintrittskarte nah ans Geschehen.

Kapuzenmänner



Bilder aus Sevilla



Palacio de San Telmo - Sitz der Regionalverwaltung von Andalusien (San Telmo - spanischer Name für Petrus Gonzáles)









Metropol Parasol





Der Metropol Parasol ist eine Holzkonstruktion in der Altstadt der spanischen Stadt Sevilla. Er wurde von 2005 bis April 2011 auf dem Platz „Plaza de la Encarnación“ errichtet, an der Stelle einer früheren Markthalle aus dem Jahr 1842. Das Bauwerk mit organischen Strukturen wurde durch den deutschen Architekten Jürgen Mayer H. entworfen. Das neue Wahrzeichen von Sevilla hat eine Länge von 150 Metern, eine Breite von 70 Metern und eine Höhe von 26 Metern und gilt als größte Holzkonstruktion der Welt. In Sevilla wird die Konstruktion auch als Las Setas (übersetzt: Die Pilze) oder als Las Setas de la Encarnación bezeichnet. (Quelle: Wikipedia)



Giralda - Turm der Katedrale von Sevilla



Das Minarett der alten maurischen Moschee, heute Turm der Kathedrale, Giralda genannt, ist das Wahrzeichen der Stadt. Der Turm ist der Rest der einstigen Moschee aus dem Jahr 1184, und war damals eines der höchsten Bauwerke der Welt (nur von den zwei größten der drei Pyramiden in Gizeh (Ägypten) übertroffen). Außergewöhnlich ist, dass dieser Turm bis zur Höhe des Glockenstuhles, d.h. bis zu der Galerie auf ca. 70 m Höhe, zu Pferde bestiegen werden kann. Statt Treppen legten die Baumeister eine ca. 2,50 m breite Rampe an, deren Deckenhöhe einen Aufstieg zu Pferd ermöglicht. Durch diese Rampe (anstelle von Treppen) konnten wichtige Nachrichten rasch verkündet werden. Im Glockenhaus hängen 24 Glocken, 20 an der Außenseite – je 5 an jeder Seite – und 4 Glocken innen. Auf der Spitze des Turms steht der bronzene Giraldillo. Es handelt sich dabei um eine weibliche Statue als Inkarnation (Verkörperung) des triumphierenden christlichen Glaubens. Sie ist 4 m hoch, wiegt ca. 2.000 kg und stammt von dem Künstler Bartolomé Morel. Heute handelt es sich bei dem Giraldillo die sich an der Puerta de San Cristobal (Puerta de la Lonja), vor der Kathedrale befindet um eine Kopie des restaurierten Originals. (...) Einschließlich der in christlicher Zeit durchgeführten Erweiterungen, mit dem Giraldillo, misst die Giralda 104,5 Meter. Der Name Giralda (spanisch: girar – drehen, kreisen) stammt von der Wetterfahne auf der Turmspitze. (Quelle: Wikipedia)



Um 17.00 Uhr bin ich wieder mit Gabi am Torre del Oro (Goldturm), direkt am Canal de Alfonso XIII gelegen, verabredet. Der Turm wurde im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts im Auftrag des von dem in Marrakesch (Marokko) residierenden Almohaden eingesetzten Gouverneurs Ab? l-?Ul?? errichtet. Er hatte eine militärische Nutzung.

Ich bin froh, dass wir uns jetzt hier treffen. Mein rechter Fuß spielt auch nicht länger mit. Ich habe nicht einmal mehr den Nerv, auf den Bus zu warten. Mit einem Taxi geht's zurück zur Santa Maria. Nach kurzem Ausruhen versuchen wir dann noch, in Gelves eine Tapas Bar oder ein anderes Restaurant zu finden. Leider ohne Erfolg, wir kochen an Bord.

Torre del Oro



Ostersonntag ist Gabi wieder unermüdlich auf dem Weg durch Sevilla. Mir geht es nicht gut. Ich habe starke Schmerzen und beschließe, die Santa Maria zurück nach Lagos zu bringen, um dann nach Berlin zur ärztlichen Behandlung zu fliegen.

Da ich ein bisschen außer Gefecht gesetzt bin, beschließen wir, am Montag den Guadalquivir wieder hinunter zu fahren, damit Gabi noch die Möglichkeit hat, Chipiona kennen zu lernen. Außerdem kommt sie von dort besser nach Jerez, ihrem Abflugairport nach Deutschland. Der Fluss ist in den wenigen Tagen nicht interessanter geworden. Abends ankern wir wieder gegenüber von Bonanza und fahren am nächsten Morgen die sechs Seemeilen nach Chipiona.

Ich bin auch das erste Mal in Chipiona. Der Hafen ist ein staatlicher EPPA Hafen und großzügig bemessen. Der Ort ist eine typische spanische Kleinstadt mit wenig Spektakulärem. Abends finden wir endlich eine Tapas Bar ohne Touristen und Gabi lädt mich zum Essen ein. Noch einmal. herzlichen Dank.

Jetzt ist Gabi noch einen Tag an Bord. Sie erkundigt sich in der Touristeninfo nach den Bussen zum Flughafen. Es ist recht einfach. Man fährt mit einem Bus nach Jerez de la Frontera und steigt dort in den Flughafenbus. Gute Reise.

Ich kann noch nicht am gleichen Tag nach Lagos aufbrechen, weil Starkwind aus der Richtung angesagt ist, in die ich will. Aber am darauf folgenden Tag geht's los. Die rund 110 sm schaffe ich in 23 Stunden. Nachts ist es auf dem Wasser noch schweinekalt. Übermüdet komme ich morgens in Lagos an und bekomme für die nächsten zweieinhalb Monate einen Liegeplatz. Das sollte ausreichen, um mein "Aua" auszukurieren.


© Rüdiger Kreutschmann


1. BRIEF 2. BRIEF 3. BRIEF 4. BRIEF 5. BRIEF 6. BRIEF 7. BRIEF 8. BRIEF 9. BRIEF 10. BRIEF 11. BRIEF 12. BRIEF 13. BRIEF 14. BRIEF 15. BRIEF
16. BRIEF 17. BRIEF 18. BRIEF 19. BRIEF 20. BRIEF 21. BRIEF 22. BRIEF 23. BRIEF 24. BRIEF 25. BRIEF 26. BRIEF 27. BRIEF 28. BRIEF 29. BRIEF 30. BRIEF
31. BRIEF 32. BRIEF 33. BRIEF 34. BRIEF 35. BRIEF 36. BRIEF 37. BRIEF 38. BRIEF 39. BRIEF 40. BRIEF 41. BRIEF 42. BRIEF 43. BRIEF 44. BRIEF 45. BRIEF
46. BRIEF 47. BRIEF 48. BRIEF 49. BRIEF 50. BRIEF 51. BRIEF 52. BRIEF


home schiff eigner kontakt impressum berichte routen news