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Juli 2015

Brest - Lagos


Vierundvierzigster Brief



Die Überfahrt von Brest nach Nordspanien ist die ersten zwei Tage fast nicht erwähnenswert. Eine Flaute reiht sich an die nächste. Wie immer bei Flaute auf dem Atlantik haben wir natürlich eine beachtliche alte Dünung. Wir haben zwar keinen Wind, dafür sehen wir häufig Delphine. Lutz hält sich wacker. Er hat zwar keine Segelerfahrung, ist aber in jungen Jahren zur See gefahren. Erst am dritten Tag hat der Windgott ein Einsehen mit uns. Es fängt mit um die 10 Knoten Wind aus Osten an und steigert sich beständig. Als wir deutlich über 20 Knoten Wind haben, müssen wir sogar etwas die Segel verkleinern. Am dritten Tag, kurz nach Mitternacht, gehen wir in einer kleinen Bucht gegenüber von A Coruña vor Anker. Wir sind in Galizien. Am nächsten Morgen fahren wir hinüber in die Marina Coruña.

"A Coruña (offiziell und in galicischer Sprache; inoffiziell spanisch und ehemals amtlich La Coruña) ist eine Stadt im äußersten Nordwesten Spaniens. Sie ist Hauptstadt der zur Autonomen Gemeinschaft Galicien gehörenden Provinz A Coruña.

(…)

Der natürlich geschützte Hafen von La Coruña wurde von den Phöniziern, Kelten und später den Römern genutzt. Diese errichteten um 110 n. Chr. im damaligen Ardobicum Corunium den Herkulesturm einen im Norden der Stadt gelegenen Leuchtturm, der noch heute an diese Zeit erinnert und seit Juni 2009 auf der Liste des UNESCO-Welterbes steht.

Während der Herrschaft der Sueben im 5. Jahrhundert war Corunium zeitweise Hauptstadt des Königreiches.

Unter dem spanischen Namen La Coruña findet die Stadt erstmals im 13. Jahrhundert urkundliche Erwähnung. Die Blütezeit der Stadt lag im 14. und 15. Jahrhundert, als sie sich zum Zielhafen englischer Jakobspilger auf dem Weg nach Santiago de Compostella entwickelte. Heute ist die Route des Camino Inglés wieder mit der Jakobsmuschel gekennzeichnet. Im Jahr 1588 war die Stadt Ferrol (Provinz A Coruña) Station der spanischen Armada auf ihrem Weg nach England. In der Folge wurde A Coruña im Jahr 1589 von einem englischen Flottenverband unter der Führung von Sir Francis Drake angegriffen, dabei jedoch nicht eingenommen. Die erfolgreiche Verteidigung der Stadt wird, gemäß der Überlieferung, mit der Bürgerin María Pita in Zusammenhang gebracht, nach der auch heute noch der Hauptplatz der Stadt benannt ist. María Pita, eine Metzgersfrau, hob sich bei der Bekämpfung der englischen Freibeuter um den Piraten Sir Francis Drake 1589 durch ihre Hartnäckigkeit hervor. Sie wird heute noch als Heldin und als Symbol für Freiheit gesehen.

Während des Spanischen Unabhängigkeitskrieges (1808-1814) fand am 16. Januar 1809 die Schlacht von A Coruña statt. Dort bekämpften sich ein französisches Heer unter Marschall Soult und ein britisches Expeditionsheer unter Sir John Moore. Die Schlacht endete unentschieden.

Unmittelbar zu Beginn des Spanischen Bürgerkrieges gelang es dem putschenden Militär, die Kontrolle über A Coruña zu erlangen. Republikaner versuchten verzweifelt den Putsch in blutigen Kämpfen niederzuringen. Bei diesen Kämpfen versuchten unzählige Republikaner ohne Waffen vergeblich, die Kaserne der Guardia Civil zu erstürmen. Armeeoffiziere, Sturmgardisten (städtische Polizei) und 200 Zivilgardisten, die sich dem Militärputsch widersetzt hatten, wurden von dem putschenden Militär getötet, ferner unter anderem der Oberbefehlshaber der Region, General Enrique Salcedo, der Ortskommandant von A Coruña General Rogelio Caridad Pita und der Zivilgouverneur Pérez Carballo mit seiner schwangeren Frau Juanita Capdevilla. A Coruña wurde zum Zentrum des Militärputsches und eine Bastion der Nationalisten in Galicien." (Quelle: Wikipedia)

Das Rathaus von A Coruña mit dem Plaza Maria Pita davor



Schöne neue Uferpromenade in A Coruña, mit dem Castillo de San Anton im Hintergrund



Muros im Frühnebel



Lutz steigt hier aus und nun bin ich definitiv bis Lagos allein an Bord. Über Camariñas und Muros komme ich nach Caramiñal, wo ich bereits im letzten Jahr war. Hier gehe ich vor Anker und will eigentlich etwas länger bleiben, um die Muschelfischer bei Niedrigwasser zu fotografieren. Ich setze also das Dingi ins Wasser und bringe den Motor an. In Coruña hatte ich den Außenborder ausprobiert und nach einigen Anfangsschwierigkeiten lief er. Hier jetzt geht nichts. Trotz neuer Zündkerze sowie Säubern des Vergasers, das Maschinchen setzt sich nicht in Bewegung. Nach dem vielen Ärger, den ich mit diesem kleinen Mistding in den vergangenen Jahren schon hatte, habe ich jetzt die Nase voll. Ein Neuer muss her. Der ist aber hier nicht zu bekommen, frühestens in Lissabon. Dann entscheide ich mich aber für Lagos, was meine Pläne etwas verändert. Ankerplätze sind nur noch kurzfristig interessant, weil ich ja nicht an Land komme. Also muss ich weitgehend die Marinas, die am "Wegesrand" liegen, abklappern. Ich fange also gleich hier an und gehe für zwei Tage in die örtliche Marina und komme so wenigstens zu einer Fotosession mit "meinen" Muschelfischern. Danach hält mich hier nichts mehr und ich segle zu der Bucht von Bayona, mein letzter Hafen in Spanien.


Hier einige Fotos von den Muschelfischern von Caramiñal


Bei Niedrigwasser geht's los



Mit einem speziellen Rechen wird der Grund umgepflügt



Mindestgrößen müssen eingehalten werden und werden mit Schieblehre kontrolliert



Auch die Wasserscheuen können am Strand noch erfolgreich sein



Auf zu neuen Fanggründen



In Bayona will ich den richtigen Wind abwarten. Jeden Tag so zwischen 10.00 und 11.00 Uhr setzt ein leichter Nordwind ein, der bis zum späten Nachmittag anhält. Das sollte bis Viana do Castelo reichen. Als ich mich dann eines Morgens entschließe Anker auf zu gehen, ist von Regelmäßigkeit keine Spur. Kaum sind wir aus der Bucht heraus haben wir, na… Südwind, dazu bedecktes Wetter und leichten Regen. Weiterfahren oder zurück an den Ankerplatz? Ich entschließe mich für Weiterfahren, weil ich einerseits sowieso nicht über eine Wetterprognose per Internet verfüge und weil es bis zu meinem Ziel nur gut 30 sm sind. Als ich draußen am Ponton in Viana festmache helfen mir zwei Franzosen. Sie liegen hinter mir ebenfalls mit einer Malö 50, was zu spontanem Kontakt führt. Die Herren sprechen außer französisch leider keine weitere gängige Fremdsprache (zB Kantonesisch), aber dann kommt Madame dazu, die mindestens so schlecht Englisch spricht wie ich.

Zwei Tage später starte ich bei Frühnebel. Endlich kann ich mal wieder mein schönes und teures Radargerät einsetzen. Nach wenigen Stunden löst sich der Nebel auf und Wind setzt ein. Der bringt mich dann nach Povoa de Varzim. Jetzt ist Hochsaison, und man sollte meinen, die Marinas seien voll mit Urlaubern. Zumal Povoa als eine der preiswertesten Marinas in dieser Gegen gilt. Aber weit gefehlt - gähnende Leere und ein Marineiro, der sich freut, mal wieder beim Anlegen helfen zu dürfen. Im Marinabüro die gleiche Dame wie vor acht Jahren. Sie erkennt mich verständlicherweise nicht, ich sie aber schon. Hier kann ich endlich meinen portugiesischen Internetstick wieder aufladen lassen, obwohl ich ihn hier, wegen des hervorragenden WiFi, nicht benötige.

Erneut zwei Tage später will ich weiter. Richte alles so ein, dass ich um 08.00 Uhr bezahlen kann. Dann die Enttäuschung, es geht theoretisch erst um 09.00 Uhr los. Aber auch um neun Uhr ist das Büro noch nicht geöffnet. Ich bin hier halt wieder im Süden. Es kommt ein Marineiro angeschlurft. Dem drücke ich 36 € in die Hand und verabschiede mich. Er ist etwas verdutzt, warum ich nicht warten könne - aber so sind wir Deutschen.

Es gibt jetzt verschiedene Häfen die ich anlaufen könnte, Leixoes, Porto, Aveiro, Nazare, Peniche, aber an allen segle ich vorbei, weil der Wind so schön ist. Erst an der Mündung des Tejo (Lissabon) gehe ich in Cascais vor Anker. Da ich nur die Alternative habe, entweder in die Marina zu gehen, oder von meinen Bordvorräten zu leben - an Land komme ich ohne Außenborder nicht, ist meine Zeit hier am Ankerplatz begrenzt.

Nach vier Tagen geht's mit meinen Vorräten bedrohlich dem Ende zu. Ich könnte zwar noch eine Weile von Spagetti leben, aber wer mich kennt weiß, das gilt an Bord der Santa Maria als Notessen. Und zum Frühstück bereits Spagetti, igitt… Am schlimmsten ist: ich habe nur noch wenig Cola für den Cuba Libre. Also Anker auf. Die Algarve ist nur noch etwas mehr als 100 sm entfernt. Es geht erst ganz gemächlich los mit dem Segeln. Die Sonne steigt aber höher und der Wind legt zu. Mit ausgebaumter Genua segeln wir beständig zwischen 6 und 7 Knoten. Das ist vor dem Wind immer verführerisch. Der Seegang nimmt zu und Schwupps, eine etwas größere Welle findet den Weg ins Cockpit. Einige hundert Liter Seewasser machen eine ziemliche Schweinerei. Danach beruhigt sich alles wieder und es kommt zu keinem weiteren ähnlichen Zwischenfall. Um 03.50 Uhr erreichen wir das Cabo de Sao Vicente. Der "Eingang" zur Algarve. Jetzt muss die Genua geborgen werden. Ich falle etwas ab, aber es gelingt nicht. Immer wieder dreht sich das Spinnackerfall mit ein und nach kurzer Zeit dreht sich nichts mehr. Nach einer Weile versuche ich eine andere Taktik. Ich luve an, und es gelingt. Gefühlt habe ich für die Aktion ungefähr zwei Stunden gebraucht. Als ich auf die Uhr schaue, sind aber nur 20 Minuten vergangen. Körperlich bin ich erstmal ziemlich am Ende und japse vor mich hin. Jetzt muss ich nur noch das kurze Stück zum Ankerplatz in Baleira (Sagres) fahren. Der Wind hat mittlerweile ordentlich zugelegt. Der Windmesser zeigt zeitweilig 36 Knoten an. Mit dem allerersten Morgengrauen habe ich dann den ausgewählten Ankerplatz erreicht, und der Anker fällt auf 6 m Wassertiefe. Da es ordentlich heult am Ankerplatz, lasse ich 50 m Kette raus. Der Anker hält und ich kann mich beruhigt zum Schlafen hinlegen.

Mein Ziel, Lagos, ist jetzt nur noch 15 sm entfernt. Früh am nächsten Tag nehme ich meine letzte Etappe in Angriff. Wir haben schönes Segelwetter. Gegen Mittag machen wir am Anmeldesteg der Marina de Lagos fest. Santa Maria is back home.

Der Ponta da Piedade - Santa Maria is back -





© Rüdiger Kreutschmann


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