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Mai 2015

Heiligenhafen - Amsterdam


Zweiundvierzigster Brief



Wie verabredet, erscheint Felix pünktlich am 28. April. Da der Wind am nächsten Tag günstig in Richtung und Stärke ist, segeln wir Richtung Kiel. Über Funk haben wir bereits gehört, dass die Bundeswehr im Schießgebiet Hohwachter Bucht von 09.00 bis 16.00 Uhr Schießübungen veranstalten will. Also müssen wir einen großen Bogen segeln. Das Schießgebiet ist weitreichend mit gelben Tonnen gekennzeichnet, deren Verbindungslinien man nicht überfahren darf. Zusätzlich zu den Tonnen sind während der Schießzeiten auch noch Sicherungsboote unterwegs. Uns beäugt auch Eines kritisch, da wir sehr dicht an den Tonnen vorbeisegeln. Über Funk hören wir, wie immer wieder Sportboote angerufen werden, die in das Schießgebiet einfahren.

Obwohl wir bestes Mützenwetter haben - Sonne, moderater Wind und Seegang - geht es Felix nicht gut. Es ist sein erster Segeltag auf See in seinem Leben. Zu allem Unglück hat er auch noch nicht atmungsaktives Segelzeug an, das aus einer anderen Zeit stammt. Entsprechend feucht wird's von innen und er friert wie ein Schneider.

In der Nähe des Kiel Leuchtturms wird der Wind schwächer und kommt nun direkt aus der Kieler Förde heraus. Da wir nicht in die Nacht hinein segeln wollen, motoren wir den restlichen Weg. Um 19.05 Uhr machen wir die Santa Maria im Yachthafen von Laboe fest.

Der nächste Tag beginnt mit der Schleuse Kiel-Holtenau. Mit uns in der Schleusenkammer befinden sich zwei Frachter und zwei weitere Sportboote. Die Sportboote können nur an einer Seite der Schleusenkammer fest machen, in unserem Fall an Steuerbord. Für die Sportboote ist extra ein kleiner hölzerner Schwimmsteg angebracht, der mit dem Auf und Ab des Wasserstandes mit wandert. Für uns sehr bequem, weil wir keine Leinen nachführen müssen. Ansonsten geht's sehr gemütlich zu. Ich kann in Ruhe die Kanalpassage bezahlen gehen, was mittlerweile nicht mehr am Kiosk geschieht, sondern an einem Automaten. Ganze 18 € muss ich für die Durchfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal bezahlen (vgl. 1. Bericht aus dem Jahre 2007, auch damals bezahlten wir 18 € - das nenne ich Preistabilität). Der NOK hieß und heißt nicht immer so. International wird er als Kiel Kanal bezeichnet, und bei seiner Eröffnung 1895 hieß er noch Kaiser Wilhelm Kanal. Die Passage ist dann recht ereignislos und um 20.00 Uhr machen wir in dem kleinen Yachthafen von Brunsbüttel, direkt vor der Schleuse zur Elbe, fest. Felix steuert die meiste Zeit im Kanal von Hand. Auf der gesamten Passage überholt uns kein Sportboot, aber es kommen uns relativ viele entgegen.

Zwei Tage später schleusen wir mit dem Nachmittagshochwasser in die Elbe und fahren die wenigen Meilen nach Cuxhaven. In der Marina der Segler-Vereinigung Cuxhaven finden wir einen ordentlichen Liegeplatz mit angemessenem Komfort. Wir sind hier für eine Woche festgenagelt, weil wir mit unserem weiteren Mitsegler Florian aus Salzburg erst dann hier verabredet sind. Die Tage fließen so dahin, Nachmittag immer nett unterbrochen von den vorzüglichen Tortenstücken der hiesigen Konditor. An einem Tag miete ich ein Auto, mit dem wir nach Bremen fahren. Dort, bei SVB, erstehe ich drei neue Carbonflügel für den Windgenerator. Die vorhandenen Flügel sind doch ziemlich in Heiligenhafen beim Mast setzen beschädigt worden. Einen Tag bevor Florian erscheint, überrascht Felix mich mit der Ansage, dass er doch nicht mit auf die Nordsee will. Das Stückchen Ostsee, von Heiligenhafen nach Kiel, hat ihn wohl zu der Erkenntnis gebracht, dass Seesegeln nicht unbedingt sein Ding ist. Am gleichen Tag, an dem Florian an Bord kommt, reist Felix ab.

Semaphor, mit dem in Cuxhaven Windrichtung und -stärke von Borkum und Helgoland angezeigt wurden



Hafenkontrollturm Cuxhaven



Moderner Lotsenkatamaran für die Deutsche Bucht

Wir müssen noch zwei Tage warten, ehe wir aus der Deutschen Bucht hinaus segeln können. Der Wind ist an diesen Tagen zu stark und kommt genau aus der Richtung, in die wir wollen. Dann aber ist es soweit. Um 06.15 Uhr machen wir mit dem Morgenhochwasser die Leinen los und lassen uns vom auslaufenden Wasser mitnehmen. Der Wind ist am Morgen noch recht frisch und wir verzichten erst einmal auf das Großsegel. Die Genua allein reicht für eine flotte Fahrt. Bereits um 09.50 Uhr verlassen wir die Elbmündung und setzen Kurs auf unser Ziel Holland ab. Nun können wir auch zusätzlich das Großsegel setzen. Wir haben einen schönen Segeltag, aber um 17.40 Uhr dreht der Wind auf West und wird deutlich schwächer. Zeit, den Daddel anzuwerfen. Ich bin froh, dass, wenn wir schon motoren müssen, der schwache Wind wenigstens auf unserer Seite ist. Starkwind aus West wäre jetzt das Letzte was ich mir wünschte. Wir dieseln durch die Nacht. Morgens stehen wir vor der Einfahrt ins holländische Watt bei Vlieland. Wieder einmal haben wir Glück mit der Tide. Mit auflaufendem Wasser fahren wir den betonnten Weg zur Kornwerderzandschleuse, zeitweilig mit über 9 Knoten über Grund. Zügig wird geschleust, und schon befinden wir uns im Ijsselmeer. Jetzt können wir wieder segeln - endlich. Quer über das Ijsselmeer geht's Richtung Enkhuizen, wo wir um 19.45 Uhr, nach 218 sm in der Marina festmachen. Wir sind angenehm überrascht. Die Duschräume sind offen. Fürs Duschen wird kein extra Obolus verlangt, und das WLAN Netz ist auch frei zugänglich. Paradiesische Zustände. Selbst der Konditor kann mit seinen Kollegen in Cuxhaven mithalten.

Krabbenfischer vor den Westfriesischen Inseln



Plattbodenschiff "Averechts" bei 6 Windstärken im Watt, Heimathafen Harlingen

Am Himmelfahrtstag nehmen wir unsere vorläufig letzte Etappe nach Amsterdam in Angriff. Morgens schleusen wir ins Markermeer und können schön segeln. Zuerst bei sehr leichtem Wind, im Laufe des Tages bei auffrischendem Wind. Eine kleine Regatta liefern wir uns mit einer holländischen Oceanis 41. Zu meinem Erstaunen kann die betagte Santa Maria mit dem hochmodernen und leichten Schiff mithalten. Wir kommen gemeinsam vor der Schleuse vor Amsterdam an. Wie immer in Holland geht das Schleusen schnell und unproblematisch. Wir wollen diesmal in den Sixhaven, dem Zentrum Amsterdams vis à vis gelegen. Als ich in den Hafen einsteuere, erleide ich einen mittleren Herzkasper. Es ist extrem eng und proppenvoll. Das ist nichts für die Santa Maria. Ich wende mit etwas Mühe das Schiff und fahre wieder hinaus. Dann soll es also doch wieder die Amsterdam Marina sein. Die ist großzügig gelegen und, was mir wichtig ist, es geht eine kostenlose Fähre direkt zum Zentrum. Florian kann von hier ohne Mühe den Zentralbahnhof erreichen. Er steigt hier aus, und ich werde die Weiterreise nach Portugal wahrscheinlich allein stemmen.

Gesehen in Amsterdam




© Rüdiger Kreutschmann


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