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Mai 2014

Lissabon bis Viana do Castelo


Siebenunddreißigster Brief



Leo (Tübingen) kommt am 28. April an Bord. Esin trifft einen Tag später aus Wien ein. Ein paar Tage später komplettiert Klaus aus Freiburg die Crew. Gemeinsam wollen wir so weit wie möglich nach Norden vorankommen.

Zur Einstimmung segeln wir am ersten Tag, bei moderaten Bedingungen, nach Cascais, am Ausgang des Tejo. Die Nacht verbringen wir in der Bucht neben der Marina vor Anker, geschützt vor dem böigen portugiesischen Norder.

Friedlicher Tejo am Torre de Belem


Für unsere Weiterreise am nächsten Tag binden wir vorsorglich ein Reff ins Großsegel und nehmen als Vorsegel die kleinere Kreuzfock. Zunächst ist alles ganz easy. Dann aber ist der Landschutz vorbei und wir müssen hoch am Wind aufkreuzen, der in Böen bis zu 7 Beaufort erreicht. Wir nehmen viel Wasser über und sind für die Verhältnisse alle nicht ausreichend gekleidet. Selbst Leo, der das anfänglich ganz witzig findet, ist beeindruckt.

Ich hatte der Crew morgens eine kleine Rechnung vorgestellt, die den zu erwartenden Weg beim Kreuzen nach Peniche beinhaltete. Bei diesen Verhältnissen werden wir für die ca. 40 sm direkten Weg den ganzen Tag und die folgende Nacht benötigen. Nach 10 sm Gebolze will das Niemand mehr und wir beschließen, nach Cascais zurückzusegeln. Nach der Wende stellen wir fest, dass an der Rollfockanlage irgendetwas gebrochen zu sein scheint. Vorsorglich drehen wir das Segel ein. In der Marina wird dann sichtbar, das Profil der Anlage ist direkt über dem Segeleinfädler gebrochen. Die Anlage ist somit bis Deutschland nicht mehr zu gebrauchen. Wir bergen das Segel, das ebenfalls im Vorliek beschädigt ist.

Cascais


Cascais


Überraschend ist der Liegeplatz in der relativ mondänen Marina billiger als der karge Liegeplatz in Lissabon. Wir bleiben einen Tag in Cascais, bis der Wind etwas abgeflaut hat. Leider müssen wir bei der Strecke nach Peniche aber nun überwiegend die Maschine einsetzen. Das die Verhältnisse hier so sind, war mir schon klar bzw. wurde mir vorher eindringlich geschildert. Für meine Crew ist das lange motoren aber bestimmt frustrierend.

Am Abend in Peniche gibt Leo ein Gitarrenkonzert in einer urigen Kneipe, die von einem Holländer betrieben wird. Der Wirt selbst ist auch Musiker und seine Frau singt sehr schön. Komplettiert wird die Band durch einen versoffenen Späthippie, der etwas unkontrolliert seine Trommel bearbeitet. Sein Passman ist schon mit einer Flasche Schnaps im Arm in einer Ecke auf dem Fußboden eingeschlafen. Mit einem Wort: Milieu.

Leo in Concert


Späthippies


Trio Infernale


In Peniche sind wir mit Klaus verabredet, der pünktlich mit dem Bus aus Lissabon anreist. Mit der nunmehr kompletten Crew geht's am nächsten Tag nach Figuera da Foz. Wir versuchen es erst einmal mit zwei langen Kreuzschlägen, bis der Wind uns im Stich lässt. Weiter geht's hoch am Diesel und um 22.15 Uhr machen wir am Steg vor dem office fest. Die Marina wie auch die Stadt sind nicht der große Renner, aber es gibt einen schönen Mercado Municipal, in dem wir reichlich Fisch und "Grünzeug" einkaufen.

So gerüstet, starten wir nach Avairo. Eine verzweigte Flusslandschaft mit einem relativ großen Commercial Harbour. Diesmal können wir mit drei Kreuzschlägen ca. 2/3 der Strecke segeln. Es wird wieder kurz vor 23.00 Uhr, bis der Anker fällt. Gleich am nächsten Morgen gehen wir Anker auf und fahren bei schlappem Nordwind die 32 sm bis nach Porto.

Porto besitzt seit 2 Jahren eine eigene Marina, so dass man nicht mehr nach Leixões oder Povoa de Vazim ausweichen muss, wenn man Porto besuchen will. Wir bleiben fünf Tage und haben ausreichend Zeit, die Stadt zu erkunden. Das wird von allen Crewmitgliedern ausgiebig genutzt. Die Stadt ist wirklich sehenswert. Im historischen Zentrum wurde in den letzten Jahren, seit meinem letzten Besuch, viel gebaut und verschönert. Es hat der Stadt gut getan. Zusammen mit Klaus machen wir die obligatorische Portweinprobe. Ich kann mir nicht helfen, aber vor sieben Jahren hat er mir einfach besser geschmeckt. Zu süüüüß. Obwohl ich mich für einen relativ trockenen Port entscheide, muss Klaus noch etwas mehr probieren und kauft dann einen für meinen Geschmack zu süßen 10jährigen.

Traditionelle Wäscherei in Porto


Bahnhof von Porto


Porto


Esin, die mit Leo um den Titel "Bester Koch" auf der Santa Maria wetteiferte, verlässt uns in Porto. Esin kochte ausschließlich fleischlos - aber es gab Fisch. Leo dagegen verwöhnte uns mit leichter italienischer Kost, die im Wesentlichen aus Pasta und Grünzeug mit überraschenden Gewürzkomponenten bestand.

Nun sind wir also zu dritt und haben noch eine Etappe nach Viana do Castelo vor uns. Am Morgen bläst es böig und kräftig - aber aus Osten. Damit haben wir ablandigen Wind und müssen nur mit entsprechend kleiner Besegelung los. Mit ablaufendem Wasser und stolzen 7,6 Knoten über Grund geht es aus dem Douro heraus. Nach der Hafenausfahrt rollen wir die Genua aus, merken aber schnell, die Hälfte des Segels reicht auch für guten Speed, und der Autopilot kann das Schiff noch steuern. 25 sm geht es munter voran, dann sind die Lungen leer. Erst ist der Wind weg, dann kommt er leicht aus Nord zurück. Um 15.50 Uhr machen wir an einer Muringleine in Viana do Castelo fest. Leo verlässt uns nach einem Abschiedsbier. Klaus bleibt noch einen Tag. Am Abend wollen wir etwas essen gehen und stehen vor einem Restaurant und studieren die Speisekarte. Da stürzt ein deutscher Tourist heraus und bestürmt uns, hier ja essen zu gehen. Er sei gerade mit seiner Frau beim "Zicklein" und das sei - Originalton: "großes Kino". Wir lassen uns überreden und werden nicht enttäuscht.

Am nächsten Tag unternehmen wir gemeinsam einen großen Stadtrundgang, einschließlich der Fahrt auf den Hill zur Kirche Santa Lucia. Auch in Viana do Castelo hat sich in sieben Jahren viel getan. Die Gelder des europäischen Regionalfonds wurden hier gut und sinnvoll angelegt. Die Stadt strahlt weitgehend Wohlstand aus.

Viana do Castelo


Klaus fährt mit der Bahn nach Lissabon und ich bin nun einen Monat allein an Bord. Ich will jetzt in die spanischen Rias, bis meine Crew für die Überquerung der Biskaya erscheint.




© Rüdiger Kreutschmann


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