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Juni 2013
Lagos - Madeira

Dreißigster Brief



Wir wollen in diesem Sommer zu einer Atlantikrundreise aufbrechen, die uns zu folgenden Zielen führen soll:

Ilha De Porto Santo
33° 04' N, 16° 20' W*

Madeira
32° 44' N, 17° 00' W*

Ilha De Santa Maria (Azoren)
36° 58' N, 25° 06' W*

Ilha Do Feial (Azoren)
38° 34' N, 28° 42' W*

Ilha De Sao Miguel (Azoren)
37° 45' N, 25° 30' W*

Lissabon
38° 42' N, 09° 09' W*

*alle Positionsangaben sind nur grobe Werte

Von Lissabon aus soll's dann zurück an die Algarve gehen. Die verschiedenen Reiseabschnitte werden mit unterschiedlichen Crews durchgeführt.

Ende Mai treffe ich mich in Lagos mit Klaus, meinem jetzt schon langjährigen Mitsegler, der aufmerksamen Lesern dieser Internetseite bereits bekannt sein dürfte und mit Michael aus Salzburg, der erstmalig auf die Santa Maria kommt. Einen Tag haben wir uns für die notwendigen Einkäufe vorgenommen, den nächsten Tag wollen wir dann Richtung Madeira starten. Es bleibt sogar noch Zeit, die nutzlos gewordene Radarantenne abzubauen. Den neuerworbenen Kartenplotter kriegen wir nicht zum Laufen, obwohl Klaus aus Deutschland eine externe GPS-Antenne mitbringt. Da ist guter Rat von der Firma Sopromar erforderlich. Der Monteur kommt an Bord und stellt unverzüglich fest, dass uns trotz des erheblichen Kabelgewirrs noch ein entscheidendes Sea-Talk-Kabel fehlt. Er holt es und der Mangel ist behoben.

Die Startcrew der diesjährigen Sommerreise: Michael, Klaus und der Skipper (von links nach rechts)


Klaus bringt thüringer Würstchen mit


Die Radarantenne wird demontiert



Jetzt kann es los gehen. Die Wetterprognose ist: nördliche Winde um 12 Knoten. Nach der Hafenausfahrt ist aber erst einmal Totenflaute. Ich befürchte schon wieder längere Motorstunden; nachdem wir aber etwas aus dem Windschatten der Landmassen heraus sind, bekommen wir Wind, der beständig zunimmt. Wir haben das Besansegel, das Großsegel und die Genua stehen. In schneller Abfolge nehmen wir nun den Besan weg, wechseln von der Genua auf die Kreuzfock und binden das erste Reff ins Großsegel ein. Der Windmesser zeigt jetzt zwischen 20 und 25 Knoten (6 Bf.) Wind an. Michael berichtet von seiner Wache, die Nadel sei bis 31 Knoten hinauf geklettert. Uns geht's allen dreien nicht sehr gut und obwohl der Wind am nächsten Tag auf erträgliche 12 bis 15 Knoten abflaut, brauchen wir noch etwas länger, bevor wir uns wieder an die vorgekochte Suppe herantrauen. Der kräftige Wind bringt nicht nur Unwohlsein für die Crew, er bringt uns auch eine schnelle Reise. Das erste Etmal (in 24 Stunden gesegelte Meilen) beträgt stolze 146 sm. Am nächsten Tag schaffen wir 144 sm. Danach wird's etwas schlapper (117 sm), aber nach dreieinhalb Tagen haben wir die 450 sm bis Porto Santo (zu Madeira gehörend) geschafft. Für die letzten zwei sm müssen wir jetzt den Motor bemühen und kurz vor der Hafeneinfahrt reißt uns ein Steuerseil. Die Notpinne ist schnell aufgesteckt, und so eiern wir leicht lädiert in die kleine Schwimmstegmarina.

Jetzt ist leider erst einmal Arbeit angesagt. Ein Schweizer Segler nimmt mich mit dem Auto in den Ort mit, wo ich ein neues Seil erwerben kann. Dann machen sich Klaus und Michael über den Ruderquadranten her. Wir wollen gleich beide Seile erneuern. Das erste geht problemlos einzuziehen. Beim zweiten Seil stoßen wir auf erheblichen Widerstand. Das Seil muss durch einen Bowdenzug, der durch Altmaterial verstopft ist. Es dauert einige Stunden, bis der Bowdenzug frei für das neue Seil ist. Es kommt eine Menge Werkzeug (einschließlich Flex) zum Einsatz und die Santa Maria sieht aus, als habe ich sie komplett ausgeräumt.

Die Steuersäule muss demontiert werden


Der defekte Bowdenzug



Nach der Arbeit genießen wir die Insel. Im Gegensatz zu Madeira gibt es hier einen Sandstrand, der direkt hinter dem Hafen anfängt und sich ca. 2 km bis zum Ort hinzieht. Wenn man hier schwimmen oder sonnenbaden will, hat man den Strand fast für sich allein. Der Ort selbst ist sehr gepflegt. Man trifft nicht auf Bettler, im Gegenteil, wir haben den Eindruck, dass es den Menschen hier wirtschaftlich gut geht. Touristen sind vereinzelt anzutreffen, sie müssen von Madeira mit der Fähre hierher kommen, die einmal pro Tag im Hafen anlegt. Wir lernen Insa (Deutsche) und Patricio (Franzose) kennen, die mit ihrer Ketsch vor dem Hafen vor Anker liegen. Gegenseitige Besuche am Abend führen zu interessanten Gesprächen.

Das Boot von Insa und Patricio vor dem Hafen von Porto Santo


Der Sandstrand von Porto Santo



Auf Porto Santo könnte man sicher etwas länger verweilen, wir wollen aber weiter nach Madeira und so machen wir nach vier Tagen die Leinen los. An einem schönen Segeltag haben wir Madeira nach einigen Stunden erreicht. Am späten Nachmittag gehen wir in einer Bucht an der südöstlichen Ecke der Insel vor Anker. Durch unsere viele Bauerei am Ruderquadranten haben wir den Ruderlagenrückmelder des Autopiloten verstellt. Außerdem ist der Beschlag zur Aufnahme der Notruderpinne etwas verdreht. So haben wir am Ankerplatz gleich wieder ein neues Arbeitsprojekt und alles wird neu justiert.

Am nächsten Tag fahren wir die zwei Meilen bis zur Marina Quinta do Lorde. Es handelt sich um ein zauberhaftes Resort mit angeschlossener Marina. Nicht sehr groß und die Häuser sind landschaftsverträglich an die Küste gebaut. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl und beschließen, ungefähr eine Woche hier zu bleiben und von hier aus unsere Inselausflüge zu starten.

Die Marina Quinta do Lorde



Einen Tag nach der Ankunft fahren wir mit dem Bus nach Funchal, der Hauptstadt Madeiras. Sie ist recht laut, mit vielen Touristen. Die interessanten Ecken sind überschaubar. Am Hafen ist eine riesige Baustelle.

Danach geht's mit dem Mietauto in die Berge. Wir fahren bis auf ca. 1600 m Höhe. Eine üppige Vegetation erwartet uns. Es ist sehr feucht, da eine Wolke die umliegenden Berggipfel einhüllt. Die Straßen sind sehr gut ausgebaut. Auf einem großen Parkplatz in 1290 m Höhe reihen wir uns in die Menge der abgestellten Mietautos ein und laufen den Weg nach Rabacal hinunter. Es sind ungefähr 130 m Höhenunterschied. Von Rabacal aus geht es auf einem immer schmaler werdenden Pfad ca. 2,5 km bis zu den 25 Quellen. Ich steige als erster aus, denn es sind noch einmal 260 m Höhenunterschied. Kurz nach mir steigt auch Klaus aus und wir müssen uns nachher von unserem Benjamin Michael erzählen lassen, wie's dort ausgesehen hat.


Auf dem Hochplateau


Diese Wassergräben durchziehen die ganze Insel und dienen der Landwirtschaft


Jede kleine Fläche wird genutzt, um Wein, Bananen oder andere Früchte anzubauen



Als nächstes fahren wir die Nordküste ab bis nach São Vicente. Wir machen einen Abstecher zu einer 300 Jahre alten Wassermühle, die von einer kleinen Müllerin bewirtschaftet wird und die wohl nicht viel jünger ist. Freundlich zeigt sie uns alles und lässt sich auch bereitwillig fotografieren.

In der Wassermühle


Die Müllerin



Am Mittag kehren wir in eine kleine Bar/Cafe auf einen Galao (Milchkaffee) ein und beschließen, hier am späten Nachmittag zurückzukehren, um eine typische madeirensische Spezialität, "Espetada", zu essen. Espetada sind große, mit viel Knoblauch gegrillte Fleischspieße, die an einem Haken über dem Tisch aufgehängt werden. Ursprünglich wurden die Fleischstücke auf Lorbeerholz-Spießen gegrillt. Da der Lorbeer mittlerweile unter Naturschutz steht, nimmt man heute leider Metallspieße. Als Vorspeise gibt es selbst gebackenes Knoblauchbrot, von dem man schon allein satt werden kann. Bevor wir aber zum Essen fahren, besuchen wir noch die Grutas do São Vicente. Eine Höhlenlandschaft, die durch den Vulkan entstanden ist (Schlote).

Der dritte Tag führt uns an die Nordwestküste. Wir wollen uns Porto Monitz ansehen. In meiner Fantasie stelle ich mir einen alten Fischereihafen vor, in dem viele authentische Fotos möglich sind. Leider finden wir einen Ort mit sauberer moderner Bebauung vor, der von sehr vielen Reisebussen angefahren wird. Am Ufer bizarres Vulkangestein, das für die Touristen mit Beton ausgefüllt wurde, damit sie besser darin herumlaufen können. Es hat für mich etwas von Disney-World.

Porto Monitz



Wir sind nun kreuz und quer über die Insel gefahren. Als Gesamteindruck bleibt bestehen, dass es den Inselbewohnern recht gut gehen muss. Überall an den Hängen und in den Tälern gibt es sehr schöne Häuser. Selten mal Bauruinen, wie sie in anderen südlichen Ländern so häufig anzutreffen sind.

Nach einer Woche auf Madeira sind wir jetzt bereit für die Weiterfahrt. Unser nächstes Ziel soll die Insel São Miguel sein. Nicht ganz nach Plan, aber Michael kommt von der Insel Santa Maria schlecht weg und so fungieren wir noch etwas als Fähre.



© Rüdiger Kreutschmann


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