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Frühjahrstörn 2013
Lagos - Gibraltar - Fuengirola und zurück

Neunundzwanzigster Brief



3. April - die Winterliegezeit ist vorbei. Jetzt geht es erst einmal zu Sopromar, um die Santa Maria für die Segelsaison auf Vordermann zu bringen. Die üblichen Arbeiten - Streichen und Polieren - sind wieder erforderlich. Daneben habe ich etwas Probleme mit meinem Radargerät und hoffe, ein schlauer Mensch bei Sopromar kann mir helfen. Nach nunmehr achtzehn Jahren zuverlässig im Dienst, hat das Gerät mal besondere Beachtung verdient. Sopromar lässt einen Elektroniker mit Spezialwissen für Koden Radars kommen. Der gute Mann prüft erst alles Mögliche an Bord und nimmt dann einige Teile mit zu sich in die Werkstatt. Nach zwei Tagen erscheint er mit der Hiobsbotschaft wieder, dass der Monitor einen Wasserschaden hat und Platinen schwer geschädigt sind. Eine Reparatur sei teuer und eigentlich wegen des Alters der Anlage nicht mehr sinnvoll. Schweren Herzens verabschiede ich mich von der Anlage.

Nun ist guter Rat gefragt. Eine klassische Radaranlage wie die bisherige, gibt es auf dem Markt gar nicht mehr. Moderne Anlagen sind multifunktional. Neben dem Radarbild können sie auch als Kartenplotter, für die Anzeige von AIS Daten (Erkennung und Ortung von fremden Schiffen) und allerlei andere Überwachungsfunktionen eingesetzt werden. Es ist sicherlich sinnvoll, wenn ich mich erst einmal auf einer Bootsausstellung umfassend informiere. Meine Internetrecherche ergibt fürs erste, dass die gebräuchlichen Yachtsysteme meinen Ansprüchen nicht gerecht werden. Semi-professionelle Anlagen, wie sie in der Fischerei eingesetzt werden, sind dagegen sündhaft teuer. Ich verschiebe eine Entscheidung auf den nächsten Winter, dann habe ich immerhin einen Grund, im Oktober die Hamburger Bootsausstellung zu besuchen.

In der Woche darauf, am 9. April, kommt mein Mitsegler Rico aus Berlin, mit dem ich bis Ende April über Gibraltar nach Fuengirola segeln will. Für ihn ist es das erste Mal, dass er mit einem Segelboot auf See ist. Nach kurzer Zeit ist klar, wir verstehen uns gut und so werden wir es sicherlich drei Wochen miteinander aushalten. Neben dem Segeln haben wir noch ein gemeinsames Interesse, die Fotografie. Dabei ist er deutlich experimentierfreudiger als ich, was das folgende Bild von der Überfahrt von Ayamonte nach Rota zeigt.


Santa Maria fährt durch die Nacht (Foto: Rico)


Wir segeln zuerst nach Culatra (Faro). Bei einem Gang über die Insel entdecken wir eine trocken fallende Bucht, in der Segelboote - überwiegend Katamarane - für die Ewigkeit festgemacht sind. Es ist ein etwas skurriler Anblick und wir beschließen, nach unserem morgigen Ausflug nach Olhão, mit unseren Kameras zurück zu kommen. Die Gemeinde Culatra scheint die Dauerlieger, die für ihren Platz natürlich nicht bezahlen, zu tolerieren. Einige Segler wohnen noch auf ihren Booten, andere sind schon vor geraumer Zeit verlassen worden, und von einigen haben sich die Eigner wohl endgültig verabschiedet. Hier ein kleiner Eindruck von der Gemeinde:






Der deutsche Katamaran aus Duisburg ragt in seiner Gepflegtheit deutlich aus der Masse hervor




Von Culatra aus geht's über Ayamonte nach Rota. Von Rota kann man Cadiz einerseits mit dem Bus erreichen (ca. 2 Stunden) oder mit der Fähre übersetzten (ca. ½ Stunde). Wir haben beides ausprobiert, wobei die Fähre eindeutig mein Favorit ist.

Cadiz bietet für zwei Fotoentusiasten jede Menge Motive. Eine Zeitlang streifen wir durch den Fischmarkt, auf dem alles angeboten wird, was der Atlantik so hergibt. Besonders Thunfisch gibt es hier bei fast jedem Fischhändler in allen Größenordnungen.

Wir besteigen natürlich den Torre Tavira und Rico schaut sich auch die Vorführung der Camera Obscura an. Ich verzichte diesmal darauf, weil ich die Vorführung schon drei- oder viermal gehört und gesehen habe.

Nach einer kleinen Pause mit einem unanständig großen Eisbecher machen wir uns auf den Weg zum Castillo de San Sebastian. Das Castillo liegt an der Südseite der Bahia de Cadiz und man konnte von hier aus sicher das alte Cadiz gut gegen Feinde schützen, die von See kamen. Viel zu besichtigen ist allerdings nicht. Gut, es gibt einen Haufen alter Steine und man bekommt einen Eindruck von der allgemeinen Anlage, weitere Einzelheiten der Vergangenheit gibt es entweder nicht, oder man verbirgt sie vor der Öffentlichkeit. Dafür muss man auch keinen Eintritt zahlen.

Fußkrank kehren wir am Abend auf die Santa Maria zurück.


Fischhändler oder Bodybuilder


Thunfisch satt


Cadiz vom Torre Tavira


Über Barbate de Franco, wo wir nur für einen Übernachtungsstopp festmachen, geht es weiter nach Gibraltar. Das wir in der Queensway Quay Marina keinen Liegeplatz bekommen war mir bereits bekannt. Nunmehr werden wir auch von der Marina Bay abgewiesen. Rico, der das Funkgespräch führt, meint, sie hätten alles Mögliche erfragt, unmittelbar auf die Frage nach unserer Nationalität hätten sie aber gemeint, sie seien "absolutely full". Warum dann die Fragen vorher? Die Engländer haben doch nicht etwa etwas gegen uns Deutsche?

Jetzt gibt es noch zwei Chancen auf der spanischen Seite. Wir fahren nach La Linea, wo wir die letzte Nacht vor der Marina schon vor Anker lagen. Ich bin sehr überrascht. Eine moderne, großzügige, komfortable Marina, in der gleich Marineiros beim Anlegen helfen, und in der wir zu zivilen Preisen freundlich aufgenommen werden. Es ist von hier nicht weit bis zum Grenzübergang nach Gibraltar, und auf dem Weg dorthin kommt man immerhin bei McDonalds vorbei.

La Linea ist eine spanische Stadt, in der es im urbanen Zentrum eine Menge Geschäfte, eine große Fischhalle und viele Marktstände gibt. Auch meine Sonnenbrille kann ich hier bei einer Optikerin kostenlos reparieren lassen.

Am zweiten Tag nehmen wir uns den Rock vor. Beim Grenzübergang müssen wir zwar unseren Pass hochhalten, können aber ohne Verzögerung weiterlaufen. Den Weg bis zum cable car verkürzen wir uns durch eine kleine Busfahrt. Angesichts dessen, was uns heute noch an Lauferei bevorsteht, eine durchaus sinnvolle Maßnahme. Findet im Nachhinein übrigens auch Rico.

Oben auf dem höchsten Punkt angekommen, gibt es erst einmal ein ausgiebiges Berber-Affen-Fotoshooting. Sie sind zum Teil sehr drollig. Ich bin mir nicht darüber klar, ob wir Menschen in die Verhaltensweisen der Affen allzu viel menschliches hineininterpretieren, ob die Affen so sehr an Menschen gewöhnt sind, dass sie schon Rollen spielen, oder ob sie in ihrem Sozialverhalten durchaus "menschliche Züge" zeigen. Immerhin wird hier überall betont, es handele sich um "wild animals". Andererseits werden sie von den Parkrangern gefüttert, sie haben von den Menschen gegebene Namen, und die Parkführer, welche die Touristen herum karren, warten mit allerlei Affenspäßen auf. So lassen sie sich beispielsweise Nüsse oder Obst aus der Tasche klauen.


Auf dem Weg zu einer neuen Freundschaft


Die Marina von La Linea


Nachdem unsere Fotolust befriedigt ist, machen wir uns auf den Weg zu den Great Siege Tunnels. Es handelt sich um ein Verteidigungssystem, was man in den Berg geschlagen hat. Für stolze 15 € erwerben wir pro Person eine Zugangsberechtigung. Abgesehen von der immensen Arbeit, die Stollen dem Berg abzutrotzen, ist hier aber nicht viel zu sehen. Wenn man fünfzig Meter gesehen hat, kennt man auch den Rest.

Mit unserem Eintrittsgeld haben wir auch die Berechtigung erworben, Moorish Castle zu besichtigen. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Aber außer ein paar alten Steinen und Aussichten auf die Bucht, die wir auch schon besser hatten, war's das.

Es ist noch ein langer Weg zurück zur Santa Maria. Glücklicherweise liegt McDonalds auf dem Weg, denn kochen werden wir heute auf keinen Fall mehr. Erneut kommen wir abends fußlahm zurück aufs Schiff.

Fuengirola ist jetzt nur noch 47 sm entfernt. Hier wird Rico mich verlassen und nach Deutschland zurück kehren. Bevor es aber soweit ist, besuchen wir noch Marc. Auf die Frage, ob er sich erinnern könne, druckst er verständlicherweise herum. Als ich ihm aber von meiner Homepage erzähle, in der er auch per Foto verewigt ist, kam die Erinnerung zurück. Wir speisen wieder mal opulent bei ihm. Es wird so ausschweifend, dass ich meinen Nachtisch nicht ganz schaffe und auch den Rest meines Getränks zurück gehen lassen muss. Es geht einfach nichts mehr rein!

Nachdem Rico abgereist ist, gibt es noch ein Fußballspiel zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid. Das will ich mir in einer englischen Kneipe ansehen, in der wir einen Tag vorher bereits Rips gegessen hatten. Zugegeben, es ist etwas schmuddelig. Das Publikum ist auch nicht gerade "english upper class", aber einmal ist es ja schon gut gegangen. Diesmal leider nicht. Am nächsten Tag, bereits auf der Rückreise nach Lagos, ereilt mich "Montezumas Rache". Schön dass ich einen Autopiloten habe, sonst würden meine dauernden Klobesuche mindestens navigatorisch nicht so entspannend sein. Nachdem ich mein Malheur begriffen habe, kommt die Bordapotheke erfolgreich zum Einsatz.

Von La Linea nach Rota (Bahia de Cadiz) sind es 73 sm. Wir starten bei ganz lauem Wind, er entspricht der Wetter Vorhersage. Ich quäle mich mit zwei Knoten Fahrt durch die Ankerlieger der Bucht von Alcesiras. Kaum habe ich das Ende der Bucht erreicht, geht's mit frischem Wind weiter. Bei der Annäherung an Tarifa, dem südwestlichsten Punkt Europas, nimmt der Wind erwartungsgerecht zu. Kurz vor Tarifa erreichen wir 7 Windstärken, die uns auch noch viele Meilen danach erhalten bleiben. Segel verkleinern ist dringend angesagt. Am Kap Trafalgar, nach ca. 39 sm, ist schlagartig alles vorbei. Nach Rota geht's bei Totenflaute nur noch mit dem Motor weiter. Morgens um 01.40 Uhr mache ich an der waiting pier von Rota fest.

Eigentlich wollte ich in Rota ein paar Tage länger bleiben, aber die Wetterprognose ist so grässlich, dass ich nach zwei Tagen bereits weiter fahre. Für die nächsten Tage ist Flaute vorhergesagt und danach Starkwind von vorne. Dann schon lieber gleich los. Bevor ich aber los fahre, treffe ich noch eine Entscheidung für meine zukünftige Radar- bzw. Kartenplotting Ausstattung. Nach reiflicher Überlegung entscheide ich mich für den Marktführer und bestelle in Deutschland erst einmal einen Kartenplotter. Die Entscheidung, welche Radarantenne ich dazu bestelle, verschiebe ich auf den Winter. Die Gedanken über die zukünftige Ausstattung beschäftigen mich so sehr, dass ich morgens um 03.00 Uhr aufstehe und die Geräte am Kartentisch umbaue. Schließlich brauche ich Platz für meine Neuerwerbung.

Noch eine Kuriosität aus Rota. Als ich am nächsten Morgen, vor Anker liegend im Guadiana, ins Internet gehe und meine E-Mails ansehe, habe ich eine E-Mail von Señora Sanchez aus Rota. Sie teilt mir mit, ich hätte einen Tag zu wenig Hafengebühr bezahlt. Dienstbeflissen wie ich bin, überweise ich den Betrag umgehend online. Als ich dann in den ebenfalls von der staatlichen EPPA betriebenen Hafen von Ayamonte komme und das Hafenbüro aufsuche, empfängt man mich bereits mit der Nachricht, ich habe noch Gebühren für Rota zu entrichten, was ich selbstverständlich hier erledigen könne. Es bedarf einiger Bemühungen meinerseits, den Spaniern klar zu machen, dass ich meine Schuld bereits online beglichen habe.

Ein paar Tage später starte ich sehr früh, um die 63 sm nach Portimao zu segeln. Leider gelingt es mir nicht, bei Tageslicht anzukommen, weil der Wind unterwegs doch recht flau wird. Die Einfahrt in den Rio Arade ist jedoch sehr komfortabel. Als ich in stockfinsterer Nacht dann durchs Ankerfeld fahre muss ich höllisch aufpassen, da einige Zeitgenossen kein Ankerlicht gesetzt haben. Hier werde ich nun abwarten, bis ich die Mitteilung erhalte, dass mein Paket mit dem neuen Kartenplotter in Lagos angekommen ist. Ende des Monats werden wir dann zu dritt unseren dreimonatigen Madeira-, Azoren-, Lissabon-Törn beginnen.


Rico


© Rüdiger Kreutschmann


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