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Juli/August/September 2012 Malta bis Lagos

Siebenundzwanzigster Brief



Die schlechte Segelausbeute im Mittelmeer bleibt uns erhalten. Bernd erscheint pünktlich in der Grand Harbour Marina (Valetta) und nach einem kleinen Frischeeinkauf am nächsten Morgen kann es los gehen.

Am Ankerplatz sah es erst nicht so aus, als wir draußen sind kommt die Überraschung. Zunächst können wir ganz gut segeln. Es ist nicht unser Sollkurs, ein bisschen westlicher als Nord geht aber. Und so verabschiede ich mich von dem Gedanken an eine nonstop Fahrt nach Mallorca und stelle mich mental nochmals auf Sizilien ein. Bernd scheint dieser Gedanke auch zu behagen, denn er kämpft noch mit Eingewöhnung. Unser Ziel ist zunächst Licata, ca. 82 sm entfernt, was ich in meiner Planung als worst case Szenario vorgesehen hatte. Aber so ist das, der Skipper denkt und Rasmus lenkt. Am nächsten Morgen machen wir in der neuen Marina um 09.40 Uhr fest. Die Liegeplatzkosten sind sizilianisch hoch und so verabschieden wir uns gleich am nächsten Tag wieder. Uns stehen auch maximal nur zwei Wochen zur Verfügung und Trödeln gilt nicht.

Das war's dann aber auch schon mit Segeln. Der zuverlässige Yanmar Diesel bringt uns in 18 Stunden nach Marsala, auf die Westseite Siziliens, wo wir zumindest eine Flasche des gleichnamigen Weins erstehen. Er ist ganz ordentlich, für meine Begriffe angesiedelt zwischen Wein und Likör, also ein schöner Bretterknaller, wenn man sich nicht beherrschen kann.


mooringleine

Überdimensionierte Mooringleine, die nicht auf die Klampen passt


Weiter geht's mit der Maschine Richtung Südsardinien. Die Welle ist chaotisch und so beschließen wir einen stop over auf der Insel Marettimo für die Nacht. Marettimo gehört zu den Ägadischen Inseln und liegt westlich von Sizilien. Vor der Hafeneinfahrt ist ein kleines Ankerplätzchen für uns und sofort erscheint ein Boot und bietet uns eine Boje im Hafen an. Wir lehnen zwar dankend ab, am nächsten Morgen wird mir dann klar, dass wir das Angebot vielleicht doch angenommen haben sollten. Wir können den Anker nicht ausbrechen!

Es ist um 05.15 Uhr noch recht dunkel und wir sehen nicht, was sich da in ca. 4 Meter Wassertiefe abspielt. Ich bin für abschneiden der Kette. Mit meinem Drahtseilschneider haben wir aber gegen 8 mm Nirokette keine Chance. Die nächste Alternative ist die Metallsäge. Bevor es dazu kommt, überredet Bernd mich, es mit Tauchen zu versuchen. Er wolle sich den Fall aus der Nähe betrachten. Ich stimme zu, und es ist mittlerweile so hell geworden, dass es auch Sinn macht. Bernd präpariert sich also mit Tauchermaske und stürzt sich in das recht warme Mittelmeerwasser. Der Anker hat sich mit einem Teil der Pflugschar zwischen zwei Felsplatten in einer Spalte verklemmt. Mehrere Male lässt Bernd sich an der Kette hinunter, bis es ihm gelingt, den Anker frei zu arbeiten. Erleichtert kommt er hoch und weist mich an, schnell die Kette hoch zu hieven. Das Manöver wird ein voller Erfolg; ich habe eine Minusausgabe von ungefähr 800 bis 900 € und Bernd hat sich einen Eintrag ins Heldenbuch der Santa Maria verdient.

Wir können also ohne Verluste Richtung Sardinien starten. Der chaotische Seegang von Gestern hat sich beruhigt, segeln können wir aber weiterhin nicht. Im Laufe des Tages wird das Mittelmeer zum Ententeich. Wir daddeln bis zum nächsten Abend so vor uns hin und kommen um 19.45 Uhr in der Marina von Teulada an. Große Überraschung, eine ansehnliche Marina, aber keine Dieseltankstelle. Ein Marineiro macht den Vorschlag, 100 Liter Diesel mit einem Taxi zu holen. Ich glaube der spinnt. Er gibt uns einen Tipp. In ca. 25 sm gäbe es den Ort Porto di Sant' Antioco. Dort sei auch eine Dieseltankstelle. Was haben wir für eine Wahl. Bis zu den Balearen sind es ca. 300 sm und in diesem Schwachwindgebiet nicht mit vollen Tanks zu starten ist fahrlässig. Also Hebel auf den Tisch und weiter gedaddelt.

Um 24.00 Uhr kommen wir dort an und können an einer Pier längsseits gehen. Bernd begibt sich sofort auf die Suche nach einem Restaurant, denn wir haben keine Lust, jetzt noch selbst zu kochen. Während Bernd weg ist, habe ich das Vergnügen mit einem Coast Guard Officer. Er stellt ein paar Fragen nach dem "Woher" und "Wohin", na, das Übliche halt. Wir können hier liegen bleiben, ich soll aber morgen Früh bei der Coast Guard mit den Schiffspapieren auf der Matte stehen. Bernd kommt dazu und berichtet, er habe in der Nähe ein Restaurant gefunden, wo tatsächlich noch für uns gekocht werden soll. Also nichts wie hin.

Bernd hat, während wir an der Küste entlangfahren, mit Zuhause telefoniert. Die Nachrichten sind nicht gut. Er entschließt sich, von Sardinien aus zurück zu fliegen. Somit bin ich bis Mallorca allein an Bord.


schiffsglocke

Marina Bay (Gibraltar)


Nachdem Bernd morgens um kurz vor 07.00 Uhr abgeheuert hat, klare ich auf und starte um 08.00 Uhr meine unerwartete Einhandreise. Der Mistral bläst mit 7 Windstärken aus Nord bis Nordwest und ich kann segeln. Im Laufe des Tages nimmt er auf 6 Beaufort ab und es geht ganz kommod. Bis zum nächsten Tag um 12.00 Uhr habe ich 110 sm gesegelt, dann ist Schluss. Das langsam unerträgliche Motoren beginnt wieder.

In der ersten Nacht habe ich keine Schiffsbegegnung. Anfangs stelle ich mir den Wecker auf eine halbe Stunde ein. Gegen Morgen werde ich mutiger und schlafe auch schon mal eine ganze Stunde. Sobald das Tageslicht da ist und die Sonne scheint, ist die Müdigkeit wie weggeblasen. Sie kommt aber unweigerlich in der nächsten Nacht zurück. Nun bin ich schon etwas routiniert und auch die dritte Nacht schaffe ich noch. Zu Beginn meines 4. Tages auf See erreiche ich Port d'Andratx auf Mallorca. Hier hat es gegenüber dem letzten Jahr eine entscheidende Veränderung gegeben. Das unkontrollierte Bojenfeld ist verschwunden. Dafür hat der ortsansässige Club de Vela ordentliche Bojen ausgelegt. Ich lege mich natürlich an eine falsche Boje, und nachdem ich gerade eine Stunde zum Schlafen liege kommt ein Marineiro mit dem Schlauchboot und verweist mich an einen anderen Platz. Diesmal geht's aber einfacher, weil der Marineiro hilft.


restaurantmusiker

Restaurantmusiker in Port d'Andratx


Auf Mallorca bin ich mit Lars verabredet. Uns stehen zwei Wochen zur Verfügung, in denen wir in die Nähe von Málaga segeln wollen, von wo aus er zurück nach Deutschland fliegt. Wenn ich hier von segeln spreche, so meine ich den englischen Seefahrtsbegriff "sail", der die Motorfahrt einschließt. Diese Einschränkung muss ich hier im Mittelmeer wohl machen, und so geht es von Mallorca Richtung Ibiza schon wieder mit dem Zerknalltreibling los. Am Abend ankern wir in einer Bucht von Formentera und bleiben auch noch den Tag über am Ankerplatz. Einige Arbeiten werden erledigt und wir entern beide in den Großmast, um Fotos für ein neues Logo für meine Homepage zu schießen. Am Laptop bin ich dann mit der Ausbeute ganz zufrieden und erstelle ein neues Logo.

Gegen Abend hieven wir den Anker auf. Wir wollen die Nacht durchsegeln, um am Morgen in Altea anzukommen. Und tatsächlich, wir können die neuen Tücher dem Mond zeigen. Zwischendurch wird der Wind schwächer, so dass es mit dem ETA ("estimated time of arrival" - voraussichtliche Ankunftszeit -) am Morgen nichts wird. Erst am frühen Nachmittag können wir im örtlichen Yachtklub festmachen.

Altea haben wir ausgesucht, weil Lars durch meinen Bericht aus dem vorigen Jahr neugierig auf Kurt und das "La Mascarada" ist. Zuerst ist er von Altea ziemlich enttäuscht. Wir laufen durch den hässlichen Teil der Stadt. Strandstraße mit Fresskneipen und Souvenirshops ohne Ende. In der zweiten Reihe triste Betonhäuser in abgewirtschaftetem Zustand. Dann aber erklimmen wir den Hill und kommen an den kleinen traditionellen Häusern vorbei. Lars ändert seine Meinung. Oben angekommen, hat das La Mascarada noch geschlossen. Wir wollen am Abend wieder kommen.

Ein zweites Mal will ich aber kein Bergwanderer sein und beschließe, mit dem Taxi hoch zu fahren. Das Jungvolk hat dafür nur Verachtung übrig. Oben angekommen, treffe ich auf Elena, Kurt's langjährige Gefährtin und Mitseglerin. Als ich sie nach Kurt befrage, erklärt sie mir mit bedrücktem Gesicht, er sei im vorigen Jahr im November verstorben. Schock

Wir nehmen dann noch jeder einen Cocktail in der Bar, kaufen zwei der Bücher, die Kurt noch in deutscher Sprache veröffentlichen konnte, fotografieren einige Masken und verabschieden uns dann von Elena. Die Bücher müssen wir bezahlen, die Drinks gehen aufs Haus und auf die Erinnerung an den Schöpfer des La Mascarada.


Masken aus dem La Mascarada

maskenn 1



masken 2



masken 3


Weiter geht's nach Cartagena. Hier essen wir uns, wie bereits im vorigen Jahr, inmitten von Spaniern, in einer Tapasbar für kleines Geld kugelrund. Dann das lange Bein nach Almerimar. Hier hat die wirtschaftliche Situation noch härter zugeschlagen als in den Jahren zuvor. Der Hafenmeister begrüßt mich erst einmal mit der Frage, ob ich nicht im Winter hier bleiben wolle. Er könne mir ein gutes Angebot machen und ich würde auch jetzt weniger zahlen (Minus 20 %). Das Angebot ist dann lediglich ein Drittel des Preises, den ich in Lagos bezahlen muss. Aber wer will hier längere Zeit bleiben? Bisher kannte ich den Ort so, dass die Marina noch das einzige profitable an der künstlich angelegten Scene war. Jetzt ist die Marina gähnend leer. Da möchte man nicht tot überm Zaun hängen, nicht für das kleinste Geld der Welt.


lars

Lars auf Fototour in Cartagena


Wir lernen Heinz kennen, ein 75jähriges Kind des Ruhrgebiets aus Mönchengladbach. Heinz ist nicht gerade ein Aushängeschild für diese Region, wie wir aus seinen Äußerungen beim Bier feststellen müssen. Er ist einer der zahlreichen Bootseigentümer, die verkaufen wollen. Seine finnische Segelyacht will (muss?) er, wie er mir unter Deck bei einer Besichtigung erzählt, zu einem sensationellen Preis verkaufen. Das Angebot ist wirklich bestechend, aber nach einem kurzen Augenblick der Schwäche bleibe ich doch in Treue fest zur Santa Maria.

Auf dem Weg nach Fuengirola, für Lars der Endpunkt der Reise, machen wir für die Nacht einen Ankerstop in der Nähe der Marina del Este. Hier haben wir eine seltsame Begegnung mit einem bescheuerten Engländer. Auf einem Wassergelände von mehreren Quadratkilometern liegen der Engländer und eine weitere deutsche Yacht. Wir wollen in der Nähe auch ankern. Der Engländer kommt uns mit seinem Dingi entgegen und erklärt uns, für uns gäbe es hier keinen Platz. Ungerührt davon gehen wir trotzdem vor Anker, merken aber, der Platz ist zu dicht an ausgelegten Bojen für Schwimmer. Als wir bereits wieder Anker auf gehen, kommt der Engländer erneut und lappt uns voll. Freundlichkeiten werden ausgetauscht. Auf mein "verpiss dich" kommt ein freundliches "fuck off". So verständnisvoll können Yachties miteinander umgehen. In einer winzigen, in der Nähe liegenden Bucht, haben wir dann doch noch eine ruhige Nacht vor Anker.

Fuengirola. Lars ist wieder etwas enttäuscht. Touristenschwemme, soweit das Auge reicht. Aber es gibt mindestens vier Gründe, hier anzulegen. Erstens gibt es im Mercado Municipal einen Gewürzhändler, bei dem ich immer wieder gerne einkaufe. Zweitens gibt es von hier aus eine Bahnverbindung zum Airport nach Málaga, mit der Lars in 30 Minuten vor Ort ist. Drittens handelt es sich um einen EPPA Hafen, in dem die Liegeplatzkosten moderat sind. Nach den Preisen in Italien und Malta eine Erholung fürs Portemonnaie.


gewürzhändler

Mein Lieblingsgewürzhändler in Fuengirola


Für den vierten Grund muss ich etwas ausholen. Wir bummeln ziellos durch die Stadt. Nach einigen Schlenkern erreichen wir das Viertel, in dem die Massen von Touristen abgefüttert werden. Man stelle sich eine Straße vor, in der auf beiden Straßenseiten dicht an dicht Abfütterungsgelegenheiten sind. Die Wirte haben massenweise Tische und Stühle auf die Straße gestellt, so dass nur ein schmaler Gang für die Suchenden bleibt. Schlepper sprechen die Touristen an, um sie in das jeweilige Restaurant zu lotsen. Die Futtertröge sind von den Touristen gut gefüllt. Wir wissen, hier werden wir auf keinen Fall sitzen und essen.


abfütterung

Abfütterung der Massen


Auf dem Weg hierher sind wir durch eine kleine ruhige Straße gekommen, in der sich zwei, drei kleine Lokale befinden, die von den Touristen weitgehend verschont werden. Und so lernen wir Marc kennen, unser vierter Grund.

Marc ist Franzose. Seine Frau, Spanierin, kocht. Es gibt Tapas, es gibt Pizza auf der Basis von Crêpes, und es gibt Nachspeisen, die abartig gut schmecken. Wir probieren einiges und werden nicht enttäuscht. Zwischendurch kommt immer mal wieder Marc an unseren Tisch um zu plaudern. Er hat in seinem früheren Leben u. a. in Deutschland für die Firma Gardena gearbeitet. Daher spricht er und versteht einiges in Deutsch. Lieber ist ihm allerdings eine Unterhaltung in Englisch, was für einen Franzosen auch nicht selbstverständlich ist.

Am nächsten Abend sind wir wieder bei Marc zum Essen.


marc

Marc flambiert die Nachspeise


Leider muss Lars nun abreisen, sonst hätten wir mit Marc über ein Abonnement verhandeln können. Für den Rest der Reise nach Lagos bin ich jetzt allein an Bord. Ich bleibe noch einen Tag und verhole dann in die 51 sm entfernte Bucht von Algeciras. Am frühen Abend fällt der Anker vor dem Yachthafen von La Linea. Einen Tag später gehe ich in die Marina Bay von Gibraltar und das hat einen Grund.

Im Frühjahr brachte die Firma Nikon ein Nachfolgemodell meiner Kamera D 700 auf den Markt. Sie hat so sensationell neue Leistungsmerkmale, dass mein Interesse im höchsten Maße geweckt worden ist. Seitdem beobachte ich den deutschen, den österreichischen, den französischen und den englischen Markt. Die Preise bewegen sich nicht nennenswert. Nun bin ich gespannt, wie die Preise in Gib sind. Ich habe mir ein Limit gesetzt, welches ich keinesfalls überschreiten will. Das Limit liegt ungefähr 450 € unter seriösen deutschen Angeboten. Ich bummle also durch die Main Street von Gib, dort wo es den billigen Schnaps, die billigen Zigaretten und die billigen Parfums gibt; und eben auch Kameras. In den ersten Geschäften gibt es sensationelle Angebote, leider haben die Händler das Objekt meiner Begierde gar nicht. Sie versprechen das Blaue vom Himmel, wann sie liefern können. Ich will schon aufgeben, da komme ich an einem kleinen unscheinbaren Laden vorbei, in dem im Schaufenster ein Karton der von mir begehrten D 800 steht. Das hatten wir doch schon in einem anderen Laden - ein leerer Karton. Mit wenig Hoffnung betrete ich den Laden und werde vom Inhaber angenehm überrascht. Ja natürlich habe er die Kamera. Er habe sogar drei Stück davon, allerdings habe er auch sechs Monate darauf warten müssen. Das Lieferproblem von Nikon ist mir bekannt. Den Sensationspreis der anderen Geschäfte kann oder will er mir nicht bieten, er hat ein gutes Argument. Schließlich kann er liefern, die anderen nicht. Ein bisschen feilschen ist angesagt und so bekomme ich letztlich das gute Stück noch um 60 € unter meinem Limit.

Zufrieden reise ich von Gibraltar ab. Diesmal müssen die Berberaffen auf dem Rock auf mich verzichten. Aber, so die höheren Mächte es zulassen, bin ich nicht das letzte Mal in Gib gewesen.


bay of algeciras

Bucht von Algeciras, Gib im Vordergrund


Der Abreisetag wird durchaus spannend. Ich starte bei absoluter Flaute und manövriere zwischen den vor Anker liegenden Frachtern, Tankern und Containerschiffen hindurch. Als ich die Bucht von Algeciras verlassen habe, kommt etwas achterlicher Wind auf. Ich rolle die Genua aus. In der nächsten halben Stunde wird der Wind immer stärker und es kommt Nebel auf. In kürzester Zeit habe ich 7 Windstärken, was für die Gegend hier nicht so ungewöhnlich ist. Nicht umsonst treffen sich hier in Tarifa, dem südlichsten Punkt Westeuropas, die Windsurfer. Um diesen Punkt muss ich herum. Als ich nach einem kurzen Gang unter Deck wieder hoch komme, kreuzt im Abstand von ca. 30 m ein Segler auf Gegenkurs meinen Weg. Er hat seine Segel stark gerefft. Das war knapp. Obwohl ich ausweichpflichtig gewesen wäre, grüßen die unter englischer Flagge Segelnden freundlich herüber. Sekunden später hat sie der Nebel wieder verschluckt.

Tarifa passiere ich um 13.00 Uhr noch im Nebel, danach klart das Wetter auf und auch der Wind wird kontinuierlich schwächer. Ich setze Kurs auf das Kap Trafalgar ab. Zwei Stunden, oder 13,5 sm nach Passieren von Tarifa, ist der Segeltag vorbei. Achteinhalb Stunden später, morgens um 01.00 Uhr, fällt der Anker in der Bucht von Cadiz, nahe dem Puerto Sherry. Die restliche Nacht verbringe ich recht ruhig am Ankerplatz. Der nächste Tag und die nächste Nacht werden dann aber unerträglich. Die Santa Maria liegt vor Anker im Wind. Im 90° Winkel dazu rollt der Atlantikschwell mit einer geschätzten Höhe von einem Meter in die Bucht. Die Santa Maria rollt zum "Gott erbarmen". Eigentlich wollte ich hier zwei bis drei Tage vor Anker verbringen, meine Bandscheiben protestieren dagegen laut und vernehmlich. Also Anker auf und ab nach Rota, am nördlichen Ausgang der Cadizbucht in ca. 6 sm Entfernung gelegen. In der EPPA Marina kann ich mich richtig ausschlafen (erholen!).


Kommerz und Katholizismus - eine untrennbare Allianz (Entdeckt in Rota)


Unser nächstes Ziel ist der Grenzfluss Guadiana zwischen Portugal und Spanien. Vor dem Ort Ayamonte gehe ich im Fluss vor Anker und bleibe ein paar Tage. Eindrucksvoll ist hier das ewige Auf und Ab der Gezeiten zu beobachten. An der Logge machen wir bis zu 1,5 Knoten. Das schafft Meilen, obwohl wir uns maximal um die Länge der Ankerkette (40 Meter) bewegen.

Ich habe noch sehr viel Zeit, und so beabsichtige ich, nach einem kurzen Besuch in der Marina von Ayamonte, wieder vor Anker in den Fluss zu gehen. Ich will auf den richtigen Wind warten, um in die Lagune von Faro zu segeln. Im Internet macht "Windguru" keine großen Hoffnungen. Die nächsten sieben Tage soll es W-NW Wind der ganz leichten Art geben. Ricarda und Manfred fragen auch schon per E-Mail an, wann wir uns in Culatra treffen. Es wird wahrscheinlich eine Maschinenfahrt geben und sie wird schneller kommen, als ich geplant hatte.

Es ist soweit. Der vorletzte Törn in diesem Jahr nach Culatra. Frühmorgens kann ich noch etwas Thermik ausnutzen und die ersten zehn Meilen segeln. Der Rest ist dann wie erwartet - Motor. Als ich vor der Einfahrt in die Lagune stehe, ist es mir ganz recht, dass keine nennenswerte Welle vorhanden ist. Das einlaufende Wasser des Hochwassers sorgt auch so für beeindruckende Fahrt in der engen Einfahrt. Mit über neun Knoten wird die Santa Maria in die Lagune gespült. Nach ungefähr einer Meile wird's dann ruhiger. In der Nähe der "Syene" (Ricarda und Manfred) gehen wir vor Anker. Großes "Hallo". Der Saisonausklang wird jetzt sehr geruhsam. Alle paar Tage fahre ich mit dem Dingi an Land. In Culatra gibt es zwei kleine Lebensmittelgeschäfte, die zwar etwas teurer sind, die aber den Grundbedarf gut abdecken. Für etwas umfangreichere Einkäufe fahre ich mit der Fähre nach Olhão, dort gibt es mehrere große Supermärkte, eine täglich geöffnete Markthalle und samstags einen offenen Bauernmarkt, auf dem man sehr gut und recht preiswert Obst und Gemüse erstehen kann.

wassertaxi

Taxistand in Olhão


Jetzt sind es nur noch ungefähr 40 sm bis zu meinem Winterliegeplatz in Lagos, den ich mir ab 1. Oktober habe reservieren lassen. Geplant war, dass ich ein paar Tage vorher nach Portimão segle, ca. 7 sm vor Lagos, um pünktlich meinen Winterliegervertrag einzuhalten. Als Segler sollte man auf jeden Fall immer noch einen Plan b) haben. Nach zwei Wochen vor Anker habe ich eines Morgens an der Niedergangstreppe etwas Feuchtigkeit auf dem Teppich. Die Inspektion der Bilge ergibt, die automatische Pumpe, die eindringendes Wasser außenbords pumpen soll, versagt ihren Dienst. Drei Jahre war sie äußerst zuverlässig, jetzt brauche ich dringend eine Neue, weil ich die Santa Maria einige Wochen allein lassen will. Ich gehe davon aus, hier in Olhão bekomme ich keine entsprechende Pumpe. Also auf nach Portimão.

Sopromar, die bewährte Firma aus Lagos, hat hier eine Filiale eröffnet. Der Verkäufer verspricht mir, in spätestens zwei Tagen kann ich die Pumpe abholen. Er hat sich aber wohl versprochen. Eine Pumpe ist zwar nach zwei Tagen da, leider die Falsche. Obwohl ich ausdrücklich betont hatte, ich brauche eine mit "automatic switch", hat er eine ohne eingebauten Schwimmerschalter bestellt. Die nützt mir Garnichts. Auf eine von mir begehrte Pumpe müsste ich zwei bis vier Wochen warten. Das ist natürlich "Käse". Ich verlange mein Geld zurück und bestelle eine entsprechende Pumpe in Deutschland. Die ist dann tatsächlich nach sechs Tagen da.

Noch ein kleiner Nachtrag zum Heldenbuch der Santa Maria. Seit Sizilien habe ich zunehmend Probleme mit meinem kleinen Außenborder fürs Dingi. Jetzt nimmt sich Manfred das Teil vor. Hartnäckig wie er ist, gibt er nicht auf. Nachdem er alles getestet hat, was man an so einem kleinen Maschinchen testen kann, kommt seine Aktion, "wir blasen mal ordentlich in die Führung der Nadel vom Vergaser". Und tatsächlich, auf einmal fliegt ein kleines unscheinbares Teil heraus - Schmutz. Was wäre ich auf der Santa Maria bloß ohne meine Helden!

manfred

Manfred auf Probefahrt nach erfolgreicher Reparatur



© Rüdiger Kreutschmann


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