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April/Mai 2012 Ägäis bis Kalamata (Peleponnes)

Fünfundzwanzigster Brief



Zuerst muss ich zu meinem letzten Bericht etwas nachtragen. Mit ihm bin ich bei einigen Lesern ziemlich angeeckt. Der harmloseste Kommentar war noch die Bezeichnung "Nörgelkönig". Zwei Leser, die namentlich erwähnt wurden, intervenierten und veranlassten mich, den Text so umzuformulieren, dass ihre Identität nicht mehr erkennbar ist. Ja, wenn man sich auf das Feld der Kritik begibt, muss man auch damit leben, selbst kritisiert zu werden. Überraschend war für mich, mit welchem Ernst der Bericht von verschiedenen Lesern aufgenommen wurde. Nicht jeder steht zu seiner kritischen Äußerung und will sie dann auch noch mit seinem Namen in Verbindung lesen können. Bei so viel Ängstlichkeit sollten sich die Betreffenden eigentlich die Äußerung dann auch gleich ganz verkneifen. Vielleicht war ich aber auch nur naiv. Alle Personen, die sich betroffen fühlten oder fühlen, mögen mir verzeihen, aber das Paradies ist leider nicht überall paradiesisch.


Auch zu den Hafenverhältnissen ein kleiner Nachtrag. In meinem letzten Bericht hatte ich ja von meiner Sorge um die Santa Maria berichtet. Die war wirklich nicht unbegründet. Im Januar hatten wir ein paar Stunden Südwind bis zu 40 Knoten. Dabei wurde die Santa Maria auf das Boot meines Nachbarn an Backbord gedrückt. Einer seiner Fender setzte sich bei der Schaukelei so unglücklich unter die Teakabdeckung der Fußreling, dass sie samt Schrauben auf eine Länge von ca. vier Metern aus dem Kunststoff gerissen wurde. Glücklicherweise ist das Holz dabei nicht gebrochen, und mittlerweile konnte ich den Schaden in ungefähr eintägiger Arbeit mit eigenen Mitteln reparieren. Ich bin schon froh über keine weiteren Schäden.


Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Griechenlands, von denen man in Deutschland über die Medien umfangreich informiert ist, sind hier in Ag'Nik im Laufe des Winters immer deutlicher sichtbar. Jede Woche, wenn ich durch die Straßen laufe, haben weitere Geschäfte aufgegeben und geschlossen. Gefühlt hängt an jedem 4. Ladenlokal das Schild "ENOIKIAZETAI" - zu vermieten. Das hindert die verbliebenen Geschäftsinhaber aber nicht, den gemeinen Touristen zu betrügen. Eines Tages betrete ich eine Apotheke, um ein paar Tabletten zu erwerben. Der Apotheker hält die Packung gegen den Scanner und schüttelt dann den Kopf. Ich denke, "Machin kaputt". Er geht zu einem Taschenrechner und tippt einen Betrag ein, den er mir dann zeigt: 7,50 €. Das entspricht ungefähr dem Preis, den ich auch in einer deutschen Apotheke zahlen müsste, und ich zahle anstandslos und ohne weiter darüber nachzudenken. Zurück an Bord, packe ich meine Beute aus und betrachte sie von allen Seiten. Mein Blick bleibt kleben an einem kleinen Preisschild, auf dem steht: 2,04 €. Das ist wohl eins der Beispiele der vielbeklagten griechischen Verhältnisse.



enoikiazetai



Aber jetzt wartet erst einmal die Ägäis mit ihren zahleichen Inseln und Ankerbuchten auf uns. Am 31. März verlassen die Santa Maria und ich die Marina von Agios Nikolaos. Ich gehe davon aus, dass ich hierher nicht zurückkehren werde. Zuerst soll es nur ein kurzer Törn in die Bucht hinter Spinalonga werden. Hier gehe ich vor dem Ort Elounda vor Anker. Im Wesentlichen gibt es dafür zwei Gründe. Der erste Grund ist der Bootszubehörladen mit seinen sensationell günstigen Angeboten, und zweitens kann ich hier geschützt vor Anker auf ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt nach Astipalaya warten. Für die Überfahrt wäre es schön, wenn wir nicht gerade Starkwind aus Nord hätten. In der letzten Woche vor dem Aufbruch habe ich mir noch ein Auto gemietet, in erster Linie, um ausreichend für die nächste Zeit einkaufen zu können.


Bevor ich aber Ag'Nik verlasse, erlebe ich noch einmal griechische Bürokratie. Auf dem Weg zur Port Police, von denen ich einen Ausreisestempel benötige, kommt mir ein französisches Seglerpaar mit gefalteten Gesichtszügen entgegen. Sie hatten schon den Stempel, der aber wieder durchgestrichen wurde, weil sie keine Versicherungspolice hatten, die auch in griechischer Sprache abgefasst ist. Mit gemischten Gefühlen betrete ich das Gebäude und begebe mich an den Counter. Packe alle meine amtlichen und nichtamtlichen Papiere aus und gebe sie dem Polizeigeneral. Neben mir steht ein finnischer Segler, der wohl das gleiche Problem wie die Franzosen hat, aber den Sinn des Ganzen nicht richtig versteht. Triumphierend zeigt ihm mein General meine Police und erklärt ihm, so müsse es aussehen. Ich bin ganz stolz auf meine Versicherungsagentur mit ihrem Weitblick. Dann machen sie sich zu zweit über meine Papiere her und es scheint alles glatt zu laufen. Ganz zum Schluss findet der General aber doch noch ein Haar in der Suppe und stellt fest, dass meine Police um 24.00 Uhr des heutigen Tages abläuft. Rotzfrech behaupte ich, die neue Police sei schon an mich unterwegs. Mit dieser Erklärung scheinen sie zufrieden zu sein und ich bin entlassen. Ein Anruf in Hamburg und eine neue Bestätigung für das kommende Jahr wird mir per E-Mail zugesandt. Jetzt benötige ich nur noch 220 Volt, um sie auf meinem Printer auszudrucken.



elounda 1

Elounda im ersten Morgenlicht



elounda 2

Elounda mit seinem kleinen Fischereihafen



spinalonga

Die ehemalige Leprainsel Spinalonga



Das Wetter am Ankerplatz ist schön und ich vergesse erst einmal alle Unbilden des kretischen Landlebens. Auch der französische Segler aus Ag'Nik geht am Abend neben der Santa Maria vor Anker. Er hat's also doch noch geschafft. Einen Tag später erscheint auch der Belgier Marc mit seinem Mops an Bord. Drei Tage verbringe ich geruhsam am Ankerplatz, dann taucht der erste Gedanke an die Weiterreise auf. Da habe ich aber die Rechnung ohne den Wettergott gemacht. Am vierten Tag kommt der Wind zwar wie gewünscht aus Süd, aber er überfällt uns mit durchschnittlich 6 Beaufort, in den Böen, die im minütlichen Abstand über uns herfallen, erreicht er Sturmstärke. Ein Idiot, wer jetzt ohne Not Anker auf geht.


Einen Tag später hat der Wind geringfügig abgenommen, bläst aber immer noch mit satten 7 Windstärken, nur die Sturmböen sind weg. Mit uns liegen mittlerweile vier weitere Boote vor Anker. Marc's Anker hält nicht und er treibt nach Lee weg. Alle Yachties, außer Marc selbst, der unter Deck ist, merken es. Es wird geglotzt was das Zeug hält. Obwohl ich hier der einzige Einhandsegler bin, kommt niemand auf den Gedanken, Anker auf zu gehen, um Marc zu warnen. Also entschließe ich mich, den Anker einzuholen, um Marc zu helfen. Das Manöver gelingt und bei der Rückkehr an meinen Ankerplatz werde ich von den französischen Seglern der anderen Boote freundlich begrüßt. Na, sie hätten vielleicht auch selbst helfen können.


Nach fast einer Woche vor Elounda ist es dann so weit. Ich hole mir an Land noch schnell einen Wetterbericht aus dem Internet, dann kann es los gehen. Auf guten Segelwind hoffe ich aber vergebens. Die 80 sm bis Astipalaya verbringe ich, mit kleinen Unterbrechungen, unter Maschine. Als ich morgens um 09.00 Uhr an der Mole des Hauptortes der Insel festmachen will, steht dort ein unangenehmer Schwell. Das verheißt keine Ruhe und so entschließe ich mich spontan, gleich bis zu einer Bucht im Nordosten der Insel mit Namen "Vathi" weiterzufahren. Auf die zusätzlichen 17 sm kommt es jetzt auch nicht mehr an. Dort angekommen, gehe ich auf 9 m Wassertiefe vor Anker und habe absolute Ruhe. Nur im nordwestlichen Scheitel der Bucht gibt es ein paar Häuser, ansonsten - Einsamkeit. Die einzigen Geräusche sind etwas Hundegebell und Glockenläuten von den Ziegen, die in den Bergen ringsum nach Nahrung suchen. Ich bin also doch nicht ganz allein auf dieser Welt.



Skála Astipálaia



Wie's weitergehen soll wird dadurch bestimmt, dass ich dringend einen Arzt brauche. Das heißt also keine Ankerbucht, sondern ein Ort mit entsprechender Versorgung. Die Wahl fällt auf die kleine Insel Kalimnos, die in ca. 40 sm Entfernung liegt. Nach drei Tagen geht's also Anker auf, und sobald ich um die Nordostecke Astipalayas herum bin, kann ich Segel setzen. Anfangs haben wir nur eine schwache Brise mit um die 3 Knoten Fahrt, später holen mich dann Regenwolken ein, die auch mehr Wind mitbringen. Am frühen Abend erreiche ich mein Ziel, die im Handbuch eingezeichnete im Bau befindliche Marina kann ich aber nicht finden. Ich gurke also langsam durch den weitläufigen Hafen, bis ich auf einer Betonpier ein kleines Männchen entdecke, das mir bedeutet hier soll ich hin. Das kommt mir nicht unlogisch vor, zumal eine andere Segelyacht dort schon liegt. Jetzt komme ich zu einer Premiere. Allein den Buganker auszubringen, dann mit dem Heck zur Pier fahren und dem Männchen eine Heckleine zu geben, da bin ich voll beschäftigt. Die ausgebrachte Kettenlänge ist zweimal zu kurz und ich muss jedes Mal wie ein Sprinter zwischen Vorschiff und Cockpit hin und her flitzen. Glücklicherweise habe ich moderaten Seitenwind, so dass das Manöver letztlich erfolgreich endet. Zur Erklärung für Nichtsegler: ein Boot mit einem langen Kiel fährt nicht gern rückwärts geradeaus. Entsprechende Korrekturen mit Vorwärts- Rückwärtsmaschine sowie geeignetes Ruderlegen muss ich durchführen.


Als die Santa Maria fest vertäut ist stellt sich heraus, es handelt sich um den Hafenmeister. Meine wichtigste Frage ist jetzt nach einem medizinischen Fachmann. Nachdem ich erklärt habe welcher Fachrichtung derjenige angehören sollte, greift der Hafenmeister zum Telefon, ruft einen entsprechenden Arzt an und verabredet gleich einen Termin für den nächsten Morgen. Er hole mich dann ab und fahre mich mit seinem Auto zum Hospital. So geschieht's und es geht lustig weiter. Der Hafenmeister kommt wie selbstverständlich mit ins Behandlungszimmer. Datenschutz oder ärztliche Schweigepflicht - wer will sich denn mit solchen Nebensächlichkeiten beschäftigen? Brav ist er immer an meiner Seite und managet auch das erforderliche Röntgen. Während ich auf dem Röntgentisch schmore, geht er schon mal die Bilder bezahlen. Noch eine Kuriosität: die Behandlung in einem öffentlichen Hospital ist kostenlos (hoffentlich nicht umsonst), für die zwei Röntgenfotos muss ich dagegen 9 € berappen. Zurück beim Onkel Doktor gibt's dann noch eine ausführliche Beratung, ein Rezept und einen guten Tipp für die Lösung meines Problems. Für die Arbeiten an Bord, die er mir nicht anraten kann, solle ich mir doch eine junge Frau an Bord holen. Zur Not auch eine Griechin. Ich kontere mit dem Hinweis, dass man in Deutschland für solch eine Äußerung 5 € in die Chauvikasse zahlen muss. Auf dem Rückweg fährt mein Chauffeur einen der umliegenden Berge hinauf und ich kann einen grandiosen Blick über die Bucht, den Hafen und den Ort genießen.


Kaum will ich mal etwas entspannen und mich maximal mit Fotografieren beschäftigen, schon ist wieder "Äktschen" angesagt. Ich hatte schon im Wetterbericht im Internet gesehen, dass in den nächsten Tagen mit Starkwind aus Südost zu rechnen ist. Die einzige Richtung, bei der die Santa Maria ungünstig liegt. Von drei Seiten rät man mir dringend mich an meinem Liegeplatz vom Acker zu machen. Erst ein französischer Segler, mit dem ich ins Plaudern gerate. Als nächstes ein einheimischer Fischer, der mit seinem Boot neben der Santa Maria liegt. Zum guten Schluss dann noch der Hafenmeister. Ich bin begeistert, weil das Hantieren mit Anker, Kette, Leinen und dann noch Maschinenmanöver allein eine echte Plackerei ist. Bei so viel Sachverstand kann ich aber logischerweise nicht widerstehen und plage mich den halben Nachmittag damit herum, bis alles wieder Chic ist. Jetzt kann der Wind kommen, wir liegen vor 70 m (!) Kette.



Impressionen von der Insel der Schwammtaucher




octopus

Octopussies auf der Leine zum Trocknen, bei Maria - Restaurantbetreiberin -





transportfahrzeug

Einen solchen Dreiradfahrer kann man für alle möglichen Transporte mieten.
Vorzugsweise wird er von Hausfrauen nach einem Großeinkauf im Supermarkt gemietet.



Kalimnos wird wider meine Pläne doch noch eine etwas längere Angelegenheit. Spontan entschließe ich mich, für elf Tage nach Berlin zu fliegen. Als ich dann zurück bin, die Santa Maria unversehrt vorfinde, hält mich hier nichts mehr. Erst auf Samos stelle ich fest, so ganz unversehrt ist die Dame in den besten Jahren nicht geblieben. Irgendein Zeitgenosse hat mir meine Steuerbordlaterne geschrottet. In Pythagoreio kann ich aber eine neue Lampe erwerben.


Auf nach Samos! Mit einem kleinen Zwischenstopp für eine Nacht auf der sehr einsamen Insel Agathonisi erreiche ich nach zwei Tagen Pythagoreio auf Samos. Im Vorhafen gehe ich vor Anker, wo bereits ein großer Katamaran aus Tortola, den British Virgin Islands, ein Engländer und ein Franzose liegen. Pythagoreio hieß bis 1955 Tigani. Dann wurde die Stadt zu Ehren des berühmten Philosophen und Mathematikers Pythagoras in Pythagoreio umbenannt. Seit 1988 steht ein Denkmal zu seinen Ehren auf der Hafenmole. Mein erster Eindruck vom Ankerplatz aus ist sehr positiv. Der kleine Ort hat ungefähr 9.540 Einwohner - ich kann sie natürlich vom Ankerplatz aus nicht alle sehen - und sieht aus der kleinen Distanz hübsch und gepflegt aus. Das wird nicht zuletzt an dem prosperierenden Tourismus liegen.



Denkmal für Pythagoras



Als ich am nächsten Tag mit dem Dingi an Land fahre, bewahrheitet sich der erste Eindruck. Es ist ein kleiner ruhiger Ort. Das Geschäftsleben spielt sich im Wesentlichen in einer Straße ab, die zum Hafen führt - oder von ihm weg - . Um den Hafen herum gibt es ausschließlich Tavernen, die wohl nicht unwesentlich von den anlegenden Seglern leben. Hier ist es auch einigermaßen quirlig. Das Stadtbild wird aber beherrscht durch die "Heilige Kirche der Verklärung Christi", die zwischen den Ruinen der frühchristlichen Basilika und der Burg von Lycourgos Logothetis erbaut wurde.



castle



(Die Kirche ) "ist das Wahrzeichen der Erfüllung des Gelübdes der samiotischen Freiheitskämpfer, aber auch eine unvergängliche Quelle der Tapferkeit, Beherztheit und Gottesgläubigkeit der heldenhaften Bewohner von Samos.
Nach dem Sieg in der Seeschlacht von Mykali und der wunderbaren Rettung der Insel am 6. August 1824, beschloss der Anführer des Freiheitskampfes den Bau der Kirche der Verklärung Christi als Zeichen der Anerkennung und der Dankbarkeit gegenüber dem Allmächtigen Gott, da er die griechischen Freiheitskämpfer begünstigt und zum Sieg gegen die Türken geführt hat. In der Widmung an diese Kirche verdeutlicht ihr Gründer seine ganze Ergebenheit.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die Begebenheiten zu dieser Zeit erschwerten die Erbauung der Kirche. So wurde erst am 27. Februar 1831 der Grundstein gelegt, zu einer Zeit, in der mit dem Londoner Protokoll von 1830 der Insel Samos trotz all ihrer Kämpfe der Anschluss an das neu gegründete griechische Königreich verwehrt wurde.
Lykourgos Logothetis selbst machte den Bauplan und fertigte aus Wachs ein Modell der Kirche, anhand dessen der aus dem kretischen Dorf Marathos stammende Baumeister Georgios Petros die Ausführungen der Bauarbeiten leitete. Und am 15. Juni 1833 war die Kirche dann fertig gestellt, "mit dem Segen der Geistlichkeit und Unterkünften für alle zum Fest geladenen." Die Hingabe und Liebe des Lykourgos Logothetis an diese Kirche blieb sein ganzes Leben lang unvermindert erhalten, und kurz vor seinem Tod im Jahr 1850 spendete er die 1000 Taler, die ihm von der samiotischen Verwaltung zustanden, für die Renovierung der Kirche.
Die Kirche, die vor wenigen Jahren vom Staat als historisches Denkmal anerkannt wurde, erhebt sich leuchtend zur Sonne und kündet bis heute vom unerschütterlichen Glauben des samiotischen Volkes an die nationalen und christlichen Ideale und bewahrt die geschichtliche Wahrheit mit der Bekundung von Lykourgos Logothetis : "Gott hat Samos am 6. August 1824 gerettet"
Das Fest der Verklärung Christi wird jedes Jahr als offizieller, lokaler Nationalfeiertag begangen. An diesem geschichtsträchtigen Tag kommen Samioten aus allen Teilen der Insel als ergebene Pilger in die Kirche der Verklärung Christi, und erweisen als Ausdruck ihrer Dankbarkeit an Christos dem Erlöser ihre Ehrerbietung an die Erinnerung an die heldenhaften, ruhmvollen Vorfahren, die sich die Verteidigung der hohen Ideale und die Befreiung der Heimat als höchstes Ziel in ihrem Leben gesetzt haben."
(Quelle: Internet "Copyright Text © 2006 Gemeinde Pythagorio Tel. 0030 273061389")



castle seaside

Castle of Lycourgus Logothetis von der Seeseite



restaurantangebot

Kleiner Verbesserungsvorschlag



Von Samos aus geht's jetzt nach Westen. Über die Insel Fournoi, wo ich eine Nacht vor Anker verbringe, segle ich nach Mykonos. Mit einer kleinen Nachteinlage erreiche ich den Süden der Insel morgens um 03.50 Uhr. Während ich noch bei ruhigem Wetter vor Anker gehe, weht es beim Aufwachen aus allen Rohren zwei Tage lang. Ich liege hier in einer Bucht mit einer weitläufigen Hotelanlage. Es scheint sich nicht um einen Ort mit Versorgungsmöglichkeiten zu handeln, deshalb, und weil eine Dingifahrt an Land eher einer Unterseebootfahrt ähneln dürfte, verbleibe ich auf der Santa Maria. Versorgungnotstand ist schließlich noch nicht angesagt. Am dritten Tag kann ich aber die 24 Seemeilen entfernte Insel Siros ansteuern. In einer schönen Segeltour erreiche ich den Hafen von Finikas nach sechs Stunden.


Finikas entpuppt sich als kleiner Ort, in dem es immerhin einen "Supermarkt" und einen Bäcker gibt. Der Bäcker ist sensationell. Hier kaufe ich die besten Brote seit langem und, für die Seele, ein riesengroßes Schokocroissant. Eigentlich will ich von hier aus zu der auch in Kurzdistanz liegenden Insel Kythnos. Ich habe mir eine gut geschützte Bucht, die allerdings auch wieder sehr einsam ist, ausgesucht. Als es dann morgens losgeht, ist der Wind hervorragend und die Wetterprognose für die ganze nächste Woche für uns allerdings miserabel. Nach recht kurzer Zeit haben wir die Länge von Kythnos erreicht, und ich entschließe mich spontan, weiter bis zum Peloponnes zu segeln. Als Ort habe ich mir Monemvasia ausgesucht, was eine weitere Nachtfahrt erforderlich macht. Nach weiteren 10 sm stellt der Wind leider seine Dienste ein, und ich habe die Wahl zurück zu fahren, oder mit der Maschine meinem Ziel entgegen. Ich entscheide mich für Monemvasia, vor allem auch wegen der ungünstigen Wetterprognose und der besseren Versorgung in dem kleinen Ort. Morgens um 09.08 Uhr fällt der Anker auf 16 m Wassertiefe und ich bin zwar hundsmüde aber zufrieden.



hafen finikas

Hafen von Finikas



finikas

Suuupermarkt in Finikas



Monemvasia liegt auf einem Felsen im Südosten des Peleponnes. Obwohl viel kleiner, ist der Felsen ein bisschen mit Gibraltar vergleichbar. Er ist ungefähr 300 m hoch und hat eine Länge von 1,8 km. Auf der Südseite gibt es die mittelalterliche, ummauerte Unterstadt und auf der Höhe eine Zitadelle, die aber seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt wird. Die Festung galt lange als uneinnehmbar. Obwohl hier noch 1821 die erste griechische Nationalversammlung tagte, versank der Ort in der Folgezeit bis zur Bedeutungslosigkeit. 1971 wurden noch 32 Einwohner gezählt. Nach 1980 setzte der Wiederaufbau der alten Stadt ein. Sie ist heute eine beliebte Wochenendresidenz für betuchte Athener. Die mittelalterlichen Gebäude werden sukzessive restauriert und manche werden zu Hotels umgebaut. Wenn man von See kommt, schmiegt sich der Ort sehr malerisch an den Felsen.



Mittelalterliche Unterstadt von Monemvasia



Bilder aus Monemvasia







cat



Nach drei Tagen an diesem pittoresken Ort will ich weiter. Ziel ist die kleine Insel Elafonisos, im Südosten des Peleponnes. Da ganz wenig Wind ist, wechsle ich immer wieder von Segeln auf Maschinenfahrt. Um 11.45 Uhr läuft die Maschine ruhig mit ca. 1500 U/Min, als plötzlich die Fahrt im Schiff immer weniger wird. Mir schwant Unheil. Nach einer Inspektion im Maschinenraum stelle ich fest, vier 10 mm Maschinenschrauben, die die Flansche zwischen Welle und Getriebe zusammenhalten sollen, sind abgeschert. Ich habe ein mittelgroßes Problem. Da bin ich gespannt, ob ich das selbst reparieren kann. In meinen Schraubenkisten suche ich schon mal nach einigermaßen passenden Schrauben. Hoffentlich wird die Welle nicht weiter nach hinten gedrückt, so dass gegebenenfalls der Propeller das Ruder blockiert. Das wäre ein klassischer Seenotfall, oder neudeutsch "worst case".


Zu allem Überfluss liegen wir im Moment bei dem schwachen Wind auch noch auf Legerwall (für nicht Seefahrer: der herrschende Seegang und das bisschen Wind drücken uns auf Land). Wir nähern uns dem südlichen Kap und wahrscheinlich durch den Kapeffekt verstärkt sich etwas der Wind. Wir können uns freisegeln und kommen gut ums Kap herum.


Den ganzen Nachmittag experimentiere ich mit segeln herum. Dann lasche ich zusätzlich das Dingi längsseits und versuche, mit 2,5 PS ein 10 Tonnen Segelboot zu bewegen. Bei absoluter Flaute und keinem Seegang bringt das zwischen 0,2 und 0,8 Knoten. Bei meinen begrenzten Benzinvorräten ist das Ende abzusehen. Ohne Wind geht hier Garnichts. Um 19.00 Uhr sind wir noch 3 sm von meiner Zielbucht entfernt. Am Nachmittag brauchten wir für 8,1 sm fünf Stunden. Aber es kommt noch eine kleine passende Abendbrise, die uns bis 20.50 Uhr an unseren Ankerplatz bringt. Uff!


Mit mir liegen hier noch ein deutscher Trimaran und ein österreichischer Einhandsegler. Die fahre ich mit dem Dingi an und schnorre nach passenden Schrauben. Sie sind aber beide deutlich schlechter sortiert als die Kisten auf der Santa Maria. Von dem Österreicher bekomme ich den Tipp, nach Kalamata zu segeln. Dort gäbe es eine Marina und sicher auch Hilfe für mein Problem. Kalamata ist 71 sm entfernt, also brauche ich Wind.

Den ganzen Vormittag wirtschafte ich herum. Mit ein paar Schrauben kann ich zwar die Flansche fixieren, aber sie sind so unpassend, dass ich die Welle nicht mehr drehen kann. Aber immerhin kann sie jetzt nicht mehr nach hinten rutschen.


Mit der Einsicht der relativen Nutzlosigkeit meines Tuns kommt der Entschluss, Anker auf zu gehen. Wir haben auch ganz guten Wind und ich setze das Großsegel und hole um 12.00 Uhr (high noon ?) den Anker ein. Die Odyssee beginnt. Bis Mitternacht habe ich mich mit 6 Wenden, z.T. auch wegen des wenigen Windes Halsen, etwas meinem Ziel genähert.


Der folgende Tag beschert mir 7 weitere Wenden und es bricht die zweite Nacht herein. Komme mir vor wie eine Schnecke. Manchmal ist der Wind ganz weg und wir treiben zurück. Das ist äußerst frustrierend.


Der dritte Tag ist für meine Nerven der aufreibendste. Es ist so gut wie kein Wind. Den ganzen Tag über sehe ich mein Ziel schon, komme aber kaum näher. Wenn ich zurück treibe, würde ich gern ankern. Bei um die 800 m Wassertiefe ist das aber nicht möglich. Irgendwann am Abend bin ich für ein Funkgespräch mit der Marina nahe genug. Das Office ist aber nicht mehr besetzt und der security man hat wohl nur ein Handsprechfunkgerät und ich kann ihn kaum verstehen. Das einzige ist, er vertröstet mich auf Morgen. Na, schönen Dank.


Ich beschließe mit mir, vor dem Hafen zu ankern. Dazu muss ich aber wenigstens auf die 20 m Wassertiefenlinie, besser auf 10 m. Ich setze also nochmals Groß und Fock, um besser manövrieren zu können. Der Schwell ist aber zu groß und der Wind zu schwach, damit mein Manöver erfolgreich werden kann. Mittlerweile ist es stockfinster. In der Nähe geistert ein Motorboot herum. Ich morse es mit einer Lampe an und der Bootsführer reagiert tatsächlich. Er will mir auch helfen und nimmt meine Schleppleine. Es gibt aber über den Ort, wohin er mich schleppen soll, ein Missverständnis. Er ist ein einseitig orientierter Muttersprachler und so ist unsere Konversation ziemlich holprig. Da ich immer dazwischen quatsche wird er nach einer Weile wütend und will mir meine Leine zurück geben. Ich lenke ein. Dann schleppt er mich in den commercial harbour, und tatsächlich, hier kann ich im Vorhafen sehr komfortabel und geschützt vor Anker gehen. Der Knabe möge mir im nach hinein verzeihen. Er war "a good guy". Obwohl ich jetzt seit 63 Stunden auf den Beinen bin, habe ich noch den Nerv, an Deck und in der Plicht aufzuklaren. Vermutlich sind die Sinne schon ein bisschen überreizt. Nachdem ich aber fertig bin, eine Kleinigkeit gegessen und getrunken habe, falle ich in einen komaartigen Schlaf.


Am anderen Tag fahre ich mit dem Dingi, vermutlich mit den letzten Tropfen Benzin, zur Marina, wo Hilfe für mich organisiert wird. Es waren von Elafonisos bis nach Kalamata 71 sm direkter Weg. Durch die Kreuzerei wurden daraus 127,7 sm.


Der zweite Akt der Geschichte: John, wie man mir hier versichert, der engineer mit dem besten Ruf vor Ort, kommt mit einem Mitarbeiter zum Hafen und ich bringe den Mann fürs Grobe an Bord. Er bringt auch, nach meiner Beschreibung, die passenden Schrauben mit und begibt sich ans Werk. Immer wieder stöhnt er, wie eng es in Maschinenräumen von Segelyachten zugeht, er ist aber letztlich erfolgreich und ich brauche keine Schlepperhilfe. Gemeinsam fahren wir die kurze Strecke hinüber zur Marina. Dort eröffnet mir John, die 4 elastischen Motorlager müssten ausgetauscht werden, da sich ansonsten das Schicksal der Flanschverbindungen recht schnell wiederholen kann. Dazu müsse die Santa Maria aber aus dem Wasser, was am nächsten Tag geschieht. Am frühen Nachmittag erscheint John mit seiner Gang. Nunmehr bringt er zusätzlich ein schmales Kerlchen aus Bangladesch mit, das hinter die Maschine krauchen soll. Er hat ihn extra unter der Maßgabe beschäftigt, dass er keinesfalls über 50 kg wiegen darf. Und tatsächlich, einer Schlange gleich, krabbelt er durch den schmalen Spalt zwischen Motor und Seitenwand. Bei dem Versuch, 8 Schrauben aus dem Fundament zu lösen, müssen die Männer letztlich mit einem pressluftgetriebenen Gerät arbeiten. Bei dieser Aktion werden von 4 Schrauben die Köpfe abgerissen. Nun wird's ernst. Die im Fundament steckenden Restschrauben müssen ausgebohrt werden und dazu muss die komplette Maschine ausgebaut werden. John telefoniert schon mal einen Kran heran und dann geht alles recht fix. Im Nu ist das Maschinchen draußen und die Männer lassen mich mit den Reinigungsarbeiten des gesamten Maschinenraums allein. Recht geschieht mir.


Zwei Dinge sind für mich überraschend und positiv. Erstens ist der Hauptmonteur äußerst penibel mit dem was er tut, und zweitens ist die Maschine nach eineinhalb Tagen wieder eingebaut. Nur das Wochenende verhindert ein sofortiges zurück ins Wasser. Die verbleibende Zeit nutze ich deshalb dazu, Antifouling auf Unterwasserschiff aufbringen zu lassen und ich habe nun die Chance, mir Kalamata anzusehen. Außerdem habe ich nunmehr (hoffentlich) keine Probleme, meinen Termin am 8. Juni in Lixouri einzuhalten.



john the emgineer

John, the engineer



bangladeschi

Der unter 50 kg Mann



hauptmaschine

Da kommt das Maschinchen



fundament

Statt den Motor mit Niroschrauben im Aluminiumfundament zu befestigen, was wegen der unterschiedlichen Metalle zwangsläufig zu Korrosion führt, wurden nunmehr Gewindestangen ins Fundament geschraubt und von oben wird nur mit einer Mutter gesichert. Somit ist sichergestellt, dass beim nächsten Mal der Ausbau des Motors komplikationsloser vonstatten gehen wird. Wie meinte der Monteur mit seinem holprigen Englisch "not German, it's Greek system". Kleine Stichelei gegen die alles besser wissenden Deutschen.


28. Mai - Hurra, wir schwimmen wieder!



© Rüdiger Kreutschmann


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