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Juli/August 2011 Mallorca - Sizilien - Malta - Kreta

Dreiundzwanzigster Brief


Eineinhalb Monate bin ich allein auf den Balearen. Meine Basisstation heißt Port d'Andratx. Von hier aus starte ich meine Unternehmungen. Da die Balearen weitgehend bekannt sind, beschränke ich mich hier auf wenige Informationen.



villa italia

"Villa Italia", die ich zufiedenstellend für's Internet anzapfen kann


Es ist schon bemerkbar, dass Mallorca als das "17. Bundesland" benannt wird. Deutsche Residenten und Touristen aller Orten. Ein Inselradio in deutscher Sprache, welches den ganzen Tag sendet, von dem man aber spätestens nach drei Tagen die Nase voll hat - es sei denn, man interessiert sich für das ewige Gequatsche über A-, B- und C-Promies, die sich hier aufhalten sollen. Lebensmittelangebote, die sich am deutschen Geschmack orientieren; ich habe hier wirklich nicht das Gefühl, in Spanien zu sein.



Als Wetterphänomen sind hier ausgesprochen regelmäßige Wechsel zwischen Land- und Seewind zu beobachten. Der Landwind weht meist bis morgens um 10.00 Uhr, dann dreht er und kommt bis zum Abend von See.



reede

Santa Maria in Port d'Andratx


Nachdem ich hier im Laufe der Zeit sieben Ortswechsel vorgenommen habe, mal vor eigenem Anker, mal an verschiedenen Muringbojen, soll jetzt eine gute Woche vor dem Erscheinen meiner beiden Mitsegler Johannes und Andreas ein fester Liegeplatz her. Auf Anraten eines deutschen Seglers lege ich mich an eine Muring, die einem Schweden gehört haben soll, der sich in die Heimat aufgemacht hat. Am nächsten Abend erscheint ein Boot der Port Authority. Sie drücken mir ein Formular in die Hand, das ich ausfüllen soll. Sie würden es wieder abholen. Sie holen es wieder ab, ohne weitere Erklärung. Ich denke: "warteste mal". Einen Abend später kommen zwei andere Authorities und geben mir erneut ein Formular (das gleiche) in die Hand. Sie würden es wieder abholen. Einen Tag später holen sie es tatsächlich ab mit dem Hinweis, ich solle doch mit den Schiffspapieren, Pass und Versicherungsnachweis zum Hafenoffice kommen. Da ich nach meiner Meinung erstens EU Bürger bin (von wegen Freizügigkeit) und zweitens an einer privat ausgelegten Muring liege denke ich "warteste mal ab" was passiert. Es kommt das Wochenende und ich habe meine Ruhe vor der Staatsmacht. Am Montag dann erneuter Besuch, mit aufdringlichem Geklopfe an der Santa Maria. Jetzt bemängeln sie zusätzlich, ich würde bei bestimmten Windrichtungen in die Fahrrinne hineinragen. So Unrecht haben sie natürlich nicht und es siegt in mir der staatstreue Untertan.



Am nächsten Morgen, bereits um 06.00 Uhr, fange ich an zu wirtschaften. Die Muringleine befestige ich am Heck und verlängere sie gehörig. Dann fahre ich in einem günstigen Winkel zur Fahrwassertonne voraus und lasse den Anker fallen. Jetzt treibt mich der Wind wieder achteraus, bis ich die Muringleine ganz kurz am Heck habe. 35 m Ankerkette sind draußen und es hat den Anschein, als würde die Santa Maria so gut vertäut liegen. Ich werde das bei wechselnden Windrichtungen, die hier dauernd passieren, beobachten. Kurzes Frühstück, Körperpflege, dann ist es Zeit zur Obrigkeit zu fahren.



mallorquinische boote

Typische mallorquinische Boote


Ein Offizieller bemüht sich, meine Daten in einen Computer einzutippen. Er muss vor drei Tagen dem Analphabetismus entronnen sein, denn er hat ungeheure Schwierigkeiten mit dem was er wohl tun soll. Ein jüngerer Kollege steht hinter ihm und gibt gute Ratschläge. Mit diesem kann ich auch verhandeln, denn er spricht englisch. Sie wollen tatsächlich Geld für die Nutzung einer privaten Muring. Ich soll für den ganzen Monat Juni bezahlen, kann ihn aber auf einen halben Monat herunterhandeln. Nachdem er mir erklärt, ich müsse pro Tag 5 € bezahlen, muss ich doch innerlich lächeln. Dafür der Riesenaufwand. Wenn ich überschlage: dreimal zwei Männer, jeweils mit einem Boot, mehrfach Durchschlagformulare, der Bedienstete, der ohne Hilfe nicht arbeiten kann - und dafür zahle ich dann 75 €. Sie sollten den Quatsch lassen und sich auf die Einhaltung der Ordnung im Hafen beschränken. Für Service und Geldverdienen gibt es hier den privaten Club de Vela, in dem ich allerdings pro Tag 45 € zahlen müsste. Ausgewiesene freie Ankerplätze sollten dem Transitreisenden auch frei zur Verfügung gestellt werden.



Ein kleines Problem tut sich mit der Wasserversorgung auf. Mein Verbrauch ist relativ hoch und ich kann nicht bequem am Steg nachtanken. Also schaffe ich ungefähr 800 Liter Wasser in 5 Ltr. Kanistern mit dem Dingi an Bord. Eine elende Plackerei.



wetter



Ende Juni neigt sich mein Aufenthalt dem Ende zu. Zuerst erscheint Johannes, dann einen Tag später Andreas und bereits am nächsten Tag, am 2. Juli, starten wir Richtung Sizilien. Fünf Tage benötigen wir für die Strecke nach Sizilien. Die negative Prognose anderer Segler, wir würden die Strecke weitgehend mit dem Motor zurücklegen müssen, bewahrheitet sich glücklicherweise nicht. Die ersten eineinhalb Tage segeln wir hoch am Wind, aber bei moderaten Windverhältnissen. Ende des zweiten Tages, morgens um 06.30 Uhr, überfällt uns eine Sturmböe mit 42 Knoten heißem Wind aus Afrika. Die gerade erst reparierte Genua kann ich nicht schnell genug bergen, sie wird somit Opfer dieses Wetterausreißers. Später, auf Sizilien, stellen wir fest, sie hat strukturell so schwere Schäden, dass eine weitere Reparatur nicht mehr lohnt. Insgesamt haben wir bei 535 sm zwischen Port d'Andratx und Castellammare del Golfo (im Nordwesten Siziliens) einen Segelanteil von 68,8%. Damit kann man leben. Unsere Etmale bewegten sich immer um 100 sm.




nw sizilien

Annäherung an Sizilien


In Castellammare kommt uns mit dem Motorboot eine junge Señora entgegen, die uns an einen freien Liegeplatz lotst. Für 40 € pro Nacht können wir hier liegen, allerdings ohne Sanitäranlagen. Dafür kann ich kostenlos ins Internet. Es soll auf Sizilien die einzige Möglichkeit bleiben, mit dem eigenen Laptop eine Internetverbindung herzustellen. Wir sind in der Folge noch in Trapani und Licata, im Vorhafen von Marsala, in Porto Palo und in Syracusa, nirgends gibt es WIFI. Die Infrastruktur für Segler ist auf Sizilien sehr ausbaufähig.



Zuerst also Castellammare. Ein zauberhafter Ort, an einem Hang gelegen. Zu unserer Überraschung gibt es hier keinen Supermarkt, sondern ausschließlich "Tante Emma Läden". Hier können wir Obst und Gemüse von ausgezeichneter Qualität zu kleinen Preisen erwerben. In einem kleinen Fleischerladen wird Fleisch aus der Region verkauft. Kein Vergleich zu deutschem Industriefleisch. Fisch allerdings kann man vergessen. Das Mittelmeer scheint so leer gefischt zu sein, dass die Fänge der Fischer kaum über Sprottengröße hinauskommen.



castellamare

Castellammare del Golfo


tomaten

Nach dem Trocknen eingelegt, schmecken die Tomaten hervorragend


Nach zwei Tagen geht's weiter. In Trapani, an der Westküste Siziliens erleben wir unsere nächste Preisüberraschung. 65 € für die Nacht, Duschen die kaum ihren Namen verdienen, aber Strom und Wasser am Steg. Meist wird jetzt direkt am Steg geduscht. Man möchte es zweihundertmal am Tag machen, denn die Hitze des Sommers hat uns voll im Griff. Überraschender Weise kann man es über Mittag ganz gut in der Stadt aushalten. Hohe Häuserfluchten bieten Schatten und bei einem kühlen Bier oder italienischem Eis kann man gut überleben. Johannes fährt von hier aus mit einer schon als historisch zu bezeichnenden Eisenbahn nach Palermo, um am nächsten Tag von dort zurück in die Schweiz zu fliegen.



dreirad

Das dreirädrige Auto ist auf Sizilien weiterhin beliebtes Transportmittel



fischer

Fischer bieten morgens um 06.00 Uhr ihren spärlichen Fang an


netzflicker

Trotzdem: business as usual



Mit Andreas segel ich weiter nach Marsala. Der Wind weht dort ablandig aus dem Hafen heraus, so dass wir ganz kommod im Vorhafen vor Anker gehen können. Wir verbringen hier eine Nacht und weiter geht's. Die Südküste Siziliens entlang trägt uns der Wind nach Licata. Wieder kommt uns ein Schlauchboot entgegen und der Typ will uns in eine nagelneue Marina lotsen. Nach meinen Unterlagen war dieser Teil des Hafens noch als Ankerplatz ausgewiesen. Ich zeige dem Schlauchbootfahrer meine Skepsis und nun macht er einen entscheidenden Fehler. Er zeigt mir eine Preisliste der Marina. Daraufhin gebe ich ihm zu verstehen, dass wir uns erst einmal in dem großen Hafen umschauen wollen. Enttäuscht zieht er von dannen. Auf der anderen Seite des Hafens finden wir dann einen kleinen Steg, an dem wir für zweidrittel des Marinapreises festmachen können. Wieder keine Toiletten und keine Duschen. Man fragt sich hier wirklich, was die Italiener für Vorstellungen von Yachtinfrastruktur haben. Vom Preisniveau können sie aber mit Häfen an der Riviera mithalten.



sm in licata

In Licata improvisieren wir eine Gangway aus meiner Arbeitsleiter


Wir bleiben drei Tage und schauen uns ausgiebig den Ort an. Alles ist sehr ursprünglich. Enge Gassen mit Mietshäusern, die einen morbiden Charme verströmen. Die Metallbalkone sind rostig, der Putz fällt von den Wänden, aber aus den Wohnungen ist viel Leben zu hören. Touristen sieht man hier kaum und wenn, dann meist italienische Touristen. Abends gibt es einen kleinen Rummelplatz, auf dem an verschiedenen Stellen Karaoke angeboten wird. Die italienischen Töchter flanieren, zeigen sich und was sie zu bieten haben.



Zuerst wollen wir hier bleiben bis Lars kommt. Da wir aber noch viel Zeit haben entscheiden wir, doch noch weiterzufahren. Unser Ziel soll die alte Stadt Syracusa sein, die auf der Ostseite der Insel liegt.



fisch

Traurige Beute aus einem großen Meer


Auch in Syracusa ist die Marinasituation nicht nach unseren Vorstellungen. Also legen wir uns, wie fast alle Transityachten, in dem ausgedehnten Ankerfeld vor unser Grundeisen. Mit dem Dingi können wir hinter einer Polizeistation festmachen und von dort aus Bäcker und Supermärkte erreichen. Was will man mehr?



Syracusa ist eine alte Stadt, die von der UNESCO 2005 zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Bereits um 1400 v. Chr. war die Gegend von Syracusa besiedelt. In der Nähe lagen Sumpfgebiete, und deshalb nannte man es "Syrakka" (Sumpf).



syracusa

Syracusa


"734 v. Chr. gründeten griechische Siedler aus Korinth auf der Insel Ortygia die Stadt Syrakusai (), die sich rasch auf das Festland ausdehnte und zur größten und mächtigsten Stadt des antiken Siziliens entwickelte.



Unter der Herrschaft von Tyrannen gelang es mehrere Jahrhunderte, sich den Angriffen fremder Eroberer zu widersetzen und die eigene Vormachtstellung auszubauen. Auch wissenschaftlich und kulturell spielte Syrakus eine bedeutende Rolle. Platon lehrte hier Philosophie und Archimedes entwickelte Kriegsmaschinen zur Verteidigung der Stadt.



Erst 212 v. Chr. gelang es den Römern Syrakus einzunehmen, wobei auch Archimedes bei der nachfolgenden Plünderung umkam. Die Stadt wurde nun Provinzhauptstadt der ersten römischen Provinz. Nach dem Untergang Roms eroberten um 450 die Vandalen die Stadt und 535 fiel sie für über drei Jahrhunderte an das oströmische Reich. Unter Kaiser Konstans II wurde Syrakus an Stelle Konstantinopels von 660 bis 668 sogar dessen Regierungssitz.



Als im 9. Jahrhundert die Araber Sizilien eroberten und 831 Palermo zur neuen Hauptstadt ausbauten, verlor Syrakus nach und nach seine Vormachtstellung. 878 wurde es von arabischen Truppen eingenommen und blieb bis ins 11. Jahrhundert ein Zentrum des Islam in Italien.



1038 fiel Syrakus unter die Herrschaft des byzantinischen Generals Georg Maniakes, ab 1086 unter die Herrschaft der Normannen, ab 1221 unter die Herrschaft von Kaiser Friedrich II aus dem Haus der Staufer. In den folgenden Jahrhunderten bestimmten Anjou, Aragon, Savoyen, die Habsburger und die spanischen Bourbonen die Geschichte der Stadt.



1693 zog ein verheerendes Erdbeben im Val di Noto auch Syrakus in Mitleidenschaft. Viele der zerstörten Bauwerke wurden im Stil des Barocks wieder aufgebaut. Nach der Vereinigung mit Italien im Jahr 1861 wurde Syrakus 1865 zur regionalen Hauptstadt erklärt. Heute ist Syrakus Italiens viertgrößte Stadt und wichtiger Industriestandort, Umschlagplatz für landwirtschaftliche Produkte und bedeutendes Touristenzentrum." (Quelle: Wikipedia)



löschflugzeug

Ein Löschflugzeug holt Wasser aus der Bucht, wegen der immer wieder aufflammenden Brände


Im zweiten Weltkrieg wurde Syracusa sowohl von den Deutschen als auch von den Alliierten bombardiert und schwer beschädigt. Die Altstadt drohte zu verfallen. Seit 1990 gibt es aber umfangreiche Sanierungsarbeiten. Der Eindruck ist, es gibt viel Leerstand und es muss noch sehr, sehr viel getan werden.



romeo e giulietta

Etwas Kultur muss auch mal sein

OPEN AIR BALLETT "ROMEO E GIULIETTA" IN SYRACUSA



Bevor Langeweile aufkommt, erscheint Lars und Andreas heuert ab. Mit Lars segle ich dann in einem guten Tag nach Valetta auf Malta. Einen Tag nach unserer Ankunft schwebt auch Caro ein und wir sind für Malta komplett.



msida

Einfahrt nach Msida (Valetta)


Wir liegen in der Msida Marina hinter einem breakwater. Es gibt keinerlei sanitäre Versorgung. Nur wenige Liegeplätze stehen zur Verfügung und wir können von Glück sagen, den letzten Platz noch ergattert zu haben.



Ein wenig erkunden wir Valetta. Ich habe noch keine Stadt gesehen, die so komplett ihre alte Bausubstanz bewahrt hat. Der große Leerstand in der alten Stadt erklärt sich für mich dadurch, dass nordwestlich des alten Valetta in Sliema ein Neubauviertel entsteht, in das vermutlich viele Malteser wollen.



tritonenbrunnen

Am Tritonenbrunnen in Floreana (Valetta)



birgu

Birgu (Valetta) mit Teilansicht der Marina von Camper & Nicholsons



hafenrundfahrt

Hafenrundfahrt gefällig?



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Liebste Abendbeschäftigung der älteren Malteser - auf der Bank am Hafen sitzen und palavern



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Viel Leerstand in der schönen alten Stadt


Wir entschließen uns, einmal Malta mit dem Boot zu umrunden. Dabei kann Caro gleich testen, ob die Seefahrt etwas für sie ist. Unser erster Hafen ist Marsaxlokk, den wir bereits nach 4 ½ Stunden segelnd erreichen. Gleich am Eingang der Bucht ist linker Hand ein großer Containerterminal. Hier können selbst die großen Pötte, die in der weltweiten Fahrt unterwegs sind, festmachen. Als wir tiefer in die Bucht hineinfahren erleben wir ein Kontrastprogramm, wie es nicht größer sein könnte. Vor dem Ort gibt es ein ausgedehntes Ankerfeld von kleinen bis kleinsten Fischerbooten. Hier können wir die typischen bunten Fischerboote bewundern, die fast alle liebevoll gepflegt werden. Nach einigem hin und her entschließen wir uns, nicht an eine freie Muring zu gehen, sondern vor eigenen Anker. Schnell ist das Dingi einsatzbereit und einem ersten Erkundungsgang steht nichts im Wege - nicht mal der Außenborder, der nun schon seit Anfang der Saison zuverlässig seine Dienste tut. Der Ort selbst ist dann doch einigermaßen enttäuschend. Auch der Markt, der einmal wöchentlich stattfindet, ist entgegen der Angaben im Reiseführer eine reine Touristengeschichte. Die angepriesenen Fischstände, an denen sich angeblich die Gourmets der Insel versorgen, sind schlichtweg Käse. Der Fisch aus der Region kann einem Leid tun, dass er bereits bei dieser "Größe" auf den Markt kommt. Alles was etwas größer ist, kommt tief gefroren von weit her.



lars

Lars näht das Großsegel


Mit dem Dingi erkunden wir die an der Nachbarbucht liegende Ortschaft Birzebbuga. Da es uns hier etwas besser gefällt, entscheiden wir uns für einen Ortswechsel. In Birzebbuga können wir an einem Fest teilnehmen, das zu Ehren irgendwelcher Heiligen gefeiert wird. Dabei fällt uns das Geknalle auf, welches bereits den Tag über stattfindet. Auch an anderen Orten auf Malta erleben wir dies. Die Malteser scheinen einen Riesenspaß an Knallkörpern zu haben, es soll hier auch eine nennenswerte Industrie für diese Erzeugnisse geben. Die Versorgung mit Lebensmitteln dagegen ist dürftig. Da die Läden auch am Montag noch weitgehend geschlossen sind, gehen wir nach einem Minieinkauf Anker auf.



fischerboot

Liebevoll gepflegtes maltesisches Fischerboot



pretty bay

"Pretty Bay" von Birzebbuga in Nähe des Containerhafens von Marsaxlokk



sm vor anker



Über die Golden Bay, in der wir eine Nacht verbringen, kommen wir anderntags wieder auf die Nordseite der Insel. In der St. Pauls Bay haben wir eine unruhige Nacht, weil durch starken Westwind eine kurze steile Welle entsteht und außerdem eine Menge Grundschwell vom offenen Meer in die Bucht steht. Am anderen Morgen stellen wir fest, dass sich ein Schraubschäkel für die Befestigung des Dingis gelöst hat und das Dingi auf Drift gegangen ist. Lars und ich peilen die Lage und vermuten das Dingi in oder hinter einem Bojenfeld. Es ist dort sehr eng und ich muss vorsichtig zwischen den Booten manövrieren. Lars springt kurzerhand über Bord und schwimmt an Land. Dort hat bereits ein Einheimischer das Dingi mit einer Leine gesichert und Lars kann es übernehmen. Schwimmend kommt er, mit dem Dingi im Schlepp, wieder auf die Santa Maria zu. So weit es geht, manövriere ich ihm entgegen. Nachdem das Dingi wieder am Mutterschiff ordentlich vertäut ist rollen wir das Vorsegel aus und segeln gemütlich zurück nach Valetta. Die Umrundung Maltas war ganze 46,4 sm lang.



Caro hat sich entschieden, die Überfahrt nach Kreta nicht mitzusegeln. Lars fliegt mit ihr aus Solidarität voraus und wir wollen uns auf Kreta wieder treffen.



In Msida bekommen wir diesmal keinen Liegeplatz; es ist alles belegt durch eine Gruppe italienischer Bootstouristen. Aus diesem Grunde machen wir zuerst in einem Bojenfeld zwischen zwei Murings fest. Einen Tag später gehen wir aber in den Grand Harbour und dort in die piekfeine Marina von Camper & Nicholsons. Jetzt haben wir für ein paar Tage eine ordentliche Adresse, so dass Refik und Andreas uns gut erreichen können. Sie treffen verabredungsgemäß im Abstand von drei Tagen ein. Dann wird es Zeit für Caro und Lars, ihren Flieger nach Kreta zu erreichen. Mit meinen beiden Mitseglern starte ich einen Tag später. Unser Ziel ist die Marina of Agios Nikolaos (Ag'Nik) im Nordosten Kretas.



Für beide ist es das erste Mal, dass sie nonstop eine Strecke segeln, die ca. 550 sm lang ist. Wenn ich mit 100 sm pro Tag kalkuliere, benötigen wir fünfeinhalb Tage. Mal sehen.



Die 100 sm schaffen wir leider nicht, sind aber dicht dran. Unsere Einzelwachen klappen gut und so sind wir letztlich, wie vorhergesagt, einigermaßen pünktlich vor Kreta. Unser Segelanteil beträgt diesmal 60 %. Also immer noch mehr, als ich befürchtet habe.



Lars meldet sich mit einer sms. Meiner Bitte, im Hafen schon einen Liegplatz klar zu machen, entspricht die Marinaverwaltung leider nicht. Wir sollen erst einmal kommen. Als ich mich dann über UKW melde, geht alles recht einfach. Ein Marinero sowie Lars nehmen unsere Leinen wahr und ich kann feststellen: diesjähriges Ziel erreicht.



Vor die Entspannung hat die griechische Bürokratie aber erst einmal einen Hindernissparcour aufgestellt, den ich zusammen mit Lars abreite. Es beginnt im Hafenbüro, was ich noch als normal empfinde. Von dort werden wir zum Büro der Port Authority geschickt. Hier kommen wir aber nicht sofort zu Potte, sondern müssen erst quer durch die Stadt zum Tax Office. Nach Zahlung von 29,90 € können wir zurück zur Port Authority. Hier stellt man mir jetzt ein Permit aus, das ich in jedem griechischen Hafen beim Ein- sowie beim Ausklarieren vorlegen muss. Es handelt sich um ein aus starkem Karton gefertigtes mehrseitiges Exemplar (natürlich größer als DIN A 4), in dem es viele Felder für viele Stempel gibt. Ob dies nach EU Recht zulässig ist, lasse ich mal offen. Auf jeden Fall nährt sich hier einmal mehr die zurzeit so oft kritisierte Bürokratie des europäischen Sanierungsfalles.



windmühlen



lars

Lars' Kampf mit den Schnecken



Der alte Zacharias, in dessen Gartenlokal wir eingekehrt sind, erklärt uns seine Schnapsbrennerei



Nachdem alle Hürden genommen sind, segeln wir noch nach Sitia. Hier gefällt es uns ganz gut und ich kann mit Hilfe von Lars und Refik endlich mein Gasproblem lösen. Es entspricht zwar nicht ganz deutscher Gasnorm, aber ich kann jetzt griechische Gasflaschen anschließen. Als wir zurücksegeln, bei Wind zwischen 5 und 7 Bf. reißt auch ein weiteres Vorsegel. Das sieht nach einer generellen Neuorientierung für die Garderobe der Santa Maria aus, zumal wir auch das Großsegel unterwegs schon von Hand nachnähen mussten.



Bevor wir nach Ag'Nik zurückfahren, machen wir noch einen Abstecher nach Spinalonga. In einer zauberhaften Bucht gehen wir vor Anker und liegen hier gut und sicher. Nachdem Refik bereits in Sitia abgeheuert hat, sind nun Caro und Lars dran. Andreas und ich bringen einen Tag später die Santa Maria in ihr Winterlager.



AGIOS NIKOLAOS



© Rüdiger Kreutschmann


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