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Cadiz 2010

Zwanzigster Brief


Flughafen Berlin Tegel. Es ist der 25. August 2010 - wir fliegen nach Portugal. Fast fünf Monate dauerte mein Zwangsaufenthalt in Berlin. Zum Schluss wurde die Sehnsucht nach dem Wasser immer größer. Lars und ich wollen die Santa Maria wieder flott machen und mal sehen, vielleicht können wir in den drei Wochen, die uns zur Verfügung stehen, noch einen kleinen Törn segeln.



Die Akteure

lars

Lars



rüdi

Rüdi



Wieder einmal bummeln wir mit der Bahn von Faro nach Lagos. Es geht durch Orangen- und Zitronenhaine. Nach zwei Stunden erreichen wir Lagos, und in wenigen Minuten sind wir bei Sopromar, wo wir die Santa Maria bereits auf dem abgezäunten Gelände stehen sehen. Seit Monaten hat es hier nicht mehr geregnet. Eine dicke rotbraune Staubschicht bedeckt die Santa Maria. Dann ein kleiner Schock. Die Männer von Sopromar haben den Bugspriet, wie vereinbart, neu verschweißt, sie habe auch neue Positionslaternen angebracht, nur leider haben sie vergessen neues Teak zu verlegen. Im Büro verspricht man mir, gleich am nächsten Tag würde ein Tischler die Sache in Angriff nehmen. Zweieinhalb Tage benötigt der gute Mann, bis zu meiner Zufriedenheit auch diese Arbeit erledigt ist.



bugspriet



In der Zwischenzeit sind wir auch nicht untätig. Lars wechselt als erstes ein defektes Ventil im WC Raum aus. Einen Schiffsmechaniker an Bord zu haben ist schon Goldes wert. Allein hätte ich wahrscheinlich Sopromar mit der Arbeit beauftragt. Als nächstes wird der Rumpf poliert und das Unterwasserschiff neu gestrichen. Lars erledigt dabei den größten Teil der Arbeit. Ich muss leider feststellen, die alten Kräfte sind noch lange nicht wieder da.

Am Wochenende sind wir mit der Arbeit fertig, und am Montag kann die Santa Maria zurück in ihr Element. Alles verläuft zu meiner Zufriedenheit. Das neue Ventil ist dicht, die Maschine springt ohne zu mucken an, und so können wir zum Bunkern die Marina de Lagos anlaufen. Nachdem auch das erledigt ist, wollen wir nach Cadiz segeln.



lars

Lars bei der Körperertüchtigung



Das Wetter ist sommerlich, 30°C Lufttemperatur, Sonne ohne Ende, leider kein Wind. Der Traum von einem schönen Segeltag zerplatzt im monotonen Gebrumm des Dieselmotors. Der Kurs von 108° nach Cadiz führt uns dicht an der Lagune vor Faro vorbei. Da wir keine Lust haben, auch noch die ganze Nacht zu motoren, ist nach 40 sm Schluss. Wir gehen vor Culatra vor Anker.



faro

Ausfahrt aus der Lagune vor Faro



Erst spät am nächsten Vormittag geht es weiter. Die ersten 10 sm erneut mit Maschine, um 12.20 Uhr können wir dann endlich die Segel setzen. Es wird ein schöner Segelnachmittag und -abend. Bis kurz vor Mitternacht hält der Wind durch. Nachdem letztlich die Fahrt unter 2 Knoten absackt, starten wir für die letzten Meilen den Motor. In einer kleinen Bucht neben dem Puerto Cherry fällt morgens um 05.00 Uhr der Anker. Nach kurzem unruhigen Schlaf wegen des Schwells fahren wir am Vormittag die wenigen Meilen hinüber zum Puerto America von Cadiz. Seit meinem letzten Aufenthalt hat sich hier nichts wesentlich verändert.

Die nächsten zwei Tage stromern wir durch die Altstadt von Cadiz. Natürlich besteigen wir den Torre Tavira. Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick über die Stadt. Das Geklicke der Kameras um uns herum will nicht enden. Auch wir drücken die Auslöser und kommen zu schönen Fotos. Nach der Fotosession nehmen wir an einer Vorführung der Camera Obscura teil. Die launigen Worte und Gesten der Führerin erheitern die kleine Schar der Teilnehmer.



Cadiz vom Torre Tavira

altstadt 1



altstadt 2



altstadt 3



Das Amphitheater können wir wegen Bauarbeiten leider nicht besichtigen. Stattdessen betreten wir die "moderne" Kathedrale mit ihren zwei Türmen aus dem 18. Jahrhundert. Sie verbindet Barock mit neoklassizistischem Stil. Der Innenraum ist stark gegliedert mit etlichen Nebenräumen. Gegenüber der Kathedrale steht die Iglesia de Santa Cruz, die alte Kathedrale, die im gotischen Stil erbaut wurde.



Kathedrale 1

Türme der "neuen" Kathedrale



kathedrale 2

Kathedrale vom Torre Tavira aus gesehen



Die typischen Altstadtstraßen sind eng mit hoher Bebauung. Sie sind nicht etwa für den Verkehr gesperrt, sondern es werden zügig (!) mit Motorroller oder dem Auto die Fußgänger erschreckt. Ein kurzes Hupen an der Kreuzung, vielleicht auch ein schneller Blick in die überall vorhandenen gebogenen Spiegel, und schon geht die wilde Fahrt weiter. Die Spanier - sie können es halt.

Abends finde ich die Tapasbar wieder, in der wir schon vor zweieinhalb Jahren hervorragend gegessen haben. Die Augen sind mal wieder größer als der Magen. Beim Nachtisch müssen wir uns schon gehörig quälen.



altstadtstraße



tapas



Am nächsten Tag segeln wir die 5 sm zum anderen Ende der Bucht und besuchen die Kleinstadt Rota. Den Ort finden wir beide so uninteressant, dass wir nach einem Tag bereits Richtung Ayamonte auslaufen. Bei der Überfahrt versucht sich die Santa Maria wieder einmal als U-Boot. Gegen einen strammen Wind zwischen 6 bis 7 Beauforts von vorn nehmen wir viel Wasser über. Die Freude hält sich in Grenzen.



ayamonte



blue marlin

Anlandung von Blue Marlin in Ayamonte

Ayamonte, am Grenzfluss Guadiana gelegen, empfängt uns mit einem einwöchigen katholischen Fest. Das Fest hat für uns zwei unterschiedliche Gesichter. Am Abend, in der Innenstadt, gibt es eine Prozession. Sehr würdevoll, sakrale Blasmusik. Daneben entdecken wir in einem anderen Teil des Ortes eine Straße, in der sehr ausgelassen gefeiert und getanzt wird. Erstaunlich finde ich dort die jungen Damen, die in großer Zahl in traditionellen Kleidern zu sehen sind. Lars zieht den Vergleich zum Münchener Oktoberfest.



fest 1



fest 2



Natürlich kommen wir bei unserer Rückreise wieder an Faro vorbei. Ricarda und Manfred hatten per SMS mitgeteilt, dass sie vor Culatra vor Anker liegen. Das ist für uns Grund genug, nochmals dort vorbeizuschauen. Wir müssen an dem großen Ankerfeld vorbei, sehr tief in die Lagune einfahren, ehe wir die beiden auf ihrem Boot finden. In der Nähe gehen auch wir vor Anker. Um sie zu besuchen wollen wir jetzt den Außenborder fürs Dinghy klarmachen. Zuerst versuchen Lars und ich es. Dann kommt auch noch Manfred vorbei. Auch zu dritt gelingt es uns nicht, das Ding zum Laufen zu bewegen. So muss Manfred mit seinem Dinghy den Fährmann spielen. Neidisch schaue ich auf seinen kleinen Motor, der sofort beim ersten Anziehen anspringt.

Wir verabschieden uns von den Beiden, ohne zu wissen, dass wir uns am Ankerplatz im Rio Arade vor Portimao noch einmal wieder sehen. Einen Tag vor unserem Abflug aus Portugal fahren wir die 7 sm nach Lagos hinüber, dem erneuten Winterliegeplatz der Santa Maria. Der Tag ist noch angefüllt mit Arbeit am Boot. Die Segel müssen abgeschlagen werden. Es gibt noch mal ein großes Reinemachen. Anderntags bringt uns die Bimmelbahn wieder zum Flughafen von Faro.



rio arade

Einfahrt zum Rio Arade
-Die Lady ist nicht hineinkopiert-



Die drei Wochen an Bord, die ja auch ein Test sein sollten, haben mir gezeigt, dass die Lust an der Seefahrt nach wie vor bei mir vorhanden ist. Ich werde den Winter in Portugal verbringen und Pläne für 2011 machen.



© Rüdiger Kreutschmann


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