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Helgoland bis Scheveningen

Zweiter Brief


Seit vorgestern liegen wir im Hafen von Helgoland. Kurzfristig entschieden wir, das ablaufende Wasser der Elbe und den SW Wind zu nutzen. Wir erhoffen uns davon eine bessere Ausgangsposition Richtung Holland. Bei frischem SW Wind erreichen wir den Hafen bereits um 17.00 Uhr.


Auf dem Weg nach Helgoland


Am gestrigen Tag nahm der SW Wind kräftig zu. Bei einem Inselrundgang auf dem Hochplateau werden wir fast weggeblasen. Die Kamera ruhig zu halten ist fast unmöglich. Ich komme mir vor wie ein ungeübter Biathlet, der am Schießstand steht. Bin gespannt, ob ich überhaupt ein scharfes Bild schießen konnte.

Wir sind froh, dieses Wetter nicht auf See erleben zu müssen. Zurück in der Unterstadt, besuchen wir einen der vielen duty free shops. Die Literflasche Rum für 7,50 € lässt uns leichtsinnig werden. Der Vorrat ist jetzt wieder aufgefüllt. Die Architektur auf Helgoland ist eine Katastrophe. Die Zeugnisse menschlichen Lebens wurden am 18. April 1947 von den Engländern radikal mit 6.700 to Sprengstoff vernichtet. Der Wiederaufbau fand im Stile der 60er Jahre statt. Gräulich.


Helgoland


Heute hat der Wind erheblich nachgelassen, kommt aber immer noch aus SW. Die Prognose lautet 5 Bf. in Böen 6 - 7, später auf W und dann auf NW drehend. Achim möchte, dass wir erst Morgen auslaufen. Ich gebe seinem Wunsch nach und hoffe, dass wir damit nicht eine Chance vertun. Um die Zeit nicht zu vergammeln, lasse ich mich in den Mast ziehen. Der Richtungsanzeiger der Windmessanlage spinnt. Vielleicht kann ich mit Kontaktspray für Abhilfe sorgen. Diese Aktion erweist sich leider als Flop.

Mittags sind wir alle der Meinung, doch noch auszulaufen. Nachdem wir 137 Ltr. Diesel gebunkert haben, geht's los. Gegen eine mittlere Welle und Wind um 5 Bf. läuft die Santa Maria um die 5 Knoten. Wind und Seegang nehmen beständig zu. Um 17.30 Uhr gibt der Alarmgeber Signal. Wir stellen die Maschine ab. Kontrolle des Ölstandes ergibt keine Besonderheiten. Öl ist genug in der Maschine und es sieht sauber aus. Trotzdem gießt Frank ein Liter Öl nach, das ich später wieder abpumpe. Kühlwassertemperatur und Öldruck sind nach dem Starten der Maschine normal. Das Alarmsignal bleibt. Wir entschließen uns, nach Helgoland zurückzusegeln. Die Strecke, für die wir mit Maschine über 4 Stunden brauchten, segeln wir jetzt in 2 Stunden und 50 Minuten zurück. Der Hafenmeister wie auch Segler anderer im Hafen liegender Yachten bestätigen uns in unserer Entscheidung, zurück zu segeln.

Der Wetterbericht des Deutschen Wetterdienstes (DW) am nächsten Tag verheißt nichts Gutes. Die Prognose ist, dass wir vor Mittwoch hier nicht weg kommen. Der DW war bisher sehr präzise. Wir müssen tatsächlich bis Mittwoch ausharren. Dann aber werden um 06.00 Uhr die Leinen los geworfen. Es macht sich schon etwas Lagerkoller breit.


Helgoland


Landeanflug einer Lumme


Die Überfahrt nach Harlingen (Holland) verläuft anfangs noch nass; im Laufe des Tages beruhigt sich der Seegang. In der Nacht erreichen wir das betonnte Fahrwasser durch das Watt von Harlingen. Leider ist zu dieser Zeit ablaufendes Wasser, so dass wir uns mit lahmen 4 Knoten nach Harlingen quälen. Der Service der Brückenmeister ist erstklassig. Wir haben kaum Wartezeit und können morgens um 08.30 Uhr, nach 137 Seemeilen, mitten in der Stadt festmachen.


Santa Maria in Harlingen


Abends kommt unser 4. Mitsegler, Marcel, an Bord. Er wird von seiner überaus reizenden Partnerin Ellen aus Den Haag mit dem Auto gebracht. Am nächsten Tag wollen wir mit Hochwasser um 13.00 Uhr auslaufen. Die Flut läuft aber so hoch auf (Springhochwasser), dass die Fluttore zur Stadt geschlossen bleiben. Erst um 14.30 Uhr ist das Wasser so weit abgelaufen, dass wir ausschleusen können. Bei schönem Wind segeln wir das Fahrwasser zur Nordsee zurück und gehen um 17.30 Uhr hinter der Insel Vlieland vor Anker. Eigentlich sollte es in den Yachthafen gehen, dieser ist aber wegen Überfüllung gesperrt.










Am nächsten Tag wollen wir an dem sehr unruhig gewordenen Ankerplatz verholen. Nach dem Einholen von 5 m Ankerkette streikt die elektrische Ankerwinde. Wir benötigten 3 Stunden, um den Fehler zu finden. Dazu wird das gesamte Schiff auf den Kopf gestellt. Eine unscheinbare 100 Ampere Sicherung war durchgeknallt. Dafür habe ich keinen Ersatz an Bord, so dass wir die Sicherung erst einmal mit einem Draht überbrücken. Am Abend ist der Schaden behoben, die Wetterverhältnisse lassen es zu, dass wir noch weiter können und so gehen wir Anker auf. Ein leichter Segelwind schiebt uns auf die Nordsee hinaus. Draußen wird der Wind immer schwächer, so dass die Santa Maria erst einmal mit Dieselwind weiterfahren muss. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages setzt sich ein feiner Segelwind durch, der uns am Nachmittag bis vor die Hafeneinfahrt von Scheveningen bringt. Auf der Mole steht bereits Ellen, bewaffnet mit einem Fotoapparat, um unsere Ankunft zu dokumentieren.

Das Anlegen wird dann nicht so erfreulich. Von unfreundlichen Marineiros wird uns ein Platz in der hintersten Ecke des Hafens zugewiesen. Den können wir bei Seitenwind rückwärts gar nicht erreichen. Wir treiben auf die andere Seite des Hafenbeckens, wo wir an einer holländischen Yacht festmachen. Der Eigner der Yacht ist ein "bekloppter" Holländer (Originalton der Holländer Ellen und Marcel). Folgerichtig werden wir vom Hafenmeister dort auch wieder verjagt. Nach meiner Intervention, dass wir bei dem herrschenden Seitenwind gar nicht wegfahren könnten, zieht er uns mit seinem großen Schlauchboot seitwärts in die Hafenmitte und weist uns einen etwas günstigeren Platz zu. Dort machen wir an einer anderen holländischen Yacht fest; das Eignerpaar ist sehr freundlich. Die Ehre der Holländer ist wieder hergestellt. Zwischenzeitlich lamentiert der "bekloppte" Holländer, wir hätten seine Aluleiste an Bord beschädigt. Ich bewaffne mich also mit zwei Kameras um den angeblichen Schaden zu dokumentieren. Die Aluleiste ist auf der gesamten Länge zerkratzt und zerbeult, eindeutig älteren Datums. Ich tue ganz wichtig mit meinen Kameras und verspreche, den angeblichen Schaden meiner Versicherung zu melden, was ich auch tue. Als ich vier Monate später bei meiner Versicherung nachfrage erfahre ich, dass der holländische Segelkamerad keine Ansprüche gestellt hat. Vielleicht hat ihn mein Gehabe etwas beeindruckt? Ich konnte allerdings auch drei Zeugen aufbieten, die bestätigen, dass wir mit ausreichend Fendern das Anlegemanöver gefahren haben.

Der nächste Tag ist angefüllt mit Arbeiten am Schiff. Ein Monteur kümmert sich um eine leckende Dieselölleitung. Fuscharbeit der Monteure in Greifswald! Eine neue Sicherung wird besorgt und eingebaut. Da ein Großschotblock (für die Landratten: Teil eines Flaschenzugs) unterwegs seinen Geist aufgegeben hatte, spendiere ich der Santa Maria zwei neue, kugelgelagerte Blöcke. In einem Bootszubehörladen habe ich auch bei dem Erwerb von Kleinigkeiten immer das Gefühl, ich hätte gerade den Laden gekauft. Dort haben sie wirklich schon Lösungen für Probleme, die ich noch gar nicht habe.

Abends sind wir bei Ellen und Marcel zu Essen eingeladen. Es gibt Tapas. Marcel ist ein begnadeter Koch. Kann mich nicht erinnern, jemals so außergewöhnlich gut gegessen zu haben. Der folgende Tag wird zu einem Stadtbummel durch Den Haag genutzt.




Den Haag


© Rüdiger Kreutschmann



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