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März/April 2009 - Bahamas

Vierzehnter Brief


Eddi ist gut gelandet. Wir verbringen noch einen Tag in San Juan. Am Montag (2.3.) gehen wir mittags Anker auf und wollen in annähernd 4 Tagen die 450 sm zu der südöstlichen Bahamainsel Great Inagua segeln. Hier soll für uns auch Port of Entry sein, um die nächsten eineinhalb Monate die Bahamas zu erkunden. Beim Ausklarieren erfahre ich von einem Immigration Officer, dass ich nunmehr doch die USA spätestens am 16. Mai verlassen muss und mit meinem "private boat" keine neue grüne Karte (visa waiver) bekomme. Ich werde also nochmals von Nassau (Bahamas) aus nach Florida fliegen müssen in der Hoffnung, bei der Rückkehr eine neue grüne Karte für weitere 90 Tage mitzubringen. Als Alternative kann ich versuchen, in Nassau ein Zehnjahresvisum für die USA zu bekommen. Sollte das alles nicht klappen, habe ich ein echtes Problem.

Bei östlichem Wind um 5 Beauforts können wir erst einmal gemütlich segeln. In den ersten Stunden zeigt sich, dass ich von "Montezumas Rache" eingeholt worden bin. Gestern Abend waren wir noch in San Juan in einem Restaurant essen. Zum Essen gab es eisgekühltes Wasser unbekannter Herkunft. Ich vermute, dass hier die Ursache liegt. Versuche am ersten Tag ohne Erfolg die Beschwerden mit Kohletabletten, die Beate hier an Bord gelassen hatte, zu bekämpfen. Als es am zweiten Tag nicht besser wird und ich schon leichte Schwächeerscheinungen zeige, finde ich Tabletten, die mir vor Jahren mal sehr gut geholfen haben. Sie sind zwar schon überlagert, aber nach Afrika und nach Russland wurden in der Vergangenheit auch überlagerte Medikamente geschickt. Zu meiner Überraschung und Freude wirken sie sehr schnell und am Ende des dritten Tages bin ich wieder ganz gut beieinander.

Derweil sind wir zuerst in eine Flaute hineingefahren und haben anschließend Wind von vorn. Uns bleibt nichts anderes übrig, wenn wir nicht zurücksegeln wollen, als zu motoren. Das geht 30 Stunden so. Wir sind ziemlich genervt. Am Morgen entdecken wir, dass ein massives U-Profil aus Edelstahl an den Davits vom Gewicht des Dingis so verbogen ist, als sei es ein Stück Draht. Am Mittag des dritten Tages bekommen wir den richtigen Wind. In den nächsten 24 Stunden schaffen wir 139 sm und sind damit unserem Ziel sehr nahe. Am Freitag um 15.00 Uhr gehen wir an der offenen Küste vor Matthew Town vor Anker. Wir sind hier die Einzigen. Keine Yachten, keine einheimischen Boote, dazu ein unruhiger Ankerplatz. Das Anlanden mit dem Dingi ist eine feuchte Angelegenheit. Zur Obrigkeit müssen wir eine lange Straße entlang laufen, unendlich viele Formulare ausfüllen und bekommen nach Zahlung von 300 US $ die Erlaubnis, die nächsten zwei Monate die Bahamas zu bereisen.



broken davit

Natur stärker als Menschenwerk?



great inagua

Great Inagua - Bahamas - Einsamer Flecken



Zurück an Bord entscheide ich, dass wir noch Anker auf gehen und einige Meilen nördlich, in der "man of war bay", erneut ankern. Das erweist sich als sehr gute Entscheidung, denn hier liegen wir deutlich ruhiger. Am nächsten Tag fahren wir mit dem Dingi an einen zauberhaften Sandstrand und finden dort Muscheln, für die man weiter im Süden viel Geld bezahlen musste. Kein Mensch weit und breit; Eddi ist auf der Suche nach seinem "Freitag". Auch ich muss zugeben, dass ich ein wenig Robinsonfeeling verspüre. Wir hätten beide Lust noch etwas zu bleiben. Das geht wegen unserer Verabredung in Nassau leider nicht. Unser nächstes Etappenziel ist ein kleines Riff mitten im Ozean. Als wir im Hogsty Reef angekommen sind stellen wir fest, dass das Riff weder klein ist noch einen ruhigen Ankerplatz bietet. Die Ausdehnung des Riffs ist ungefähr 4-mal 6 Seemeilen. Wir versuchen hinter einem mächtigen Wrack Schutz zu finden. Leider vergebens. Die Nacht ist sehr unruhig und wir sind am anderen Tag froh, diesen ungastlichen Ort verlassen zu können.



wrack

Ankern hinterm Wrack im Hogsty Reef


Knapp 70 sm sind's bis nach Crooked Island. Spät abends kommen wir dort an und gehen hinter dem Long Cay vor Anker. Mit dem Dingi fahren wir am anderen Tag an Land und werden freundlich von einem Fischer begrüßt, der gerade seine nächtliche Beute von Conchemuscheln aus ihrem Gehäuse löst. Ein annähernd zwei Kilometer langer Weg führt zu einer kleinen Siedlung, in der wir hoffen einen food store zu finden. Der Fischer meint, es gäbe dort so etwas. Wir laufen also los. Kommen an einer Flamingokolonie vorbei und sehen auch einige wilde Ziegen. In der Siedlung angekommen entpuppt sich der food store als ziemlich armseliger Verkaufsraum, in dem es fast nichts Brauchbares gibt. Wir erstehen bei der freundlichen Inhaberin trotzdem ein Glas Erdnussbutter und ein paar Cracker. Von ihr erfahren wir auch, es gibt hier 22 Einwohner, darunter ein paar Kinder die hier zur Schule gehen. Es gibt eine relativ große, ziemlich verfallene Kirche, in der nur noch ein Seitenschiff benutzt wird. Der Priester kommt einmal pro Monat. Und es gibt Bruce. Wir besuchen den 74jährigen Bruce, der schon vor seinem Wellblechhaus herumlungert. Zuerst trauen wir uns nicht so recht, weil wir seine Privatsphäre nicht stören wollen. Er winkt uns aber zu sich heran. Bruce fragt uns, ob er für uns etwas spielen und singen soll. Wir bejahen und sind gespannt, was uns erwartet. Bruce holt seine Gitarre und legt los. Der alte Knabe, dem der Zahn der Zeit schon arg zugesetzt hat, kommt bei der Musik so richtig in Schwung. Es macht ihm sichtlich Spaß, zumal er weiß, dass seine Mühe anschließend von uns auch belohnt wird. Wann hat er in seinem Alter schon die Gelegenheit, ein paar Dollar zu verdienen.



long cay

Kärgliches Angebot in Long Cay



bruce

Dafür spielt Bruce für uns auf



Zurück an Bord machen wir uns über einige notwendige Arbeitsprojekte an der Santa Maria her. Dabei stellen wir fest, dass der Draht der vorderen Rollfock im Masttopp angerissen ist. Von den Drahtkardeelen hat sich schon die Hälfte aufgedröselt. Ich bin mal wieder froh, den Schaden am Ankerplatz festgestellt zu haben. Nicht auszudenken, wenn das Vorstag unterwegs gebrochen wäre. Wir brauchen jetzt dringend eine Firma, die Edelstahlseile pressen kann. Bis dahin müssen wir uns mit der kleinen Genua II am zweiten Vorstag zufrieden geben.

An unserem nächsten Etappenziel, Clarence Town auf Long Island, gibt es zwar die kleine Flying Fish Marina, aber keine einschlägigen Handwerker für unser Problem. Wahrscheinlich werde ich bis Florida Geduld haben müssen. Dafür können wir unsere Lebensmittelvorräte etwas auffüllen, was dringend erforderlich ist. Der Ladeninhaber fährt uns mit unserer Beute sogar bis zu unserem Dingi; das Schleppen in der Mittagssonne bleibt uns so erspart. Die Versorgungslage auf den Bahamas ist auf den Inseln, die wir bisher kennen gelernt haben, ziemlich dürftig. Dafür haben wir nach fast zwei Wochen wieder einmal Gelegenheit ins Internet zu gehen und dringende Nachrichten nach Deutschland zu senden. Auch Waschmaschinen gibt es hier, so dass ich zur Abwechselung auf die Handwäsche verzichten kann. Wir entscheiden gemeinsam zwei Tage hier zu bleiben.



clarence town

Einkauf in Clarance Town - Dingianlandung in ziemlicher Pampe -



clarence town

Eigenwilliger Kirchbau in Clarence Town



Das ausgebüchste Dingi wird von Eddi wieder eingefangen



ankerplatz

Währendessen schaukelt die Santa Maria friedlich im Hintergrund



In einer Nachtfahrt machen wir uns auf, nach George Town (Exuma) zu segeln. Hier wird der Abflugort für Eddi sein, und einen Tag später kommen Katharina und Tilmann hier an. Bis es aber soweit ist, haben wir noch zwei Wochen Zeit. Der Ankerplatz vor der Ortschaft ist phantastisch. Türkisfarbenes Wasser, Sandgrund, so gut wie kein Bewuchs am Boden und keine Steine. Was will das Seglerherz mehr. Diesen Traumzustand genießen mit uns einige Dutzend Yachten. Mit dem Dingi an Land fahren ist dagegen eine feuchte Angelegenheit. Die Ankerplätze hier liegen relativ weit vom Ort entfernt und der Wind verursacht eine kurze Welle. Viele Yachties ziehen sich für die Überfahrt Ölzeug an. Wir sind meistens bei der Ankunft pitschenass. Dafür können wir in dem einzigen Supermarkt des Ortes phantastisch einkaufen. Lange nicht mehr eine so tolle Auswahl gehabt. Sogar deutsches Meestemacherbrot gibt es hier. Ein weiteres Highlight ist die Bar am Hafen. Im ersten Stock gelegen haben wir eine tolle Aussicht über den Hafen und die Reede. Eddi genießt seinen ersten Rumpunch und droht süchtig zu werden.

In einer knappen Woche sind wir mit Bernd in Nassau verabredet. Wir müssen uns etwas sputen. Also geht es früh morgens, mit dem ersten Tageslicht los. Der Wind will heute nicht so recht, so dass wir den Dieselwind arbeiten lassen. Am Nachmittag entschließen wir uns, den offenen Atlantik zu verlassen und durch eine schmale Zufahrt auf die Exuma Bank zu wechseln. In einer glasklaren Bucht (Black Point Settlement) gehen wir auf 2,5 m Wassertiefe vor Anker. Am nächsten Tag geht es weiter über die flache Exuma Bank. Wir können beim Segeln immer den Grund sehen. Zu Beginn ist es schon etwas gewöhnungsbedürftig, weil man glaubt, jeden Moment aufzusitzen. Aber nichts dergleichen passiert und wir kommen auch gut an den Korallenköpfen vorbei, die in der Karte eingezeichnet sind. Nach einer Nachtfahrt kommen wir morgens in der West Bay von New Providence Island an und gehen dort vor Anker. Außer uns liegt hier noch ein Katamaran, ansonsten sieht es hier recht einsam aus.



eddi angelt

Eddi müht sich mit der Angel



exuma bank

Aufgegebenes Seezeichen auf der Exuma Bank



Wir wollen mit dem Dingi an Land. Am Ufer überall Häuser auf abgegrenzten Grundstücken. An einem kleinen Steg sitzen ein paar junge Amerikaner und erklären uns, dass der Strand weitgehend Privatbesitz ist. Im südwestlichen Teil der Bucht gibt es aber einen kleinen öffentlichen Strand, an dem wir anlanden. Wir machen uns auf den Weg, um zu einem Shoppingcenter zu laufen. Es ist entsetzlich. Wir laufen ungefähr vier bis fünf Kilometer an einem umzäunten Gelände entlang. Auf dem Zaun ist Natodraht verlegt. Die Bewohner müssen mächtig viel Angst haben. Nach annähernd einer Stunde erreichen wir das Shoppingcenter. Es gibt hier auch einen Yachthafen. Für uns ist er aber unerreichbar, weil keine Gäste aufgenommen werden. Sch ... Nach einem kleinen Einkauf machen wir uns frustriert auf den Rückweg und beschließen dabei, nun doch Nassau anzulaufen.

Von Nassau hatte ich die Vorstellung, dass es ähnlich wie Miami in Florida aussähe. Hochhäuser soweit das Auge reicht, Megayachten an den Kais und ähnliches. Nichts dergleichen finden wir vor. Mit Ausnahme der Hotelanlage auf Paradies Island, das Nassau vorgelagert ist, sehen wir eine Kleinstadt. Wenn keine Touristen von den Kreuzfahrtschiffen im Ort sind, wirkt er recht beschaulich. Wir ankern im Hafen, weil die Yachthäfen nicht sehr einladend aussehen. In der Nähe des Dingidocks finden wir einen guten Platz. Mit dem Dingi legen wir dort an und befinden uns gleich im Green Parrot, einer Strandbar, in der wir kostenlosen Internetanschluss bekommen und das Preis-/Leistungsverhältnis für kleine Speisen akzeptabel ist. Im Green Parrot lernen wir auch ein junges Medizinstudentenpaar aus Deutschland kennen, die uns einige wertvolle Tipps geben.



green parrot

Green Parrot Nassau



bay street

Rechts Bacardi Haus an der Bay Street



Nach ein paar Tagen, die wir mit Arbeit am Schiff sowie Einkäufen an Land verbringen, kommt Bernd aus Deutschland angeflogen. Die lange Anreise hat ihn kräftig mitgenommen. Außerdem schleppt er ein Erkältungsvirus an Bord ein, das mir im weiteren Verlauf der Reise noch zu schaffen macht. Wir haben jetzt nur wenig Zeit, zurück nach George Town zu kommen. Also geht es einen Tag nach Ankunft von Bernd schon wieder los. Bernd leidet an diesem Tag mächtig, an dem wir gegen den Wind und eine kleine, ungefähr einen Meter hohe Welle ankämpfen müssen. Zum Schluss möchte er am liebsten mit dem Hubschrauber abgeborgen werden. Er will nur noch Ruhe, die wir ihm am Ankerplatz leider nicht bieten können. Da muss er jetzt durch. Wir segeln weiter nach Süden. Bernd erholt sich allmählich und nach einiger Zeit kann er die Bahamas auch genießen.

Zurück in George Town legen wir wieder vor der Strandbar "chat'n chill" an, dem begehrten Treffpunkt der Fahrtensegler. Am Strand erstehen wir einen Conchsalat, der vor unseren Augen zubereitet wird. Das Wasser um uns herum changiert in allen Türkistönen. Wir sind jetzt auf der Genießerseite; leider wird Eddi uns morgen verlassen. Im Austausch erscheinen Katharina und Tilmann überpünktlich an Bord. Wir genießen noch ein paar Tage George Town und das "chat'n chill", dann machen wir uns erneut auf den Weg nach Nassau.



Ankern vor dem "chat'n chill"

chat'n chill



chat'n chill



Kleine Impression aus George Town

george town



Der Abend senkt sich über das Ankerfeld

Ankerfeld



Wir ankern wieder in der Bucht von Black Point Settlement. Diesmal gehen wir an Land. Es ist eine zauberhafte Siedlung, im Wesentlichen an einer Straße gelegen. Frauen fertigen vor ihren Häusern Flechtwerk aus Palmblättern, ein Mann restauriert unter freiem Himmel sein Segelboot. Am Ende des kleinen Ortes befindet sich der Garten Eden. Ein Künstler sammelt Wurzelholz, aus dem er die seltsamsten Gestalten hervorzaubert. Auf einem großen Gelände stellt er alles aus, der Besucher kann staunend die Fundstücke betrachten. Bei Lorraine gehen wir ins Internet. Lorraine ist sehr geschäftstüchtig. Am Strand vermietet sie Zimmer, Oma backt Brot für die Yachties und in ihrem kleinen Restaurant gibt es Getränkeselbstbedienung, soweit sie nicht anwesend ist. Der Gastraum steht immer offen. Lorraine wird als die beste Köchin der Insel bezeichnet und so essen wir bei ihr zu Abend. Es gibt Red Snapper und Ribs. Dazu peas'n' rice (Reis mit kleinen braunen Bohnen). Wir werden nicht enttäuscht, das Essen ist köstlich.



Bilder aus Blackpoint Settlement

blackpoint



blackpoint



blackpoint



flechtende frauen



garden eden



kakteen



Unsere nächste Station ist die Thunderball Grotto, in der Teile des James Bond Films "Thunderball" gedreht wurden, sowie ein Ankerplatz nahe an einem Korallenriff. In beiden Fällen gehen meine drei Mitsegler mit Begeisterung Schnorcheln. Dann, aus meiner Sicht ein weiterer Höhepunkt. Wir ankern in den Allens Cays. Auf zwei der Inseln leben Leguane, die wir uns ansehen wollen. Die Leguane sind an die häufigen Sportbootfahrer gewöhnt. Kaum landen wir am Strand, kommen einige auf ihren krummen Beinen angewackelt. Kurze Zeit später landet eine amerikanische Familie und fängt an, die Tiere zu füttern. Jetzt gibt es eine kleine Invasion. Bis zu 30 Leguane zähle ich. Es ist nicht gerade das, was ich unter Wildtieren verstehe, aber wir können es uns nicht aussuchen. Die Fluchtdistanz der Tiere liegt ungefähr bei einem Meter. Wenn sie gefüttert werden etwas weniger.



Leguane auf den Allens Cays

leguan



leguane



Nach zwei stürmischen Tagen, mit Wind aus der falschen Richtung, haben wir fast Flaute. Nassau wartet auf uns, und so muss der Motor wieder ran. Ereignisarme Überfahrt. Der Anker fällt in Rufweite des Green Parrot. Wichtig ist jetzt meine Vorbereitung auf die USA. Der Versuch, ein Zehnjahresvisum bei der amerikanischen Botschaft zu bekommen, ist nicht so richtig erfolgreich. Tilmann ist mir sehr behilflich und so kämpfen wir uns durch die Internetformulare. Zwischenzeitlich flitze ich zum Photographen, um die erforderlichen Fotos machen zu lassen. Wir erwerben für 14 $ eine scratchcard um eine PIN zu erhalten, und dann folgt der Anruf bei der Botschaft, bei dem man einen persönlichen Vorstellungstermin erhält. Nachdem alle möglichen Fragen beantwortet sind: der Termin! Große Enttäuschung. Am 19. Mai um 07.00 Uhr kann ich bei der Botschaft erscheinen. Das ist eindeutig zu spät. Wenn ich jetzt 1 ½ Monate in Nassau vertrödele, dann muss ich anschließend durch die USA hetzen. Außerdem komme ich langsam an die Zeit heran, bei der mit Hurrikans zu rechnen ist. Ich entschließe mich für Plan B. Im Internet buche ich für Ostermontag einen Flug nach Miami (Florida) und will am gleichen Tag auch wieder zurück nach Nassau. Mein Kalkül: ich bekomme für weitere 90 Tage ein Touristenvisum (visa waiver).

Früh um 06:50 Uhr schmeiße ich den Securitymenschen des Green Parrot aus seinem Tiefschlaf, damit er mir das Tor öffnet. Auf der Bay Street (die Hauptstraße Nassaus) bekomme ich nach kurzer Zeit ein Taxi. Bin natürlich viel zu früh am Airport, dazu kommt noch, dass das Flugzeug eine Stunde Verspätung hat. Nach dem Einchecken die Sicherheitskontrollen. Schuhe aus, Gürtel ab, Schlüsselbund aus der Hosentasche, dann die erste Schleuse. Weiter geht's zum custom officer. Warum wollen Sie in die USA? Welche Adresse haben Sie dort? Wie lange wollen Sie bleiben? Fingerabdrücke aller Finger der rechten Hand. Fingerabdrücke aller Finger der linken Hand. Brille ab zum Fotografiert werden. Vielen Dank, have a nice trip. Dann warten in der Departure Lounge. Endlich wird zum boarding aufgerufen. Auf dem Weg zum Flieger komme ich wieder an einer Sicherheitslady vorbei, die mich auch sofort ausguckt. Alles noch mal von vorne mit leichter Verschärfung. Schuhe wieder aus. Elektronisch untersucht sie meine Sneekersocken und befummelt anschließend noch meine Füße. Die Schuhe und mein Rucksack werden peinlich genau untersucht. Dann aufstehen. Arme ausbreiten, Beine auseinander. Sie befummelt mich erst von achtern, dann von vorne. Beim Gürtel piepst es wieder. Gürtel wieder ab, nun kann sie sich endlich meinem Schritt widmen. Skurril.

Der Flug nach Miami dauert dann nur etwa 50 Minuten. Treibe mich einige Stunden auf dem International Airport Miami herum und vermeide es, einen Ausgang zu passieren. Das wiederum hätte bedeutet, die Sicherheitskontrollen erneut zu genießen. So wundert sich stattdessen die Dame nachmittags am Counter, warum ich ohne Sicherheitskontrolle bei ihr erscheine. Sie lässt mich trotzdem durch und ich komme zügig zurück nach Nassau. Nunmehr im Besitz eines Visums, das mich berechtigt, bis zum 12. Juli die USA zu bereisen. Das sollte langen.

Zurück im Hafen erspähe ich auch John, einen Engländer, den ich bei meinem ersten Besuch hier kennen lernte. Lege bei ihm an und wir bekakeln meine nächsten Pläne. Er empfiehlt mir dringend, nicht wie vorgehabt über die Grand Bahamas nach Florida zu segeln, sondern von Bimini aus. Er erklärt mir, der Golfstrom liefe in der Florida Street mit 3 bis 4 Knoten nach Norden. Wenn ich von der West Bay aus nach Fort Worth segeln wolle, müsse ich bei der starken Strömung extrem vorhalten, was einen sehr ungünstigen Winkel zum Wind bedeuten werde. Zurück an Bord überprüfe ich die Meinung gleich anhand meiner Karten und stelle fest, dass John Recht hat. Ich werde seinem Rat folgen.



Paradies Island

paradies island



sting ray



Nassau

potters cay



art center





© Rüdiger Kreutschmann


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