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Juni/Juli/August 2008 - Zurück zum Atlantik/Kanarische Inseln

Zehnter Brief


Nach einem vierzehntägigen Berlintrip bin ich Anfang Juni wieder zurück in Spanien. In meiner Begleitung zwei Ladies, Alla und Marina. Wir finden zwar die Santa Maria unversehrt vor, aber ein Wetter, das eher an November in der Norddeutschen Tiefebene erinnert. Nach zwei verregneten Tagen lassen sich die Damen gern von Freunden aus St. Petersburg überreden, in ihr Haus zu kommen, das sie in der Nähe von Benidorm gemietet haben. Wir verabreden uns in Alicante, wohin ich nunmehr alleine segle.

Auf dem Weg dort hin komme ich ein weiteres Mal an Benidorm vorbei. Was Menschen bewegt, diese Ansammlung von Hochhäusern schön zu finden, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Der Hafen von Alicante ist rappelvoll. Ich kann aber an der waiting pier bleiben, an der ich dauernd neue Segler kennen lerne. Ein Däne ist mit seiner Frau seit acht Jahren im östlichen Mittelmeer unterwegs. Nun haben die beiden Sehnsucht nach ihrem beschaulichen Dänemark und sind auf der Rückreise. Wir tauschen ein paar Tipps aus.



alicante

In Alicante



Durch einen Streik der LKW-Fahrer in Spanien ist der Einkauf im Supermercado nicht die reine Freude. Die Regale überwiegend leer; Wasch- und Putzmittel gibt es dagegen noch reichlich, davon wird man leider nicht satt.



visitor pontoon

Santa Maria in Alicante



Nach zwei Tagen Alleinsein sind auch Alla und Marina zurück. Traumhaftes Segelwetter (Damenbrise) bringt uns am nächsten Tag zum Mar Menor, wo wir in einem Becken einer geplanten Marina ankern können. Spundwände sind hier schon geschlagen, das Bauprojekt ist aber höchstrichterlich aus Umweltgründen gestoppt. Ein Rückbau wurde richterlich bestimmt, wird aber wahrscheinlich erst am Sankt Nimmerleinstag realisiert. Kleiner Wermutstropfen des schönen Tages, Marina verträgt die Seefahrt überhaupt nicht. Nächsten Tag geht's nach Cartagena, wo wir diesmal im Real Club Nautico festmachen. Große Belastung für Marina und die Festmacher, da im Hafen ewiger Schwell steht. Von hier aus bringe ich die Damen nach Malaga zum Airport.

Nach fast 1000 km Autofahrt an einem Tag gönne ich mir noch einen weiteren Hafentag und kann abends in einem Restaurant das Fußballeuropameisterschaftsspiel zwischen Portugal und Deutschland genießen (die deutsche Mannschaft gewinnt).

In Águilas am nächsten Tag werde ich Opfer eines schlitzohrigen Tankwarts. Er behauptet, kein Wechselgeld zu haben und kommt so, weil ich keine Lust auf lange Diskussionen habe, zu einem schönen Trinkgeld. Wieder folgt eine unruhige Nacht vor Anker. Um 04.00 Uhr hält mich hier nichts mehr. Mit wechselnden Windbedingungen mache ich mich auf den gut 80 sm langen Weg nach Almerimar. Es wechseln sich Motor- und Segelstunden immer wieder ab, dann aus heiterem Himmel (im wahrsten Sinne des Wortes) Wind um 6 Beaufort aus Ost. Ich bin ziemlich verdattert, denn es gab nicht das geringste Anzeichen. Ein Blick auf den Barographen: der Luftdruck war schlagartig um 2 Hektopascal gefallen. Na, manchmal gibt es noch Erklärungen für Wetterphänomene, ohne dass am Himmel irgendein Zeichen erkennbar ist. Um 22.00 Uhr ist in Almerimar noch das Hafenbüro geöffnet und, da ich jetzt bereits in ihrem Computer gespeichert bin, erhalte ich relativ schnell einen schönen Liegeplatz.

Almerimar ist nach wie vor halb so groß wie der Chicagoer Zentralfriedhof, aber doppelt so tot. In einer englischen Sportsbar kann ich am TV weiterhin an der Fußballeuropameisterschaft teilnehmen. Alle anwesenden Engländer sind für die türkische Mannschaft. Wenn die deutsche Mannschaft ein Tor schießt und ich die Arme hochreiße, lächeln sie aber verständnisvoll. Nach dem Fußballabend geht es am nächsten Tag weiter. Bis zu meinem vorläufigen Bestimmungshafen, Fuengirola, sind es ca. 90 sm, die ich mir in zwei Tagesetappen einteile.

stempel

In Fuengirola erwarte ich nunmehr meine zwei Mitsegler für die Überfahrt zu den Kanarischen Inseln, Eddi und Stefan. Ob wir in Gibraltar noch einen kleinen Zwischenstopp einlegen, ist von dem zu erwartenden Wind abhängig. Nach Auswertung von drei Wetteranbietern im Internet, "Windguru", "WetterOnline" und dem Deutschen Wetterdienst sieht es im Moment nicht nach einem stopover aus. Mal sehen.

Stefan erscheint pünktlich zum Frühstück, Eddi leider mit erheblicher Verspätung. Irgendwann nachts um 01.00 Uhr ist aber auch er an Bord. In Fuengirola steppt um diese Zeit noch der Bär, da vor wenigen Stunden die spanische Mannschaft Fußballeuropameister geworden ist. Höllenlärm in der Stadt, wahrscheinlich in ganz Spanien. Stefan und ich sahen uns am frühen Abend das Endspiel, an der die deutsche Mannschaft teilnahm, in einer Hafenkneipe an. Ich hatte mich mit einer Nationalen und dem Nebelhorn von Bord präpariert. Leider kam beides nicht so richtig zum Einsatz. Nach dem Schlusspfiff waren die um uns sitzenden Spanier völlig aus dem Häuschen. Sie bestellten etwas zu Essen und Champagner (!). Mehrere Male kam einer der Spanier an unseren Tisch und gab uns vom Essen, wie auch vom Champagner ab. Das nenne ich Lebensart.

Nächster Tag Einkäufe. Im Mercado Municipal erstehe ich frische Kräuter und Gewürze. Endlich mal nicht aus dem Supermarkt, sondern von einem richtigen Gewürzhändler. Abends lädt uns Eddi zum Essen ein. Sein 50ster Geburtstag muss nachgefeiert werden. Dienstag geht's endlich mit der Seefahrt los. Das Mittelmeer ist ein Ententeich. Maschinenfahrt hinüber nach Gibraltar. An dem gesunkenen Frachter südlich von Europe Point wird nach wie vor gearbeitet. Vermutlich wird Öl abgepumpt und evtl. ein Teil der Ladung geborgen. In der Marina Bay bekommen wir wieder einen guten Liegeplatz. Meine beiden Mitsegler gehen auf Besichtigungstour zum Rock. Danach werden die Rumvorräte der Santa Maria ergänzt. In Gibraltar ein gern wiederholtes Ritual.

Die Kanaren

Donnerstag, den 3.7.2008 ist es soweit. Unsere Überfahrt zu den Kanarischen Inseln startet morgens um 07.30 Uhr. Wir haben ungefähr 600 sm vor uns. Um aus der Straße von Gibraltar herauszukommen müssen wir die ersten 47 sm gegen einen mittleren Westwind motoren. Sobald wir das Verkehrstrennungsgebiet verlassen haben (ca. 17.30 Uhr) gehen wir auf unseren SW-Kurs und können Großsegel und Genua setzen. Der Wind hat mittlerweile eine leichte NWliche Tendenz, was uns sehr gut gefällt. Um auf der Seekarte im Maßstab 1:3,5 Mio. unseren Reisefortschritt sehen zu können habe ich entschieden, dass wir nur zweimal am Tag (mittags um 12.00 und nachts um 24.00 Uhr) unsere Position bestimmen. Dies geschieht in der Hauptsache mittels GPS, wir schreiben aber die jeweiligen Loggestände zusätzlich auf, um mitkoppeln zu können.



Eddi und Stefan schmieren Stullen



Die ersten beiden Tage habe ich leichte Eingewöhnugsschwierigkeiten auf dem Atlantik. Jeweils nachts muss ich eine Teilverwertung meiner Nahrung auf dem Weg vornehmen, auf dem ich sie auch zu mir genommen habe. Ab dem dritten Tag hat mein Körper sich aber auf die ewige Schaukelei und den Wachrhythmus eingestellt und es gibt keine "Ausfälle" mehr. Meine beiden Kumpane sind von solchen Unpässlichkeiten verschont. Auch Stefan, der sich mit einem Hexenschuss rumplagte, ist nun wieder voll genesen, und er verwöhnt uns mit seinen Kochkünsten. Wir gehen nachts vier Stunden und tagsüber sechs Stunden Wache. Eddi und Stefan bilden dabei eine Wachmannschaft und der Skipper geht seine Wachen allein.

Wir haben in den knapp fünf Tagen der Überfahrt zu den Kanaren nur ganz wenige Begegnungen mit anderen Schiffen. Andere Segler sehen wir überhaupt nicht. Nachts sehe ich am Horizont den Widerschein von Rabat und Casablanca. Kleiner Gruß aus Afrika. Auf einer meiner Wachen kommen wir in einem Abstand von 2,5 sm an einer Bohrinsel vorbei, die auf einer Wassertiefe von ca. 2000 Metern verankert ist. Sie ist in meiner Seekarte nicht verzeichnet. Da wird mir wieder bewusst, welches Risiko Einhandsegler eingehen. Wir hätten ja gut und gerne diese 2,5 sm auch weiter westlich segeln können, und als Alleinsegler, der sich gerade eine Mütze voll Schlaf gönnt, wäre man dann unweigerlich in die Bohrinsel gekracht.

Am zweiten Tag finde ich morgens an Deck einen kleinen fliegenden Fisch von ca. 8 cm Länge. Der Außenbordskamerad hat leider schon sein Leben ausgehaucht, so dass ich ihn zur Anschauung bis zur nächsten Wache aufbewahre. Obwohl noch sehr klein, stinkt er schon wie ein Großer. Es soll bis zu den Kanaren der Einzige bleiben; eine Bereicherung des Speisezettels findet leider nicht statt.

Ab dem dritten Tag haben wir alle unseren Bordrhythmus gefunden. Müdigkeitsanfälle wie am Anfang kommen jetzt nicht mehr vor. Der Wind dreht weiter nördlich und dann nordöstlich und wird zu einem zuverlässigen Nordost Passat. Dieselstunden gibt es nicht mehr und Strom produziert für uns die Sonne. Am letzten Tag vor unserem Landfall auf den Kanaren kommt es auf meiner Wache zu einer Patenthalse. Obwohl wir einen Bullenstander gesetzt haben, kann dieser es nicht verhindern, dass das Großsegel überkommt (auf die andere Seite kracht). Dabei verformt sich ein Karabinerhacken aus Edelstahl von 10 mm Stärke. Die Großschot hängt nur noch "am seidenen Faden". Ich wecke die Freiwache. In einer Gemeinschaftsaktion können wir erst einmal eine vorläufige Sicherung anbringen. Danach wird das Großsegel vor dem Wind geborgen. Eine nicht ganz einfache Arbeit auf dem wild sich bewegenden Schiff. Nach ungefähr einer Stunde ist der Schaden behoben. Wir setzten aber nicht erneut das Großsegel und stellen dabei fest, dass wir nur mit dem Vorsegel keinen Geschwindigkeitsverlust haben, dafür aber wesentlich ruhiger segeln. Die Freiwache kann wieder in die Koje.

Sehr spät erst kommen Lanzarote und die Insel La Graciosa in Sicht.



lanzarote

Der erste Eindruck von den Kanarischen Inseln - hier: Lanzarote



Wir werden unseren geplanten Ankerplatz im Sund zwischen den beiden Inseln La Graciosa und Lanzarote nicht mehr im Hellen erreichen. Die geballte Technik der Santa Maria kommt bei der Ansteuerung zum Einsatz. Radar, GPS, elektronische Seekarte sind hilfreiche Instrumente. Zum Schluss tasten wir uns per Echolot an unseren Ankerplatz, an dem um 24.00 Uhr auf 10 m Wassertiefe der Anker fällt. Die Überfahrt ist erfolgreich beendet und wir gönnen uns einen angemessenen Schluck.

Am nächsten Morgen sind wir einigermaßen überrascht. Vor uns ragt die Steilwand des Montana Amarilla 172 m in die Höhe. Keine Vegetation, dafür beeindruckende Zeichnung der Oberfläche. Rechts davon, in etwa 100 m Entfernung, ein kleiner Sandstrand. Wir verbringen den Tag am Ankerplatz. Eddi und Stefan erkunden schwimmend den Sandstrand. Ich kümmere mich um die Dokumentation der Reise, Logbuch, Reisebericht.



montana amarilla

Montana Amarilla



In 4 Tagen und 16,5 Stunden haben wir 616,4 sm zurückgelegt. Unser Segelanteil liegt bei 85,6%. Das beste Etmal (in 24 Stunden gesegelte Meilen) war 146 sm. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit der gesamten Reise betrug 5,479 Knoten. Damit waren wir sehr zufrieden. Der Passat ist ein zuverlässiger Windmotor. Es war Hochseesegeln vom Feinsten.

Nach einem Tag vor Anker verholen wir zur Hauptstadt Lanzarotes, Arrecife. An einem wackeligen Schwimmsteg machen wir längsseits einer anderen Yacht fest. Elektrokabel, Wasserschläuche, Bauholz und teilweise Maschinen liegen kreuz und quer auf dem Steg. Meine beiden Mitstreiter sind etwas pikiert. Sie haben immer noch festlandeuropäische Yachthäfen vor Augen. Am Ende des Stegs gibt es ein kleines Steinhäuschen, welches eine einsame Dusche beherbergt. Hm, es ist sauber und man kann ohne Gesundheitsgefährdung duschen. Daneben gibt es eine Tür, hinter der wir eine Toilette vermuten. Trotz dreifacher Anstrengung gelingt es uns nicht, die Tür zu öffnen.



dusche arrecife

Sanitäre Anlage in Arrecife



Arrecife



vulkangestein

Vulkangestein wird vielfältig verarbeitet



kinderspielzeug

Aus alten Tonnen gebautes Kinderspielzeug



hafen arrecive

Arrecife



Die Sehenswürdigkeiten Arrecifes sind überschaubar. Bei einer Fototour stoße ich auf eine Horde schwarzhäutiger Kinder, die ganz wild darauf sind, von mir fotografiert zu werden. Ich tue ihnen den Gefallen, obwohl sie nachher nichts davon haben. Aber dafür sind sie jetzt, ohne es zu wissen, im Internet.



black childs



Zwei Nächte Arrecife sind genug. Der Passat zeigt weiterhin eine breite Brust und bringt uns mit 5 - 6 Beaufort Wind nach Fuerteventura. Etwas südlich der Hauptstadt Puerto del Rosario finden wir in El Castillo einen guten Liegeplatz. Es handelt sich um einen reinen Ferienort. Der Marinastandard ist gut und die Marineiros im Hafenbüro sind ausgesprochen freundlich. Die Supermärkte sind allerdings ausschließlich auf Hoteltouristen eingestellt. Entsprechend dürftig ist das Angebot. Letztlich müssen wir nach Puerto del Rosario fahren, um die benötigten Lebensmittel zu bekommen. Hier wird nun Stefan abmustern und wir erwarten einen Tag später Beate aus Stuttgart.

Bevor dies geschieht, mieten wir noch für drei Tage ein Auto und erkunden damit die Insel. Bei einer Rundfahrt kommen wir auch in die Berge. Spektakuläre Aussichten sind garantiert; bei meiner Höhenangst bin ich als Fahrer nicht überall glücklich. Insgesamt sehen wir Fuerte als karge Vulkaninsel. Wegen der Wasserknappheit auf der Insel ist Landwirtschaft so gut wie nicht zu entdecken. Eine Ziegenfarm kommt in Sicht. Das Wasser, welches die große Seewasserentsalzungsanlage produziert, wird verschwenderisch für den Tourismus gebraucht. Drei Wochen mit Hotelurlaub möchte ich hier nicht verbringen.



lanzarote

Blick von Fuerte nach Lanzarote



fuerte

Dröge Vulkanlandschaft auf Fuerteventura



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Aber auch hier lebt es



Bye bye Stefan, hallo Beate. Am Flughafen bin ich froh, dass manch Lady nicht auf mein Ankunftsschildchen reagiert. Dann erscheint eine große rollende Tasche mit einer kleinen Dame, die mich freundlich anlächelt. Gott sei Dank, noch Mal davongekommen. Sie ist sogar sympathisch, wie Eddi und ich feststellen dürfen.

Bei der Überfahrt am nächsten Tag in den Süden von Fuerte erleben wir von Flaute bis Starkwind alle Varianten. Von den Bergen fauchen die Fallwinde herab. Die Täler zwischen den Bergen sind wie Düsen. Kurzer, steiler Seegang entsteht. Surfer kommen wohl speziell wegen dieser Bedingungen hierher. Eigentlich wollten wir im Süden ankern, entscheiden uns dann aber doch, in den Hafen von Morro Jable zu steuern. Auch dort ist es noch unruhig. Wir können im Hafen auch nur ankern. Bei bis zu 35 Knoten (Windstärke 8) zerrt die Santa Maria an der Ankerkette. Erst am Nachmittag des nächsten Tages hat der Wind soweit abgeflaut, dass wir an einem Schwimmsteg festmachen können. Hier lernen wir Anne und Wolfgang kennen, die uns einen wertvollen Tipp für ein tolles Fischgericht bei der Fischereigenossenschaft geben. Die beiden hatten ursprünglich ebenfalls vor über den Atlantik zu segeln. Beim bunkern für den großen Törn brach Anne sich allerdings ein Bein und aus war der Traum.

Eddi mustert schweren Herzens ab. Mit Beate segle ich in einem schönen Tagestörn hinüber nach Las Palmas auf Gran Canaria. Der Passat ist zahm, bringt uns aber mit guter Geschwindigkeit zu unserer nächsten Insel. Wir bleiben die erste Nacht am Besuchersteg und können am anderen Morgen einklarieren.

An den zwei Tagen, die wir in Las Palmas verbringen, ist der Norden Gran Canarias permanent in Grau gehüllt. Es ist zwar warm und der Wind ist angenehm, die Sonne sehen wir aber nicht. Vom Hafenmeister werden wir erst einmal in die "old town" geschickt, die uns nicht besonders beeindruckt. Dann aber entdecken wir in einem anderen Stadtteil einen Mercado Municipal, in dem wir toll einkaufen können. Ein paar Schritte weiter und schon sind wir an dem Playa de las Canteras. Eine Uferpromenade, an der man nett flanieren und den einen oder anderen Espresso trinken kann. Abends brät Beate die erstandenen Lenguado-Filets.

Bei unseren Stadtbummeln laufen uns erstmalig la cucarachas in beachtlicher Größe über den Weg. Die Vorstellung, diese Viecher an Bord einzuschleppen, ist nicht sehr angenehm.

Um wieder in die Sonne zu kommen, segeln wir am dritten Tag nach Teneriffa hinüber. Eine raue Überfahrt, da am nordöstlichen Kap der Insel durch den Kapeffekt der Passat erheblich verstärkt wird. Wir sind froh, als wir abends den Hafen von Santa Cruz de Tenerife erreichen. Im Puerto Atlantico werden wir von einem Marineiro mit Schlauchboot empfangen, der uns einen schönen Platz zuweist. Die Marina hat viele leere Liegeplätze, was uns aber nicht stört. Hier nun wird in wenigen Tagen Tilmann aus Deutschland zu uns stoßen.

Die Hauptstadt Teneriffas ist quirlig. In den Haupteinkaufsstraßen sind alle internationalen Firmen, wie H+M, Zara, natürlich auch McDonalds, Burger King etc., vertreten. In den Nebenstraßen finden wir Straßencafes, die immer wieder zum Verweilen einladen. Abends entdecken wir eine kleine, einfache Kneipe, in der einige Einheimische essen. Die Wirtin überredet uns zum Fischessen. Beates Fisch ist nicht identifizierbar, mit meiner Dorade ist es einfacher. Die Fische in Kräuter/Knoblauchsauce sind hervorragend. Beate bestellt noch ein paar Kartoffeln, die nach kanarischer Sitte in Meerwasser gekocht werden.



restaurant



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Einfaches aber gutes Restaurant; selbst ein Blick in die Küche ist erlaubt



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Santa Cruz de Tenerife



Teneriffa wurde 1492 als letzte Kanareninsel von den Spaniern unterworfen. Die einheimische Bevölkerung (Guanchen) wehrte sich lange tapfer. Durch eine 1495 aus Europa eingeschleppte Seuche wurden sie derart geschwächt, dass die Spanier letztlich die Oberhand gewannen.

Der zentrale Platz von Santa Cruz, der Plaza de España, wurde interessant neu gestaltet. Ein kleiner Meerwassersee bildet nun das Zentrum. Am Abend können wir noch einen Teil der Einweihungsfeierlichkeiten erleben. Eine Musikgruppe in traditioneller kanarischer Kleidung macht flotte Musik.

Samstag erscheint Tilmann. Mit ihm segeln wir einen Tag später in den Süden der Insel. In Puerto Colon, den ich mir eigentlich als Absprunghafen für unseren Transozeantörn ausgeguckt hatte, werden wir am Abend abgewiesen. Privathafen, maximale Liegezeit an der Tankstelle für eine Nacht bis morgens um 07.00 Uhr. Wir verzichten und fahren weiter nach Los Gigantes. Auch hier macht ein Securitymensch Theater. Beate redet energisch auf ihn ein und er ergibt sich. Er wirft uns vor, wir hätten uns per Funk vorher melden sollen, vermutlich hätte er uns dann bereits auf diesem Wege abgewiesen. Ich behaupte einfach, unser UKW Gerät sei defekt. Eine Taktik, die ich jetzt öfter anwenden werde. Wenn man erst einmal im Hafen ist, wird es schon schwieriger abgewiesen zu werden. Am anderen Tag im Büro des Hafenmeisters ist alles ganz easy. Wir können noch einen Tag bleiben und fahren erst am nächsten Tag hinüber nach La Gomera.



San Sebastian de la Gomera

san sebastian



san sebastian



san sebastian



Vom ersten Augenblick an bin ich von dieser Insel angetan. Der Hafen San Sebastian de la Gomera liegt sehr geschützt, umgeben von Vulkanbergen. Es steht zwar immer Schwell im Yachthafen, es ist aber noch zu ertragen. Man sieht keine Bettenburgen. Im Ort hübsche alte Häuser, Straßencafes, kleine Geschäfte, kein McDonalds! Spontan habe ich Lust, hier etwas länger zu bleiben. Wir mieten uns ein Auto und erkunden die Insel.



bananenplantagen

Bananenplantage



wasserreservoir

La Gomera benötigt keine Seewasserentsalzunganlagen



Freunde von Beate haben auf Gomera ein Ferienhaus. Wir besuchen sie und verabreden uns für den nächsten Tag zu einer kleineren Wanderung durch den Nationalpark Garajonay. Der Garajonay ist mit 1487 m der höchste Berg Gomeras. Wir wandern durch Lorbeerwälder und erreichen nach circa einer Stunde das Restaurant "Ifigenie". Hier bekommen wir ein altes gomerisches Gericht serviert ("Gofio"), das in seinem Hauptteil aus gemahlenem und geröstetem Mais besteht. Dieser wird mit Olivenöl und allerlei undefinierbaren Zutaten zu einem Brei verarbeitet. Dazu gibt es Mojo, eine scharfe Sauce aus Chili, Knoblauch, Koriander, Salz und Öl sowie gemischten Salat. Wer in Deutschland gewöhnt ist, dass die Suppe vorweg serviert wird, muss sich hier umgewöhnen. Die schmackhafte Gemüsesuppe wird nach dem "Hauptgericht" gereicht. Zum Schluss gibt es Kuchen mit Palmsirup und Espresso. Eine runde Sache. Übrigens, eine Speisekarte ist nicht erforderlich, da es nur ein Gericht gibt.



Impressionen von La Gomera

la gomera



la gomera



la gomera



lagomera



In den wenigen Tagen auf La Gomera bekommen wir einen guten Eindruck von der Insel. Der erste positive Eindruck bestätigt sich. Wir werden an Kolumbus erinnert, der hier nicht nur seine Schiffe mit Wasser versorgte, sondern angeblich auch eine Liaison mit der legendenumwobenen Beatriz de Bombadilla gehabt haben soll.

Das Valle Gran Ray (Tal des großen Königs) lassen wir aus. Hier sammelten sich in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts die Aussteiger und Blumenkinder. Auch heute soll sich noch eine kleine Gemeinde erhalten haben, die in den Höhlen wohnt. Statt kiffender Zivilisationsflüchtlinge soll sich nunmehr eine Anzahl von allein erziehenden Müttern mit ihren Kindern dort aufhalten. In meiner Phantasie tragen sie alle lila Latzhosen und grüne Leinenschuhe; ihren Lebensunterhalt bestreiten sie durch den Verkauf von Batikshirts, die sie selber herstellen.



blue marlin steak

Blue Marlin Steak



Nach einer Woche verlässt uns Tilmann. Mit Beate segele ich nach Teneriffa zurück. Ein neuer, geschützter Hafen, San Miguel, bietet uns für 2 Tage Schutz. Hier erleben wir abends in einem italienischen Restaurant das schlechteste Essen der bisherigen Reise. Trinkgeld gibt's selbstverständlich dafür nicht. Dann machen wir uns auf, nach Puerto de Morgan (Gran Canaria) zu segeln. Die Überfahrt ist ein heißer Tanz. Hoch am Wind, bis zu 33 Knoten (7 Beaufort). Wir nehmen viel Wasser und, obwohl ich die Bilge häufig leerpumpe, kann ich nicht verhindern, dass in der Kajüte etwas Wasser stehen bleibt. Durch den Teppich kann es nicht schnell genug wieder in die Bilge zurückfließen.

Puerto de Mogan liegt an der Südwestküste Gran Canarias. Es ist ein recht hübscher Ort mit niedriger Bebauung, der ausschließlich vom Tourismus lebt. Einige Fischer sind noch aktiv, die als Kooperative am Hafen ein Fischrestaurant betreiben (Cofradia). Alle wichtigen Einrichtungen für den Touristen sind vorhanden, für Segler kann ich keinen Servicebetrieb entdecken.



puerto de morgan

Puerto de Morgan



cofradia

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Puerto de Morgan

puerto de morgan



puerto de morgan



Für Beate ist hier Schluss. Sie fliegt von Las Palmas aus nach Deutschland zurück. Im Gegenzug erscheint am gleichen Tag Klaus.

Mit Klaus will ich nach Puerto Rico. Angeblich der Treffpunkt der Weltumsegler. Im Hafen ist davon nichts zu sehen. Mein Handbuch für die Kanaren ist leider veraltet. Wir werden abgewiesen und gehen einige Meilen weiter südlich in einer Bucht vor Anker. Unruhige Nacht. Am nächsten Tag dieseln wir nach Las Palmas hoch. Gegen den Passat haben wir keine realistische Chance anzusegeln. In Las Palmas können wir nicht bleiben, da die Flotte der ARC (Atlantic Rally for Cruisers) sich hier sammelt und alle Liegeplätze beansprucht. Wir entscheiden uns nach Fuerteventura zu segeln. Von Las Palmas aus können wir die Südspitze von Fuerteventura gut erreichen. In einem flotten "Ritt" schaffen wir die knapp 60 sm noch bevor der Tag wieder zu Ende geht. Der Versuch, erst einmal hier zu bleiben, scheitert. Wieder kein Platz für uns. Langsam macht mich die Situation auf den Kanaren nervös. Wieder steht uns eine Motorfahrt bevor, um weiter nach Norden zu kommen.

Unterwegs hatte ich dreimal von einer neuen Marina Rubicon im Süden von Lanzarote gehört. Eine Karte habe ich von der Marina nicht, dafür aber die Koordinaten. Sie ist nunmehr unser Ziel. Nachdem wir ordentlich durchgeschüttelt wurden, erreichen wir um Mitternacht die Marina. Der erste Eindruck im Dunkeln ist sehr viel versprechend. Bei Tageslicht wird dieser Eindruck noch verstärkt und ich entschließe mich spontan, dass dies der Hafen für die nächsten dreieinhalb Monate und der Absprunghafen für unsere Atlantiküberquerung werden soll.



klaus

Klaus



Fazit meiner Erfahrungen mit den Canaries: es gibt keine gute Hafeninfrastruktur für Segler. Die Inseln sind von der Wasserseite aus, durch die vegetationsfreien Berge, eher abweisend. Das Segeln zwischen den Inseln ist von Nordost nach Südwest angenehm und schnell. Die Rückreise gegen den Passat ist meist sehr beschwerlich. Im Ganzen ist es ein anspruchsvolles Hochseesegelrevier. Die Versorgungslage für Lebensmittel macht keine Probleme. Das Klima und die Temperaturen sind Klasse.

Einen Tag bevor Klaus nach Deutschland zurückfliegt erleben wir noch eine böse Überraschung. Beim ausrollen der Genua (großes Vorsegel) bricht das Drahtseil, mit dem es hochgezogen wird (Fall). Der Draht rauscht über die Fallscheibe und verschwindet im Mast. Wir haben ein Problem. In einer aufwendigen Aktion, bei der Klaus mindestens zehn Mal den Mast aufentert, gelingt es, ein neues Fall einzuziehen. Es bewähren sich die Maststufen. Wenn ich ihn dauernd mit dem Bootsmannsstuhl hätte hochwinschen müssen, wäre das eine sehr schweißtreibende Angelegenheit geworden. Bei dieser Aktion wird außerdem deutlich, dass das Segel dringend in die Hände eines Segelmachers gehört. Klaus meint, der Fallenabweiser von Reckmann sei sinnlos und er baue ihn ab. Wochen später, die Genua ist mittlerweile repariert, stelle ich fest, dass sich das Segel ohne diesen Abweiser nicht aufrollen lässt. Also klettere ich in den Mast und bringe einen Neuen an. Genug Reserve hatte ich bereits von Deutschland aus mitgenommen. Nach der Installation funktioniert der Mechanismus wieder einwandfrei.


© Rüdiger Kreutschmann


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